Alle Jahre wieder kommt das Elviskind

Er kam von ganz unten, um die Menschheit musikalisch zu erwecken. Genau heute, im Jahre 0 vor und nach Ihm, wurde in Tupelo, Mississippi, der musikalische Heiland von Millionen geboren. Wie auch ein anderer Messias, der zu jung sterben musste und dessen Geburtstag man unlängst gefeiert hat, wurde auch Er zeitlebens von seinen JüngerInnen nur bei Seinem Vornamen gerufen.

Gläubige Menschen aller Konfessionen haben es dieser Tage nicht leicht. Weitgehend unbeachtet in der brisanten Gemengelage von Religionsverlust und Rückgang von Religiosität auf der einen sowie religiösen Extremismus und Missbrauch von religiösen Ideen auf der anderen Seite, feiern heute Millionen friedlich, mit vergnügtem Hüftschwung, Pepsi-Cola und Erdnussbutter-Sandwich Seinen Geburtstag.

Dabei hätte, Elvis bewahre, eigentlich alles ganz anders kommen können.

Denn am 8. Jänner des Jahres 1935 nach der Zeitrechnung eines konfessionellen Marktmitbewerbers wird am frühen Morgen zunächst Jesse Garon Presley geboren. Knapp 45 Minuten später erblickt sein Zwillingsbruder Elvis Aaron Presley das Licht der Welt. Jesse Garon stirbt nach der Geburt, Elvis Aaron hingegen überlebt und lebt der Legende nach bekanntlich bis heute.

(c) Clemens Tonsern

Sein Vater Vernon und Seine Mutter Gladys zählen im Jahr 1 vor Ihm zu den Ärmsten in den USA. Arbeitslosigkeit, Schulden und prekäre Wohnverhältnisse prägen die ersten Jahre der Heiligen Familie. Bis Er im Jahr 10 nach seiner Geburt erstmals mit einer Gitarre bei einem Schulwettbewerb auftritt. Platz fünf im Wettbewerb der Lawhon school, Tupelo, macht Ihn als zeitlebens nicht auf Ruhm bedachten Menschen sympathisch und lässt bereits die späteren Weltrekorde in Sachen Singles und Langspielplatten erahnen. Der Rest ist allgemein bekannte, bis in die Gegenwart und weiter in die Zukunft tradierte Geschichte. Seine Geschichte, unsere Geschichte.

Denn es ist schlichtweg müßig, auf Seine Erfolge und Seinen Einfluss auf die Musikgeschichte sowie auf die Gesellschaft Seiner Zeit hinzuweisen. Nach einer rebellischen Jugendphase, in der Er Seine JüngerInnen in Scharen um sich sammelte (Erkennungszeichen: Blues Suede Shoes), wurde Er später – schon etwas ruhiger in Ausdruck und Bewegung – zum König. Ein von allen Völkern der Erde demokratisch und einstimmig eingesetzter, ungekrönter König wohlgemerkt.

Er war vielleicht nie besonders weise (Tabletten, Ernährungsgewohnheiten, Scheidung von Priscilla), aber großzügig (legendär sind Seine Autogeschenke an Passanten in Memphis ebenso wie Seine Spenden an Notleidende).

Er hielt immer gut gelaunt, gut aussehend und mit einem Lächeln auf den Lippen Generationen von Kindern und Jugendlichen in insgesamt 29 Spielfilmen zur Gewaltfreiheit und Diversität an („Let me be your Teddy Bear“, „Jailhouse Rock“).

Er forderte seine JüngerInnen mit Nachdruck zur Solidarität auf („In the Ghetto“) und predigte bis zuletzt in jeder Seiner öffentlichen Kultusfeiern, einander zu lieben und zu achten („I can´t help falling in love with you“).

In diesem Sinn feiern wir heute ganz ohne Ge- oder Verbote den Größten der Größten. Lediglich (mit)singen und hören wird allen ans Herz gelegt. Wer dies nicht tut, kommt heute dennoch nicht an Ihm vorbei. Millionen feiern heute nämlich schon die 80. Elvisnachten.

Du bist immer in unseren Gedanken,

Elvis.

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