An die Ostsee, nach Stettin

Eines vorweg: Geografie war noch nie meine größte Stärke. Und so dachte ich auch wirklich, Stettin läge an der Ostsee. Dass dem nicht der Fall und die Stadt dennoch allemal einen Besuch wert ist, lernte ich bei einem Besuch im Sommer 2013.

Vom Bahnhof Gesundbrunnen in Berlin fuhren eine gute Freundin und ich nach Szczecin in Polen. Per VBB dauert das ungefähr zwei Stunden und kostet um die 10 Euro. Während der Zug durch die ehemalige DDR braust, erheben sich, je näher man der polnischen Grenze kommt, links und rechts der Bahntrasse majestätische Hügelgräber. Von Zeit zu Zeit durchbricht man weite Nebelbanken, die sich über Moore und Sumpflandschaften gelegt haben. Im selben Wagon eine Reisegruppe, die sich in Gebärdensprache unterhält, in der selben Sitzreihe ein Pärchen, dass erbost und dennoch lautlos miteinander im Streit liegt. Und dann kommt man an, in Stettin.

Stettin ist übrigens nicht nur eine katholische Hochburg – die Stadt ist zudem der Mittelpunkt des polnischen Buddhismus

In der Stadt folgten wir dem „Red Walk„, ein am Boden aufgemalter roter Faden, der sich durch die ganze Stadt zieht und den wissbegierigen Besucher automatisch zu Sehenswürdigkeiten bringt. Uns brachte der Faden zunächst allerdings in ein gemütliches kleines Kaffee. Nach dem Genuß diverser Süßspeisen gings zum angeblich ältesten Kino der Welt, das Kino Pionier 1909. Das „beste kleine Kino, in dem man alles vergessen kann“ zeigt auch heute noch Filme – als wir dort waren lief allerdings nichts Ansprechendes im Programm.

Aus der Geschichte Stettins

Stettin, ursprünglich Residenzstadt des preußischen Pommerns, wurde am 26. April 1945 von der Roten Armee befreit. Zunächst setzte man in der Stadt eine deutsche Verwaltung ein, schließlich übergab die sowjetische Besetzungsmacht Stettin doch an Polen. Deutsche Spuren lassen sich fast überall noch entdecken – Denkmäler, Schriftzüge, Inschriften. Und jeder etwas ältere Stettiner spricht fließend Deutsch.

Street Art

Später bestiegen wir noch den Dom. Und stellten überrascht auf der Aussichtsplattform fest, dass die Ostsee irgendwie doch nicht so ganz in der Nähe war. Immerhin erblickten wir Wasser – die Oder. Und die Hakenterasse lud zu einem weiteren ausgedehnten Spaziergang ein.  Denn das kann man wunderbar in Stettin – spazieren gehen.

Alt trifft Neu

PS: Ein Zuckerl für all jene, die es mit der Geografie auch nicht so genau haben: Stettin liegt mehr als eine Stunde Autofahrt von der Ostsee entfernt.

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