Anti-hip, anti-touri, anti anti anti

Der klassische Hipster (bitte nicht zu verwechseln mit der im 20. Jahrhundert aufgetauchten klassischen jugendlichen Subkultur, die eine moderne Ausprägung der Bohème darstellt!) ist unter Berlinern fast nicht mehr anzutreffen. Und wenn dann doch mal welche im Straßenbild auftauchen, dann sind das keine Berliner, sondern Touristen. Dennoch (vielleicht auch gerade wegen der ungünstigen Verbindung „Tourist“) gehen sie einem gehörig auf den Keks, wurscht wo man sie antrifft.

Als Mensch, der seit mehr als einem halben Jahr in einer deutschen Stadt wohnt, bezeichnet man sich selbst nicht mehr als Tourist. Man ist vielleicht Ausländer, aber das war’s dann auch schon. Hipster ist man schon gar nicht, vielleicht ein wenig Bohème, und gegen Hipster hegt man sowieso eine Aversion. Im Bezirk Mitte, in dem man vor kurzem unterwegs war, wimmelts nur so vor Hipster-Touris (eine geeignete Kurz- und Mischform beider Wörter lag auch nach dem Verfassen des veröffentlichten Jammer-Berichts nicht vor), sie sitzen an extrem überteuerten Essläden, fühlen sich schick und fein.

Gegen letzteres hat man ja nichts. Ist ja schön, sofern sie bald wieder gehen und sich dann daheim schick und fein fühlen. So aber sind sie hier, verstopfen Bus und Tram, kreischen und palavern über jeden erdenklichen Müll, rennen mit alten Kameras herum, stehen vor einem in der Schlange im Fotogeschäft und lassen sich über eine Stunde (!) beraten. Die Frau hinter der Theke ist allerdings geduldig.

Die Schlange wird immer länger, erste Unmutsäußerungen werden laut. Und dann, endlich, ist man an der Reihe und kann nach Filmen für die Polaroid-Kamera fragen. Hipster? Mitnichten. Der Besitz der Kamera war schon vorher da. Dann gehen sie, die Hipster, schlimmstenfalls kehren sie aber zurück und leisten ihren Beitrag bei der wahnsinnigen Gentrifizierung, die man momentan in Berlin erlebt. Natürlich, natürlich, nicht alle sind so. Mag ja auch sehr nette geben. Und schlußendlich vergeht diese „Subkultur“ sowieso, wie dereinst die Krocha. Hoffentlich nur bald.

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