Bestatter Tod

Schon einmal schrieb ich ein Märchen – für ein Magazin in Graz. Dieses hier handelt jedoch nicht wie das letzte von einem König und einer Prinzessin, sondern von einem Bestatter und der Garantie für seinen Beruf – dem Tod. Mit einer Illustration von Micka Messino.

Vor langer, langer Zeit lebte in einem kleinen Dorf nahe der Grenze des Landes ein Bestatter. Er hatte große Augen und eine etwas altmodische Nickelbrille, die er nervös in Händen hielt, wenn er sich mit Kunden unterhielt. Sein weißer Bart reichte ihm bis zum Bauch, und wenn er lief, was eigentlich ziemlich selten vorkam, dann beliebte jener ihm wie wild um die Schultern zu flattern. Er war sehr dürr, hatte feine, lange Finger, und viele konnten sich gar nicht vorstellen, wie diese Hände große, sperrige Särge bearbeiteten und herstellten. Sein schwarzer Rock war immer tadellos sauber, selbst wenn er, was in letzter Zeit immer öfter vorkam, auf dem Dorffriedhof ein Grab aushob, achtete er darauf, nichts zu beschmutzen. Zeitweilen trug er auch eine graue Schürze, die nach getaner Arbeit oftmals braune Flecken aufwies. Er hatte lange, dünne Beinchen, die in großen, schwarz glänzenden Schuhen steckten. Kurz um machte er mit seiner Kleidung seinem Beruf alle Ehre.

Im Dorf war er nicht gern gesehen, die Leute wichen seinem Blick aus, gingen gar auf die andere Straßenseite, während Mütter manchmal ihren Kindern die Augen zu hielten. Der Bestatter war dies gewohnt, war er doch als Partner des Todes im Dorf verschrien, als Einer, der vom Tod profitiert, als Einziger, kurze Zeit gab es sogar das Gerücht, durch einen Pakt mit dem Tod sei er sogar sein offizieller Stellvertreter. Es gab allerhand Geschwätz über ihn, und er wusste dies, es entging ihm nicht, doch er ignorierte es. Er wohnte außerhalb des Dorfes, jedoch nicht in der Nähe des Friedhofs, jener lag auf der anderen Seite, ihm gegenüber, sozusagen, in der Mitte das Dorf. Und so musste er, wenn es wieder einmal Zeit wurde, und in letzter Zeit wurde es ja immer öfter Zeit, in das Dorf, mit seinem Esel und dem Anhänger, vor das Haus, in dem der Kunde lag, denn so nannte er die Leichen, seine Kunden.

Und er hielt vor den Häusern, stieg ab, nahm seinen Koffer, maß seine Kunden ab, und kehrte wieder zurück in die Werkstatt, begann zu arbeiten, bis weit in die Nacht; und nachdem er den Sarg fertig gestellt hatte ruhte er, um am nächsten Tag wieder zu dem Haus zurück zu kehren, in dem sein Kunde lag, und dort bettete er den Kunden in den Sarg, und gemeinsam mit der Trauergemeinde gingen sie zum Friedhof, und dort grub er ein Grab, während der Priester die letzten Worte sprach, ja wirklich, während der Trauerfeier, denn er war schnell im Graben. Und nach der Trauerfeier schüttete er das Grab wieder zu, und danach, wenn er die Schürze ablegte, kam meist der Witwer oder die Witwe, meist nun auch schon der Vater und das Kind, manchmal sogar Vater und Mutter, um ihm das Geld für Sarg und Grab zu geben. Sein Geschäft florierte, und es ging ihm gut, und wenn nichts zu tun war, hörte er Musik und erfreute sich am Leben, ging spazieren und sprach mit den Wolken.

Illustration von Micka Messino

Eines Nachts jedoch wachte er auf, und das war ungewöhnlich, wachte er doch nie auf, bevor nicht die Sonne aufging. Und neben ihm stand ein Fuchs mit dem Kopf einer Schlange, und aus dem Kopf der Schlange wuchs ein Schädel, weiß und blank, und aus diesem Schädel kam eine Flüsterstimme, und der Bestatter konnte sich gar nicht rühren, so viel Angst hatte er. Und der Schädel flüsterte, er sei der Tod, ja, der wahre Tod, welcher Tod brachte, und er hätte ein Angebot für den Bestatter, ein gutes Angebot. Und dem Bestatter war so Angst und bange, sodass seine Hände zitterten und seine Augen weit aufgerissen wahren, während Schweiß ihm den Rücken hinunter ran. Der Tod zischelte weiter, erklärte sein Angebot, sein Angebot wäre nämlich jenes, dass der Bestatter sein Partner wird, sodass Tod und Bestatter in einem Boot säßen, der Tod sorge für Kundschaft, der Bestatter hätte noch mehr Geschäft, mehr Geld, mehr Reichtum, denn die Menschen würden sterben, sterben wie die Fliegen.

Und der Bestatter schüttelte den Kopf, und flüsterte, was denn wäre, wenn er dies nicht wollte, und die Fuchsgestalt richtete sich auf, das blutrote Fell verschwand, der schwarze Schlangenkopf verpuffte, der Schädel wanderte nach oben, und der Tod, gehüllt in Kapuzen mit Sense, so, wie wir ihn kennen, stand vor dem Bestatter, und der Tod lachte, während der Bestatter so weiß wurde wie sein Bart.

Und die Menschen im Dorf fanden den Bestatter nie wieder, denn seit dieser Nacht war er verschwunden, als hätte er sich aufgelöst, nur seine altmodische Brille und sein Gewand fand man in seinem Schlafzimmer, und es stank, nach Verwesung und Tod, und die Dorfbewohner jammerten, denn wer sollte denn nun ihre Toten begraben, doch seltsamerweise starb niemand mehr, der Friedhof verrottete, die Tage vergingen, und obwohl sie noch immer vergehen, leben die Dorfbewohner noch bis heute.

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