Castello di pomino

Ich sitze am Balkon der Wohnung meiner besten Freundin. Der Tisch vor mir ist reich gedeckt, ein Salat mit Meeresfrüchten wartet darauf, verzehrt zu werden. Doch noch ist der Castello di pomino, ein Weißwein aus Italien, noch nicht geöffnet. Während ich mit dem Korkenzieher zuerst das Häubchen entferne und danach den echten Korken anbohre, kommt mir nochmals in den Sinn, wie ich an den Wein gelangte.

Nicht zum ersten Mal habe ich mich vom Sommelier meines Lieblingskaufhauses beraten lassen. Ein an den Schläfen bereits leicht ergrauter Mann, eindeutig mit italienischem Akzent, stets in eine rote Schürze und weißes Hemd gekleidet. Die Brille, ein dürres Gestell, sitzt auf einer großen Nase, die Backen unnatürlich rot leuchtend.

Er ist Sommelier und nimmt seinen Job verdammt ernst. Nicht nur, dass er an nichtswissende Kunden wie mich gute Weine verkauft, nein, von Zeit zu Zeit kostet er gar mit Kunden und Kundinnen -vorwegig Kundinnen, wie mir scheint- einen edlen Tropfen. Als ich heute zu ihm kam, hatte er bereits sichtlich mehrere Tropfen intus.

Lächelnd erkannte er mich, und während er seine -wahrscheinlich ob des vorangegangenen Konsums- wild zappelnden Beine unter Kontrolle zu bringen versuchte, brachte ich ihm meine Wünsche dar (ein Wein von großer Eleganz und Persönlichkeit mit vielfältigen Aroma, gut im Abgang, nicht zu trocken) und dankte ihm zudem für seine Empfehlung vor einer Woche, ein roter, trockener Rotwein, der wunderbar zum später gekochten Perlhuhn mit eben jener besten Freundin passte.

Ein gelalltes „Dankeschön“, zahlreiche Hickser und Verbeugungen später hielt er eine Flasche Castello di pomino in den Händen, aus Pomino in der Toskana, zwar mit stolzen Preis jedoch mit vielversprechenden noblen Inhalt. Der ist nicht nur wunderbar, sondern vor allem perfekt passend zu einem Meeresfrüchtesalat, ließ ich mir einreden, doch dem nicht genug, lud er mich auch noch zu einer kleinen Verköstigung ein.

Er hätte eine neue Lieferung, ein Wein aus Frankreich, Chateau de Serame, wunderbar trocken, genau mein Geschmack. Einige Gläser später weiß ich über sein Leben gut Bescheid, seine Eltern hatten ein Weingut, von klein auf hätte er schon mitgeholfen, sei im wahrsten Sinne des Wortes mit der Traube im Mund aufgewachsen. Nun wäre er Sommelier bei diesem Kaufhaus, freue sich auf die Pension, und privat trinke er eigentlich nur mehr Tequilla.

Ständig die Leute zu beraten wäre nicht gerade das Erfüllenste, trotzdem mache es ab und wann Spaß, vor allem Weinfaschisten empfiehlt er gerne genau den falschen Wein zum richtigen Anlass. Mich habe er sehr gerne, er kennt nur wenige junge Leute, die sich für das Weintrinken interessieren; Und im Grunde genommen hätte er keine Ahnung, welchen Wein er wem empfehle, die meiste Zeit hätte er einfach nur Glück mit den auserwählten guten Schlücken.
Trotz alledem verlasse ich das Kaufhaus glücklich und zufrieden mit einem Weiß- und Rotwein; Und Teufel nochmal, mein Sommelier hatte schon wieder recht, der Castello di Pomino ist wirklich zu empfehlen.

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