Dem Journalismus seine Tage

Von 02. bis 03. April 2014 fanden in Wien die ersten Österreichischen Journalismustage statt. Gemeinsam mit KollegInnen war ich am Donnerstag dabei – bei einer Veranstaltung, an der man durchaus selbstkritisch und ehrlich versuchte, Diskurs zu führen. Während anderswo bereits umfassend über den Ablauf der Veranstaltung geschrieben wurde, möchte ich hier nur für mich wichtigste Statements festhalten.

Nach zweistündiger Autofahrt von Graz nach Wien kam ich etwas zu spät, aber dank der akademischen Viertelstunde doch recht pünktlich im Museumsquartier an, wo mich ein vielversprechendes Programm erwartete: verschiedenste Referenten und Referentinnen, angefangen von bekannten wie ORF-Anchorman Armin Wolf bishin zu eher unbekannteren, aber damit keineswegs qualitativ schlechteren KollegInnen wie Jutta Sommerbauer (Die Presse).

Highlights bei #jt14

Meine Highlights des Tages waren nebst der (ich bin schon versucht zu schreiben stets grandiosen) Ingrid Brodnig (Falter) sowohl Antonia Gössinger (Kleine Zeitung) als auch Martin Staudinger (profil). Letzterer berichtete über Auslandsberichterstattung – und welche Schande die Euromaidan-Krise für den Journalismus sei.

Denn im größeren Stil berichtete man erst, als es bereits Tote zu beklagen gab – und jene österreichischen Journalisten, die kontinuierlich und bereits vor den Todesfällen berichteten, kann man sich auf einer Hand abzählen. Zudem sei das Verhältnis zwischen erschienenen Kommentaren zur Krise und zu Reportagen extrem gespalten – als Beispiel nannte Staudinger die Tageszeitung Der Standard, in der insgesamt 80 Kommentare, aber nur drei Reportagen dazu erschienen.

Kapital der Glaubwürdigkeit

Antonia Gössinger sprach in ihrem Vortrag „Zu nah dran“ über die Verhaberung im Journalismus. Und das, nanetnana, begrüßenswert kritisch. Während es Armin Wolf am Vormittag noch in Ordnung fand, mit PolitikerInnen auf einen Kaffee zu gehen, da das eben zum Beruf gehört (Bier trinkt er nämlich nicht) propagierte Gössinger hingegen, dass „der Journalist nur über ein Kapital verfüge – seine Glaubwürdigkeit.“

Und mit der habe er/sie gut umzugehen, denn Verhaberung mindert den Qualitätsjournalismus enorm. „Der Anspruch am Journalisten“, so Gössinger, „muss sein, dass er in seiner persönlichen Integrität unangreifbar ist.“ Für mich eines der richtungsweisenden Zitate der ganzen Veranstaltung.

Widersprechen möchte ich Gössinger jedoch in einem Punkt, den sie zweimal erwähnte, und der auch mehrmals während der Veranstaltung angesprochen wurde: Wie wichtig es nämlich sei, dass die „älteren Journalisten“ uns „Jüngeren“ das journalistische ABC vermitteln. Dass uns gelehrt, mitgeteilt, auf den Weg gegeben wird. Durchaus löblich, ja, danke – dennoch fragte ich mich sogleich, warum nur auf diesem unidirektionalen Weg? Dass auch wir, der Nachwuchs, über viele Fähigkeiten und Fertigkeiten verfügen, nach denen sich so mancher „Alter“ sehnen würde, und diese durchaus herzeigen, mitteilen und lehren wollen, kam niemandem so Recht in den Sinn. Schade.

Die Branche und die Kommunikation mit dem Publikum

Aller guten journalistischen Dinge sind drei –  mein drittes Highlight des Tages war Ingrid Brodnig, die ich später noch kurz interviewen durfte. Mich interessierte besonders ihre Meinung zu dem am Vormittag oft diskutierten Verhalten des österreichischen Journalismus gegenüber Fehlern – Fehler, die die Branche, wie auch Armin Wolf meinte, definitiv und häufig macht.

Meine Ansicht, dass der österreichische Journalismus sich mit Fehlern schwer tut, teilt Brodnig durchaus. Als großes Problem benennt sie die nicht existierende Erratums-Kultur. „Ein nachträgliches Eingestehen von Fehlern ist keine Peinlichkeit, sondern ein Qualitätsmerkmal. Das wird in Österreich oft missverstanden“, so die 30-Jährige Medienressortleiterin des Falters. Es gibt zwar schon in einigen Blättern Kolumnen, die sich damit beschäftigen – dennoch sei der typische österreichische Journalist / die typische österreichische Journalistin eher schwach darin, eigene Fehler einzugestehen.

Eine weitere große Schwäche im Umgang mit Fehlern besteht laut Brodnig auch darin, dass man es nicht schaffe, klar mit den Empfängern zu kommunizieren. „Das lustige ist ja: In der Branche wird darüber geredet. Aber was nicht funktioniert, ist mit dem Publikum zu kommunizieren.“ Der große Unterschied liegt nämlich darin, dass das eine im geschützten Raum mit „Journalistenfreunden“, das andere öffentlich geschieht. „Sehr oft sind das auch nur Kleinigkeiten. Wo man eigentlich davon profitieren würde, wenn man sich die Fehler eingestehen würde.“

Denn die andere Ebene des österreichischen Mediensegments ist der Boulevard – „und der hat ein ganz anderes Journalismusverständnis. Und kein Interesse daran, zu korrigieren, weil ein Teil deren Journalismus ist es nämlich eine verzerrte Form der Wirklichkeit wiederzugeben“.

Ein Fazit

Es hat gefallen. Für mich zeigten die #JT14 nebst vielen interessanten und nachvollziehbaren Statements, dass guter Journalismus in Österreich durchaus existiert. Und dass dieser #goodjournalism meist nicht durch große Namen vertreten werden muss.

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