Flohmannenviertel

In der Annenstraße fand am Samstag wieder einmal der ANNENVIERTELflohmarkt statt. Ein Bericht über Menschen, die an unserem Stand nicht vorübergingen, ohne mit uns ein Wort zu wechseln, eine kleine Betrachtung über faszinierende Käufer und eine Liebeserklärung.

Unter grauen Wolkenbergen steht unser Stand an der Ecke Idlhofgasse/Annenstraße. Während Straßenbahnen auf ihren endlichen Kreisen an uns vorüber ziehen, begegnen wir Menschen, die wir auf Anhieb mögen, mit denen wir plaudern und ins Gespräch kommen.

Es sind Menschen, die an unserem Stand Dinge finden, die sie vielleicht brauchen, nach denen sie schon lange gesucht haben. Es sind Menschen, die an unserem Stand Dinge finden, die sie nicht brauchen, nach denen sie nicht gesucht haben, die aber dennoch ihre Aufmerksamkeit erregen.

Es sind Menschen wie eine rustikale alte Dame, die zahlreiche Teller inspiziert, die danach fragt, ob jene für Pizzen geschaffen seien. Unsere bejahende Antwort stellt sie nicht ganz zufrieden, und so holt sie kurzerhand aus der Innentasche ihres Regelmantels, den sie offensichtlich vorsorglich angezogen hatte, ein kleines Messband hervor und misst die Diagonale der Teller. Dem nicht genug, zückt sie ihr Mobiltelefon und hält lang Absprache mit jemanden am Ende der Leitung. Beide werden sich einig, dass die ermessene Länge zu kurz sei, die Teller deswegen für Pizzen nicht geeignet, und so wandert das Messband wieder zurück in ihre Innentasche, ihre dritten Zähne lächeln ein entschuldigendes Dankeschön und wir wünschen einen schönen Tag.

Es sind Menschen wie eine junge Frau, die uns eine Kerze abkauft, die wir eigentlich schon in die Kiste mit den Abfalldingen werfen wollten. Eine Kerze, die irgendeinen Heiligen zeigt, windschief ist und deren Docht sich schon längst entschuldigen ließ. Doch die Kerze findet Anklang, und so zieht die junge Frau zufrieden von unserem Stand zum nächsten.

Es sind Menschen wie eine Grazerin, die ursprünglich aus Böhmen kommt, Sudetendeutsche als Eltern hatte und uns einen Kinderwagen um 20 Cent abkauft. Dass jener geputzt werden muss, ja vielleicht sogar mit einem Anti-Rostmittel behandelt gehört ist nicht im Preis inbegriffen und dennoch für die Dame in Ordnung. Dass sich der Kinderwagen dann beim Zusammenklappen nicht mehr zusammenklappen lässt ist wohl mehr als Vorführeffekt. Kurzerhand geben wir die 20 Cent wieder zurück – bis die fehlende Klappe gefunden und betätigt wird, der Kinderwagen brav in sich zusammenfällt und wir die 20 Cent lächelnd wieder in die gemeinsame Geldtasche geben. Die Dame wünscht uns im unverkennbaren böhmischen Dialekt einen schönen Tag.

Es sind Menschen wie ein kleines Mädchen, das uns eine Analogkamera abkaufen möchte, denn sie hat schon drei daheim, und die wären halt nur „zum angeben“. Es sind Menschen wie ein junger Student, der begeistert auf unserer Zither zu spielen beginnt und sie danach mit nach Hause nimmt, und bei dem wir wissen, dass die Zither in guten Händen sein wird. Es sind Menschen wie andere Verkäufer und Flohmarkthändler, die zu unserem Stand kommen, weil „da soviele Leute herumstehen“.

Und es sind Menschen wie mein Flohmarkthandelstandpartner, den ich hier recht nett grüßen will, der sich einfach mal so zwischenzeitlich die Zähne putzt. Und damit zeigt, dass der ANNENVIERTELflohmarkt unter anderem eines ist: Wunderbar einzigartig.

Mehr über das ANNENVIERTEL erfährt man während eines Besuches, sonst auch in der Annenpost, ein Weblog mit Geschichten im und über das Annenviertel und sowieso auf der Facebookseite des Annenviertels.

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