Der Pazifikkrieg in Österreich

Wahlkampfvideos – sie animieren und motivieren, präsentieren Fakten sowie Programme vereinfachend und klar darstellend. Wahlkampfvideos erreichen teilweise aber auch die Grenze des guten Geschmacks – und präsentieren nicht immer politisch korrekte Inhalte.

Nun hat auch das Team Stronach eines: ein Wahlkampfvideo, welches im Graubereich der politischen Korrektheit dahindümpelt. Laut einem Österreich-Journalisten zeigt die im Video verwendete Lagerhalle eine Ruine einer US-Luftfahrt-Basis in den Philippinen, welche im Zweiten Weltkrieg von den Japanischen Streitkräften eingenommen wurde. Ob das stimmt, kann nicht einmal Rudolf Fußi, Berater Stronachs in Werbungssachen und so, sagen. Bleibt dennoch die Frage, welche Bilder das Team Stronach hierbei in den Köpfen der Wähler und Wählerinnen entstehen lassen will.

Twitter, manchmal schon recht praktisch. Wenn's mir folgen wollen, rechts oben finden's den Follower-Button.
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Klar, sieht man das Video, stellt man die bisherige Politik, die in Niederösterreich vorherrschte, einer baufälligen, verschmierten und verdreckten Halle gleich. Soll heißen, diese Politik kann nichts, führte zu nichts, hat keine Zukunft. Natürlich kommt nach einem Rundgang in dieser Halle mit bombastischer Hintergrundmusik der strahlende Held daher (ein 81-Jähriger, viele meinen er sei schon ein bisschen plem-plem, einer, der sich nun einbildet, groß Politik machen zu müssen, und dabei auf ÖVP-Stimmfang geht) und präsentiert flugs die andere Seite, die bessere Politik natürlich. Noch amoi.

Wie passen da jetzt die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges im Pazifik dazu?

Diese Frage stellt sich mir nun schon zum wiederholten Male. Nachdem auch das BZÖ in ihrem umstrittenen Wahlkampfvideo (welches die Rechtspopulisten aus Kärnten nach Protesten nun löschen mussten, wenn es auch auf Youtube noch für Eingeweihte zu sehen ist) das berühmte Bild jener US-Army Soldaten, die die amerikanische Flagge als Zeichen des Sieges auf der berüchtigten Insel Iwo Jima hissten, für sich entfremdeten, benutzt man auch im Team Stronach-Video eine historisch-grausame Kulisse. Wozu? Welche Verbindungen will man denn da herstellen?

Oberleutnant Harold G. Schrier würde sich im Grab umdrehen
Oberleutnant Harold G. Schrier würde sich im Grab umdrehen

In den Kämpfen auf Iwo Jima fielen auf der amerikanischen Seite 6821 Soldaten, auf der japanischen Seite geht man von bis zu 20.375 Toten aus. Die Amerikaner übernahmen diese Insel durch eine der brutalsten und verlustreichsten Schlachten im Pazifik während des Zweiten Weltkrieges. Das BZÖ verwendet ein vom amerikanischen Propagandaministerium damals ausgeschlachtetes Foto und schreibt, dass Kärnten befreit werden muss. Im Kontext zur Geschichte kann einem da nur schlecht werden.

Der Spot ist (…) eine Aufforderung an die Wählerinnen und Wähler am dritten März Kärnten zu befreien, indem die herrschende FPK-Regierungdemokratisch via Wahlurne gestürzt wird. Stefan Petzner

Polarisation um jeden Preis?

„Ethisch mehr als verwerflich, aber das ist wurscht. Es geht um’s polarisieren.“ Diese Worte findet mein Freund und Studienkollege C. Schattleitner auf Twitter für das Video des BZÖ. Und damit hat er vollkommen Recht – zudem dürfte das auch auf das neue Video der Stronach-Bagasch zutreffen. Trotz Fremdschämens, trotz sich-an-den-Kopf-greifen: Das Video war der Hit, in aller Munde. Nicht nur die FPÖ greift auf solche (eigentlich sehr billige) Polarisierungsfaktoren zurück, sondern auch die Verwendung dessen durch das BZÖ zeigt, dass solche Mittel in rechten Kreisen durchaus beliebt sind und immer schon waren.

Das rechts unten ist ganz aktuell.
Das rechts unten ist ganz aktuell. Einfach klicken, dann wird’s schon größer werden

Polarisation also. Image building, welches sich, wenn vielleicht nicht in erster Intention, in einen gewissen Zusammenhang mit Krieg stellt, um im Wahlkampf gut weg zu kommen. Sich selbst als demokratisch deklarierende Parteien und Institutionen, die meinen, sich solcher Bilder bedienen zu müssen, sind deswegen meines Erachtens unwählbar und ihre politischen Richtlinien mehr als zu hinterfragen (M.T., 22. Februar 2013).

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