Die ÖVP und der Kindermörder

Diese Partei hat dem Kommunismus nie abgeschworen und im Büro der Parteichefin hängt ein Bild von Che Guevara. Dabei hat der Kinderblut an seinen Händen. (Sissi Potzinger)

Ich nahm gerade einen Schluck von meinem alltäglichen Morgenkaffee, als ich dieses Zitat der ÖVP-Familiensprecherin Potzinger las. Und musste prompt prusten. Guevara, ein Kindermörder? Interessant, wusste ich nicht. Stand in keiner Biographie, die ich gelesen habe. Auch der Schnellcheck bei Wikipedia brachte nichts neues. Dass Guevara im Namen der Revolution und auch später hingerichtet, exekutiert und gefoltert hat ist selbstverständlich nicht in Ordnung, verabscheuenswürdig und in keinster Weise rechtfertigbar. Zudem wirft es Schatten in den Glorienschein des linken Helden. Aber ihm zu unterstellen, er hätte Kinder (eigenhändig) umgebracht, geht mir ein wenig zu weit.

Die Aussage als Antwort auf das Wahlergebnis der Kommunistischen Partei Österreichs (bei den Gemeinderatswahlen 2012 in Graz) zu tätigen ist reinste Diffamierung, denn nur als solche ist sie zu verstehen. Über das Bildnis, dass Potzinger von „Kommunismus“ hat, darf außerdem gerätselt werden.

Wäre es nun fadenscheinig, der Vorsitzenden des Katholischen Familienverbandes vorzuhalten, dass im Klubsitzungssaal des Parlamentsgebäudes der ÖVP ein Bild von Engelbert Dollfuß hängt, „auch“ ein Mörder?

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Oder so.

Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Ziemlich egal, finde ich. Meiner Meinung nach ist die Aussage an und für sich schon nicht in Ordnung und wirft ein sehr fragwürdiges Licht auf die politischen Fähigkeiten und die Allgemeinbildung von Potzinger. Für Frust und Enttäuschung habe ich vollstes Verständnis, vor allem wenn man mit dieser ungemeinen Deutlichkeit wie Nagl und die Grazer ÖVP ein Wahlziel nicht erreicht.
Nahezu trotzige Diffamierungen im Stil von Potzinger haben jedoch auf der ohnehin seltsamen politischen Bühne Österreichs nichts verloren.

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