Ein steirischer Rapidler

Über eine konstituierende Banalität einer scheinbaren Contradictio in adiecto schreibt Gastautor Hanno Wisiak (32) für Feuilletonsern.at. Er ist Historiker und Kommunist. Neben dem SK Rapid Wien liebt er den Fußball im Unterhaus, allen voran den Grazer SC.

Selbst die Uralt-Rivalität zwischen Sturm und GAK scheint keinerlei Rolle mehr zu spielen, wenn man einem Rapidler gegenüber sitzt. Und wenn der dann auch noch Steirer ist, ist der Ofen wirklich aus. Gut, die Steiermark ist weiß-grün. Das hilft hier nicht aber weiter – warum ich als Steirer also Rapidler bin? – Der Bitte, diese Frage für feuilletonsern.at zu beantworten, versuche ich  nachzukommen.

Fußball spielte sich für mich lange Jahre nur am kleinen Rübenacker gegenüber meines Elternhauses in einem kleinen, aber feinen Städtchen in der Südsteiermark ab und für knappe drei Wochen auch in der Jugend des TuS Mureck. Weil ich zwar eine Leidenschaft, aber statt Begabung nur eine angeborene Hüftdysplasie hatte, war es mit dem aktiven Ballestern bald vorbei. Es war einfach zuviel des psychischen – Kinder können gemein sein, wenn einer ein sichtliches Gebrechen hat – aber auch physischen Schmerzes.

Beleidigt und nachtragend, wie es eigentlich nur Kinder sein können, suchte ich mir ein anderes Feld, auf dem ich mein Herzblut vergießen konnte: Heavy Metal. Iron Maiden und dergleichen.

Und als ich glaubte, die Wunden der Enttäuschung wären geheilt, saß ich mit meinem Vater vorm Fernseher und sah ein Rapid-Spiel; wahrscheinlich gegen den GAK (warum hätte der Papa das sonst angeschaut?). Vor dem Fanblock hing ein Banner der Ultras Rapid – in derselben Schriftart wie das Iron-Maiden-Logo. Es war Liebe auf den ersten Blick.

In diesem Moment wurde mir bewusst: Das gekränkte Kind hatte das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Um Fußball zu lieben, muss man nicht Fußball spielen können. Und weil es mir – nach nur einem einzigen Blick auf die Fankurve des SK Rapid Wien – wie Schuppen von den Augen gefallen war, ist die Rapid mein Verein. Bis heute. Das ist banal? Meinetwegen. Ich liebe ihn weiter, den in der Steiermark am meisten gehassten – müsste eigentlich heißen beneideten – Verein.

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