Eine lange Irrfahrt

Die Spielereihe „Assassin’s Creed“ wird Oktober 2018 um einen neuen Teil reicher: Mit „Odyssey“ gibt sie Einblicke in das antike Griechenland. Die Odyssee: Das ist eine lange Irrfahrt. Aber auch eine mit vielen Schwierigkeiten verbundene abenteuerliche Reise. Ein Preview mit vielen Fragen.

Nach dem letzten Teil, „Assassin’s Creed: Origins“, spürte ich ein wenig Hoffnung für die ehemals vielversprechende Saga der Assassinen in mir. Das Gameplay war berauschend schön und unterhaltsam, die Geschichte einerseits als Rachefeldzug einfach gestrickt, andererseits aber wegen der unglücklichen Beziehung zwischen den Protagonisten Bayek und Aya spannend aufgebaut.

„Origins“: Eine Rückbesinnung auf den Beginn des ganzen Credos also, wie ich in meiner letzten Review bereits schrieb? Nicht ganz. Das von der ersten Zivilisation wieder so gut wie nichts zu erfahren war, war enttäuschend. Auch frustrierte mich der kaum vorhandene Fortschritt in der AC-Realität.

Nach dem Ende der DLCs und einer gewissen Übersättigung hörte ich auf, „Origins“ zu spielen. Gleichzeitig aber machte ich mir Gedanken, was als Nächstes kommen würde. Eine Fortsetzung der Geschichte Bayeks? Der Aufbau der Orden der Assassinen in Europa, wie es Aya bereits im Spiel beginnt? Ein Teil, der endlich die Geschichte der Ersten Zivilisation und den Geschehnissen in der realen Welt der Templer und Assassinen fortsetzt?

Ich war es nämlich leid, ständig auf den Rettungshubschrauber warten zu müssen. Oder ein komplett neues Setting, welches aber dem Versuch von „AC: Origins“ treu bleibt – nämlich sich auf die alten, guten Wurzeln von Assassin’s Creed zu besinnen?

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Assassinnen hocken gerne auf Hügeln oder Statuen. Aber ist das überhaupt ein Assassine?

Weder noch. Mit „Assassin’s Creed: Odyssey“ wird nun ein Spiel erscheinen, dass im antiken Griechenland während der peloponnesischen Kriege spielen wird. Dieser Konflikt zwischen Athen und Sparta dauerte, mit Unterbrechungen, von 431 v. Chr. bis 404 v. Chr.; Das heißt, dass das Game zwar eine Fortsetzung, zeitlich dennoch vor Assassin’s Creed: Origins angesiedelt ist. Das spielt nämlich ungefähr im Jahr 49 vor Christus.

Erstmals in einem Spiel der Assassin’s Creed-Reihe kann man zwischen einer männlichen und weiblichen Spielfigur entscheiden: Alexios oder Kassandra. Als Söldner und Exil-Spartaner macht man sich auf die Suche nach der Wahrheit über seine Vergangenheit – und entscheidet sich im Verlauf des Krieges, welche Konfliktpartei man unterstützt. Soviel zur Story.

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Dieser Screenshot lässt erahnen, dass der leap of faith sehr wohl wieder vorkommen wird. Also doch ein Assassine?

Da der Orden der Assassinen aber erst von Bayek in „Origins“ gegründet wird, werden in „Odyssey“ logischerweise keine Assassinen oder Templer zu finden sein. Dieser Bezug zum großen Ganzen, zum Hauptwerk des Credos, geht somit völlig verloren. Fand ich es in „Origins“ durchaus gelungen, der Entstehung von Werten und Regeln der Bruderschaft beizuwohnen, frage ich mich, wo nun das Credo der Assassinen bleiben wird. Oder liegt der Fokus auf die Revolte durch Adam und Eva? Ein weiterer Stützpfeiler der Spiele, die imaginäre DNA-Technik, mit derer die Erlebnisse der historischen Protagonisten der Spiele nachempfunden werden, wird ebenfalls hinfällig.

Bisher erlebten Protagonisten im Spiel Erinnerungen nach, welche in der DNA von Vorfahren gespeichert wurden. Dies lies logischerweise wenig Spielraum – tötete man beispielsweise  zuviele Zivilisten, stand eine Desynchronisierung bevor, da der reale Vorfahre dies nicht gemacht hat. Nun gibt es, einer hohen Affinität zu RPG-Games sei Dank, Antwortmöglichkeiten während Konversationen des Spiels. Ob das also wirklich noch Erinnerungen sind, die man durchlebt, bleibt abzuwarten…

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Nein, das ist nicht Snyder, das ist wirklich Assassin’s Creed!

Was bleibt also? Überbleibsel der ersten Zivilisation wie der Speer von Leonidas – zufällig der Großvater von Alexios / Kassandra. Die Fähigkeit, den Adlerblick einzusetzen. Eine wohl erneut atemberaubende Grafik, ein anspruchvolleres Gameplay, ein neues Kampfsystem. Die größte bespielbare Welt aller Assassin’s Creed-Teile. Ein Trailer, der wie Zack Snyders „300“ anmutet. Und wieder Fantasy-Viecher und Gestalten, die wohl wie beim Origins-DLC „Das Tal der Könige“ durch Traumsequenzen oder durch Artefakte der Ersten Zivilisation erklärt werden. Oder so.

Ob das reicht? Wird „Odyssey“ wirklich zur Fortsetzung einer langen Irrfahrt, die Entwicklungsfirma Ubisoft wohl ab „Unity“ mit dem Credo begann? Einer aufgrund der Gewinnausrichtung auf einer „Jetzt-erst-Recht“-Mentalität beruhenden Franchise?

Ich weiß noch, wie unglaublich schlecht der Teil „Syndicate“ war – spielerisch zwar atemberaubend, denn da setzt Ubisoft jedes Mal meines Erachtens Maßstäbe. Zu viele Fans lechzen aber nach einer Geschichte, einer guten Geschichte. „Origins“ war ein Anfang, eine Wiederaufnahme des alten Weges. Verblühen die zarten Knospen bereits wieder?

Oder wird die, zwar mit vielen Schwierigkeiten verbundene, aber dennoch abenteuerliche und überzeugende Reise fortgesetzt? Hierfür muss „Assassin’s Creed: Odyssey“ liefern. Und wenn schon nichts über das Credo und den Orden der Assassinen zu erfahren sein wird – definitiv mehr Ereignisse in der realen Welt und eine Fortsetzung der Geschichte der Ersten Zivilisation sind ein Muss. Vielleicht sogar eine Rückkehr von Desmond. Es wird nämlich Zeit.

Mit bestem Dank an Ubisoft Deutschland für die Bereitstellung einer PC-Version von Assassin’s Creed: Odyssey!

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