Eine Mitfahrgelegenheit nach Hamburg

Wenn man schon im Norden Deutschlands wohnt und Zeit hat, muss man doch die Hansestadt gesehen haben. Einmal Hamburg und zurück.

Nach einer Feier fuhren vier Jugendliche leicht alkoholisiert nach Hause. Bei einem Kreisverkehr in der Nähe von Hamburg kamen sie auf die lustige Idee, doch rückwärts zu fahren. Nach mehreren Runden krachten sie in einen, in die normale Richtung fahrenden, PKW. Die Polizei wurde gerufen und den vier Jungs wurde Angst und Bange. Alkohol am Steuer und dann auch noch so eine dumme Idee. Die Polizei kam und überprüfte zuerst den Wagen, mit dem die Jugendlichen kollidiert sind. Nach einer Weile kommt ein Polizist nach vorne und teilt den Vieren mit, dass sie weiterfahren dürfen, der Typ im hinteren Auto hätte Marihuana geraucht und meint, die Vier wären ihm rückwärts hineingefahren. Die vier im Auto gucken sich begeistert an – und suchen das Weite.

Das zumindest erzählt uns der Fahrer meiner Mitfahrgelegenheit von Berlin nach Hamburg. Danach schweigt er für den Rest der Fahrt (immerhin zwei einhalb Stunden). Vielleicht haben wir zuwenig gelacht, mir wars nur recht, so war es ruhig und ich konnte lesen. In Hamburg angekommen, genoss ich schönes Wetter, angenehme Temperaturen und einen wahnsinnig großen beeindruckenden Bahnhof. Oder sagen wir so, vielleicht nicht groß, aber aufgrund seines immensen Zugverkehrs sehr beeindruckend. Noch schnell zur Josephikirche, kurz zum Rathaus, dann gings auch schon zu einem Freund, der Rest war nur mehr Gemütlichkeit, Fast Food und Astra.

Am nächsten Tag startete ich frischen Mutes in die Hansestadt. Containerhafen, Landungsbrücken, stinkender Fischgeruch, viele Leute. Fährenfahrt, später Reeperbahn. Dazwischen noch der Michel, der größte Kirchenturm und Wahrzeichen von Hamburg. Und immer wieder auf der Straße Punks, noch viel mehr aber Skins. Einer schnorrt um Bier, ja, er war schon in Österreich, ob in Wien oder Graz, das weiß er nicht mehr so genau, aber es war bei einem Konzert der Los Fastidios. In einem Lokal namens Musichouse, er hat daheim noch die Karte. Lustig, mein ich, denn da war ich auch. Dann stapfen wir weiter, er in die eine, ich in die andere Richtung.

Die Stadt der Beziehungsprobleme?

Hamburg scheint auch eine Stadt der Beziehungsprobleme zu sein, respektive jene für Paare, die Hamburg besuchen, mit sich zu bringen. Überall findet und begegnet man nämlich sich mitunter wüst beschimpfende Frauen und Männer, die gerade noch sich geküsst, Erinnerungsfoto geschossen oder Händchen gehalten haben. Bei Paar Nummer 21 habe ich aufgehört zu zählen, ehrlich.

Später, nach dem Ende meiner Touri-Tour, steh ich am Hauptbahnhof und warte auf meine Mitfahrgelegenheit (tatsächlich, wie sich später herausstellte, eine ohne Urban Legends, dafür aber mit Bleifuß, geschätzte Durchschnittsgeschwindigkeit 190 km/h). Wieder Skins, wieder Punks, die Szene scheint groß zu sein. Rechts neben mir eine Rangelei, Blut fließt, Polizei stürmt zum Ort des Geschehens. Links neben mir verzweifelt ein junger Türke, seine Mitfahrgelegenheit nach Kassel ist nicht gekommen, er muss nun mit dem Zug fahren. Dann quatscht mich eine hübsche Blondine an, ob ich denn auf sie warte.

Hamburg ist eine schöne Stadt, durchaus eine Reise wert. Dennoch, nichts im Vergleich zu Berlin. Hafen hin oder her.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.