Fremde Feiern

Ich war gestern auf einer Geburtstagsfeier. Die war wirklich schön, es waren viele Leute da, und der Typ, der Geburtstag hatte – falls du das liest, alles Gute nochmals – ist ein sehr netter Mensch, den ich gern habe, obwohl ich ihn nicht so oft treffe. Jedenfalls war es eine sehr gelungene Feier. Einmal war ich auf einem Geburtstagsfest, das war ziemlich arg, weil es so arg viel, und damit meine ich wirklich enorm viel, zu essen gab. Brötchen, Kuchen, nochmal Brötchen, Obst, Brötchen, Snacks. Und alle standen sehr fein herum und ich glaube, wenn ich einen Anzug angehabt hätte wäre es noch besser gewesen. Das Eis für die Cocktails stand im Bad, das übrigens sehr riesig war. Alles an diesem Fest war gigantisch.

Ich weiß bis heute nicht, warum ich dabei war, weil ich eigentlich niemanden dort kannte. In Berlin war ich mal mit einem Freund unterwegs, und wir kamen an einer großen Menschenansammlung vorbei, auch viel Polizei war da. Die haben gerade eine Party aufgelöst. Später gingen wir nochmal vorbei und die Party war wieder im Gange. Einige Betrunkene standen am Balkon und prosteten uns zum, wir standen unten auf der Straße und ein wenig Wein fiel vom Himmel. Und wir fragten frech ob Susanne da war, und die da oben meinten nein, sie wäre gerade gegangen, aber wir sollen doch rauf kommen, ihre Freunde sind noch da, und wenn wir die Susanne kennen, kennen wir wohl auch ihre Freunde. Wieder spritzte Wein auf die Straße, aber das bemerkte ich nur mehr so halb, weil ich schon im Treppenhaus war. Ich musste sehr lachen, überhaupt musste ich an diesem Abend viel lachen.

Jedenfalls waren wir dann in der Wohnung bei irgendwelchen fremden Leuten und haben denen wirklich viel vorgegaukelt. Aber wir stellten uns geschickt an. Ich habe etwas übertrieben weil eigentlich hatten wir ja nichts mit. Normalerweise geht man auf eine Feier und bringt etwas mit. Obligatorisch natürlich etwas zu trinken. Aber an dem Abend hatten wir nichts mit, da wir ja nicht wissen konnten, dass wir noch auf eine Party gehen. Und so huschte ich schnell in die Küche, nahm mir von dort einen Rum, versteckte ihn im Ärmel, ging zu Sophies Freunden und sagte ja den habe ich mitgebracht. Dadurch stiegen wir in der Aufmerksamkeit und in der Wertschätzung der fremden Leute enorm. Und so ging es dann weiter, bis einer meinte, er kennt Sarah wirklich gut, und er zwinkerte mit den Augen, und ich befand es für gut, zu gehen, weil wir sonst aufgeflogen wären. Den Rum nahm ich mit, das ist so eine schlechte Angewohnheit von mir, dass ich Sachen, die ich bringe, wieder mitnehme. Das habe ich gestern nicht gemacht, versprochen. Die Typen von Stefanie habe ich übrigens noch lange nachher immer wieder gesehen. Aber auf eine fremde Feier geschlichen habe ich mich nie wieder.

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