Frohe Weihnacht

Mit Playmobil-Zubehör lässt sich jede noch so triste Krippenszene aufpeppen. Gedanken über Weihnachten der etwas anderen Art.

Das Hinzufügen von Playmobil-Figuren (meist Südstaatler) bei der weihnachtlichen Krippe ist obligatorisch. Knifflig wird’s nur, wenn man möchte, dass sie nicht gleich von den strengen elterlichen Augen erblickt werden. Ein Colonel, der mit dem Gewehr durch das Krippenfenster auf Josef zielte, wurde erst vier Tage nach dem heiligen Abend entdeckt, bis heute noch geltender Rekord. Das Übliche sind alte Standards, die um der Tradition willen erfüllt werden: Das kleine Jesulein wird aus dem Bettchen in die Schafstränke gelegt, Josef flirtet und schmust mit einem Hirten und Maria spricht ein ernstes Wort mit dem Esel.

Genug der Blasphemie in der altehrwürdigen Krippe.

Der Christbaum wird schön geschmückt, mehr als zwei Farben bei der Kugelauswahl ist verpönt. Das kleine Jesulein macht einen Ausflug und landet auf der Spitze des Baumes, wo es gefährlich balancieren darf. Es gibt zwar süßen Behang, der darf aber nicht gegessen werden, dafür gibt es eine extra Schüssel. Doch wo bleibt da der Nervenkitzel? Es gibt nichts aufregenderes als ein Rumfläschchen von einem Ast zu heben. Und zwar so, dass einem nicht der ganze Baum und Behang -inklusive Jesus- entgegenkommt, da sich die Schleife der süßen Freude an duftenden Tannennadeln festklammert. Und dann gibt es da auch noch die in weißes und rotes Papier eingepackten besonders guten Sachen. Hierbei ist das Kunststück, sie herauszuessen – die leeren Hüllen bleiben so am Baum zurück und wahren den Schein.

Geschenke – natürlich von Harald.

Strahlende Augen packen aus und einstimmiges Gelächter ertönt. Seit Jahren verpacke ich gerne Scherzgeschenke, dies aber täuschend echt. Egal ob Messer, Gabel und Löffel aus der Küche, egal ob eine Rolle Toilettenpapier. Frohe Weihnachten wünscht dir Harald – nur kennt man keinen Harald. Kitschige Grußkarten lege ich jedoch nicht mehr dazu, selbst dann nicht, wenn sie von Harald kommen, da meine Handschrift, so gefälscht und links sie auch geschrieben sein mag, dennoch jeder gleich (er-)kennt. Echte Geschenke befühle ich vorher gerne, um heimlich mit mir selbst zu wetten, was sich denn drin befindet. Vom Schummeln beim Zettelziehen, das später dann entscheidet, wer an der Reihe ist für das volle Auspack-Programm, ganz zu schweigen.

Die Tür geht auf, die Sprühkerzen spucken, die Kerzen brennen.

Alle haben sich andächtig versammelt, nun werden Lieder angestimmt. Ich beginne natürlich viel zu tief, deswegen erneuter Beginn. Das geschmetterte Stille Nacht, heilige Nacht bringt den Glaskasten zum Vibrieren. Unser Hund lässt sich davon nicht beirren und beginnt hektisch, (s)ein Geschenk zu zerfleischen. Alles klebt, einsam lacht, auch die spontane Neuinterpretation von bekannten Liedern zähle ich zu meinen Lieblingsbeschäftigungen an katholischen Festtagen. Das Lied endet, und somit auch mein falsches Spiel – für mich ist und bleibt Weihnachten ein Fest der Freundschaft, der familiären Liebe und der Toleranz, trotz (klarerweise existierender) religiöser Attitüden. Als „professioneller“ Agnostiker sieht man darüber hinweg – und freut sich auf einen netten Abend.

In diesem Sinne wünsche ich all meinen Lesern und Leserinnen frohe Festtage – bis bald auf Feuilletonsern.at!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.