Für dich gibt’s heut ein LIKE!

Ehrlich gesagt hab´ ich lange überlegt, welches Thema ich hier in meinem Gastbeitrag behandeln soll. Ich habe mehrmals angefangen, meist bei der Hälfte wieder aufgehört. Bei einer so offenen Themenwahl ist es schwierig, das Richtige zu finden. Und meine Vorgänger haben mir es nicht leichter gemacht.

Doch da ich in der letzten Woche mein „Proleten-Dasein“ ein wenig zurückschrauben konnte und mich meiner literarisch-philosophischen Seite in Form von Büchern widmen durfte, habe ich mir gedacht, über ein Thema zu schreiben, dass mir gerade ziemlich aktuell zu sein scheint: Anerkennung.

Keine Angst, ich will jetzt nicht über die Terminologie oder Semantik des Wortes philosophieren. Für mich persönlich ist das Wort „Anerkennung“ positiv zu sehen – im Sinne von Lob, Würdigung, Respekt oder Akzeptanz. Welche weiteren Assoziationen im Sinne der Sprachwissenschaft erzeugt werden, ist mir relativ egal. Ich selbst schreibe ja diesen Gastbeitrag und daran kann die Wissenschaft rein gar nichts ändern 😉 haha

Aber wie viel Anerkennung braucht ein Mensch wirklich? Eine für mich sehr interessante Frage. Wir leben in einer Gesellschaft, die sehr von Leistung abhängig ist. Nur wer „besser“ als der andere ist, hat sich die „Anerkennung“ unserer Gesellschaft verdient. Sei es in Bezug auf Geld, Beruf oder im Sport. Ich habe das selbst sehr oft mitbekommen, vor allem im sportlichen Bereich.

Heutzutage werden unsere Kinder schon mit acht, neun Jahren dazu getrimmt, einmal erfolgreiche Schifahrer oder Fußballer zu werden – nur so würden sie die nötige Anerkennung bekommen. Ich kenne Situationen – und die stehen an der Tagesordnung – wo Väter oder Mütter ihre Kinder aufgrund ihrer „schlechten“ Leistungen niedermachen, weil das Kind eben nur Zweiter beim Schirennen geworden ist. Stimmt, echt idiotisch. Aber so erziehen wir heute unsere Kinder, zu anerkennungsbedürftigen Menschen, die nur etwas „wert“ sind, wenn sie erfolgreich sind. Vielleicht stärkt das ihren Willen und ihren Ehrgeiz, aber gleichzeitig zerstört es ihr Selbstbewusstsein und hinterlässt tiefe Einschnitte in Charakter und Leben. Ob es das wirklich wert ist, glaube ich nicht…

Trendwende bei sozialen Plattformen klar erkennbar

Aber auch bei uns „jungen Erwachsenen“ hat sich durch die Veränderung unserer Kommunikation das Bedürfnis nach Anerkennung geändert. Ich bin ein sehr großer Fan von den sozialen Plattformen, doch hier ist die Trendwende besonders stark zu sehen. Heute genügt es nicht mehr, wenn dir deine besten Freunde sagen, dass, zum Beispiel, dein Text super ist. Du zählst die Likes, Kommentare und Klicks. Im Endeffekt geht’s auch hier nur um die Anerkennung. Wir sind süchtig danach geworden. Dein Urlaubsbild auf Facebook hat weniger als zehn Likes? Das deprimiert dich und du denkst dir, ob sich überhaupt irgendjemand dafür interessiert, was du gerade machst. Heute bestimmen unter anderem auch Likes unsere Stimmung, unsere Emotionen, unser Leben.

Die Anerkennung ist kein Qualitätsmerkmal mehr, sondern hat sich zur Quanitätsmaschine entwickelt: Desto mehr, desto besser. Dieses Verhalten ist für mich ein Indiz dafür, dass wir schon längst in einer ziemlich harten Leistungsgesellschaft leben. Warum posten wir denn ständig Bilder, Videos und Links? Weil wir nach Anerkennung trachten. Vielleicht nicht bewusst, aber unbewusst spielt die Anerkennung eine immer größere Rolle und beeinflusst uns. Und hier stelle ich die Frage noch einmal: Wie viel Anerkennung braucht ein Mensch wirklich?

Ich weiß es nicht. Keine Ahnung. Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, dass jeder Mensch Anerkennung braucht. Egal ob es ein Lob des Chefs ist, ein Handschlag (Würdigung) des Gegners nach einem Fußballspiel, der Respekt eines Mentors oder Idols – die Anerkennung ist eine unvorstellbar-emotionale Kraft. Es stärkt nicht nur unseren Geist, sondern macht uns auch glücklich. Doch je mehr wir uns auf die Anerkennung stützen, desto unsicherer wird unser Lebensgerüst.

Anerkennung? Nebensächlich!

Meiner Meinung nach sollten wir der Anerkennung nicht zuviel Platz einräumen. Natürlich ist sie Teil unseres Lebens, aber wir sollten weniger in Likes oder Klicks denken, sondern mehr an unsere eigene Ziele. Ich habe oft das Gefühl, dass sich viele Menschen einfach von den Gedanken anderer beeinflussen lassen und Sachen machen, nur um danach die Anerkennung abstauben zu können. Sie verkaufen ihre Persönlichkeit für die Anerkennung.

Besinnen wir uns wieder auf unsere eigenen Interessen, folgen unseren eigenen Zielen und nehmen die Dinge wieder selbst in die Hand, ohne darüber nachzudenken, was wohl andere Menschen dazu sagen würden. Hören wir wieder ein wenig in uns selbst hinein, als der ganzen Mainstreamscheiße blind zu folgen. Die Anerkennung wird vielleicht nicht so groß sein, dafür umso ehrlicher und bedeutender. Und ich schließe diesen Gastbeitrag mit einem ziemlich passenden Zitat einer meiner Lieblingsschriftsteller ab – Albert Camus – der sagte:

„Der Mensch ist nichts an sich. Er ist nur eine grenzenlose Chance. Aber er ist der grenzenlos Verantwortliche für diese Chance.“

Der Autor

Gastautor Markus Knauß ist ein 89er Jahrgang | kommt aus Schladming | bloggt auf dreamk.at | twittert @knaussi | released gern das a magazine | studiert „Journalismus und PR“ an der FH Joanneum | liebt den Sport (vorangig Fußball und Schifahren – aber auch den Rest) | textet liebend gerne die unterschiedlichsten Sachen | verwirklicht mit Vergnügen seine Ideen | hinterfragt oft Dinge | und weiß jetzt nicht mehr weiter.

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