Ein Interview mit Josef Hader

Josef, ich darf doch du sagen. Schließlich hab‘ ich dich interviewt. Ich saß mit zwei meiner Kollegen backstage im Orpheum Graz und habe mit dir geplaudert. Über die Kunstfigur Josef Hader, darüber, was dich so besonders macht. Und über dein neues Programm.

(c) Gerald Rumpf

Zunächst einmal kam er zu spät. Als dann aber jemand daher schlurfte und sich in kräftigen Singübungen verlor rieben wir uns begeistert die Hände und klopften einander auf die Schultern. Dann war er da. Josef Hader. Einer der erfolgreichsten Kabarettisten Österreichs. Kabarettprogramme wie Hader privat, Hader spielt Hader, Hader muss weg. Zahlreiche Preise, bekannt in Österreich und Deutschland. Hader ist klein und schrullig. Letzterer Anschein wird gefestigt durch sein Outfit: feste, klobig wirkende und braune Schuhe, einer blauen Arbeiterhose, einem dazu passenden dunkelblauen Sweater und einem grauen Hemd. Eine Mischung aus Maschinenarbeiter und Bauernbub. Seine rechte Hand umklammert eine Tasse mit Ingwertee, den trinkt er vor jeder Vorstellung, ist gut für seine Stimme. Hader ist ein Meister seines Fachs, vielleicht sogar der Meister des Kabaretts.

Dennoch hält er nicht viel von Routine. „Du musst irgendwie mit dieser Routine so fertig werden, dass sie keine Rolle spielt. Dass es zwar super ist dass du das Programm gut kannst, aber dass du das denen, die da sind heute Abend, so erzählst, als wäre dies das erste Mal. Du musst dir selbst das Gefühl geben es wäre das erste Mal.“ Dafür eigne sich laut Hader das improvisieren, das Verändern von Sätzen. Die eigene, ehrliche Überraschung, die sich einstellt, wenn man etwas an einem zehn-, hundert-, tausendmal gespielten Ablauf verändert. „Schauspielerei ist immer dann gut wenn du selber als Schauspieler oder Schauspielerin so einen leichten Kontrollverlust hast. Das was aus dir ’raus kommt, das du selber nicht ganz kontrollieren kannst. Und das sind die Momente wo du manchmal stecken bleibst. Obwohl du es schon tausendmal gespielt hast.“

Des ermöglicht einem, die vielen Sätze, die jeden Abend eigentlich geplant sind, immer ein bisschen anders zu sagen. Als wäre es im ersten Moment, oder als würde es einem g’rad’ einfallen.

(c) Gerald Rumpf

Wieder nippt er an der kitschig-rosaroten Tasse. Sucht er nach Antworten, nach den richtigen Worten, nesteln seine Finger daran herum. Scheint er auch äußerlich die Ruhe in Person zu sein, gekonnt, routiniert eben, geht in seinem Kopf vieles vor. Seine Augen blicken ein wenig wachsam und vor allem abschätzend. Die Frage, was denn sein Programm so besonders macht, bereitet ihm sichtlich Kopfzerbrechen. Mehrmals setzt er zu einer Antwort an. „Hm. Was ich glaub ich schon ganz gut kann ist dass ich die Leute emotional -und auch vom Inhaltlichen her- so achterbahnmäßig, so von ganz lustig plötzlich wieder zu einem Fragezeichen runter hole. Und dann wieder rauf. Dass das so ein bisschen eine Ringelfahrt ist bei mir. Wo es rauf und runter geht.“

Also wenn ich etwas schreib dann überleg ich mir nicht, wie ich mich am besten unterscheiden kann von den anderen. Und zu meiner Schande muss ich auch sagen: Ich schau mir auch nicht alles an, ich kenn auch viel nicht was gerade so auf der Kabarettbühne ist.

(c) David Baumgartner

Hader lacht. Er lacht wie auf der Bühne. Teilweise, so scheint es, schlüpft er bei den Antworten in seine Rolle. Als würde er aufstehen, die Tür aufmachen, der Hader der Bühne tritt herein, der Hader des echten Lebens geht hinaus. Ein Rollenwechsel, gekonnt, routiniert. Manche Passagen in seinen Antworten klingen wie rezitiert, hören sich an wie bestimmte Stellen in seinen Programmen. Er spielt. „Ich mag nicht dieses Nachmachen von den Amerikanischen Preisverleihungen. Das jetzt jeder, die Kabarettisten, die Installateure, die Sportler, jeder hat genau diese öde Preisverleihung, wo immer wieder die selben Leut -in einem kleinen Land wie Österreich überhaupt- sich gegenseitig die Preise verleihen. Und da denk ich mir muss ich nicht dabei sein. Ist nicht so dringend notwendig.“

Oder ist es Hader, der zu uns spricht, und es ist auch Hader, den wir auf der Bühne erleben? Zumindest meint er, die Kunstfigur Hader, sofern sie existiert, habe sich stark verändert. „Also es ist natürlich eine Figur, so wie du eine Rolle spielst. Und ich spiel jetzt in diesem Programm eine Nummer aus Privat, und wenn ich mich erinner wie ich das damals gespielt hab, dann war das so, ich war jünger. Aber auch viel weicher. Ich war langsamer eigentlich. Im Tempo.“

Ich war, heut würde ich fast sagen behäbiger, ein bisschen mehr Bauernbua.

(c) David Baumgartner

Sind sämtliche Projekte absolviert, wird man Hader mit einem neuen Programm auf der Bühne genießen dürfen. „Das ist so, dass ich wahrscheinlich so in zwei Jahren ein neues Programm schreib’. Und vorher sind noch ein paar Filmprojekte, wir versuchen jetzt die Finanzierung zu bekommen für eine neue Wolf Haas-Verfilmung, die dann nächstes Jahr verfilmt werden soll. Das ist der Roman der in Graz spielt. Und der wird dann auch in Graz spielen.“

Auf der Bühne sterben, sagt Hader in einem seiner Programme, wäre schon fein. Da würden die Leute klatschen und zuerst gar nicht merken dass er wirklich tot ist. Auf der Bühne scherzt er damit herum, die Leute lachen. Im Interview meint er, dass er zumindest nie in Pension gehen will.
„Des ist ja das schöne in meinem Beruf dass ich nie in Pension gehen muss. Ich hab einen Beruf, den kann ich so gestalten dass ich jederzeit weniger arbeiten kann oder auch mehr, je nachdem wie ich will. Aber ich könnte es mir theoretisch so gestalten, dass ich immer arbeiten werde. Bis dass ich umfalle. Muss nicht unbedingt auf der Bühne sein, das Umfallen mein ich, aber dass ich immer ein bisschen weitermach.“

Und wenn ich ganz alt bin und ich mag überhaupt nicht mehr krallen dann kann ich ja ein Programm spielen wo ich nur im Bett lieg, bis zur Nasenspitze zugedeckt.

(c) David Baumgartner

Nach dem Interview gehen meine Kollegen David Baumgartner und Gerald Rumpf und meine Wenigkeit. Wir schütteln Hader die Hand, drehen uns um und stehen auf einmal inmitten der Menge, die ihn gleich live bei einem Auftritt sehen wird. Ich muss lachen. Wir sind jetzt ein wenig anders als die anderen. Die sehen ihn zwar, erleben ihn auf der Bühne. Die denken sich aber, da bin ich mir sicher, dass der Hader da nur spielt. Und vielleicht überlegen sich einige Zuseher, wie der Hader so ist, so im echten Leben. Ob der wirklich so ist oder ganz anders.

Du Josef, ich darf doch du sagen. Schließlich hab’ ich dich interviewt. Ich saß mit zwei meiner Kollegen in der Kabine 4 und hab’ mit dir geplaudert. Und für meinen Teil denk’ ich, dass ich wirklich über dich geplaudert hab’. Dankeschön.

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