Helle Trauer

Tamara Arnaut lebt in Balti, sie arbeitet dort als Deutschlehrerin am Gogol-Lyzeum. Für Feuilletonsern.at gewährt sie regelmäßige Einblicke in ein in Europa relativ unbekanntes Land: Moldawien. Diesmal schrieb sie über den Olympia-Auftritt der moldauischen Delegation.

Dieser Tage waren die XXII. olympischen Winterspiele in Sotschi zu Ende. Die Republik Moldau belegt im Medaillenspiegel ohne Spitzenplatzierungen den 70. Platz. Dennoch hatte Moldau bedeutenden Anteil an den olympischen Spielen.

Die moldauische Delegation ist  am 7. Februar im Olympiastadion „Fischt“ in Sotschi in Anwesenheit von Dutzenden  Staats- und Regierungsoberhäuptern und Tausenden Zuschauern in Blau erschienen. Der kleinen, fünfköpfigen Mannschaft fehlte vielleicht die Anwesenheit ihres eigenen Präsidenten, Nicolae Timofti, der sich zu den großen politischen Machthabern gesellte, welche aus politischen Gründen nicht zu Olympiade gekommen sind.

(c) Tamara Arnaut

Der Fahnenträger unserer Delegation war der junger Skiläufer Wiktor Pynsaru, von den drei anderen moldauischen Olympiateilnehmern stammte übrigens einer aus Rumänien und einer aus Österreich. Der größte moldauische Beitrag zur Olympiade war nicht nur deshalb bereits bei der Eröffnungsfeier zu sehen und zu hören.

In der Show zur Eröffnung wurde nämlich ein Teil der russischen Geschichte mit der berühmten Walzermelodie „Mein liebes und zärtliches Untier“ des moldauischen Komponisten Eugen Doga verkörpert.  Unter den Tönen von Eugen Doga wurde die Geschichte von St. Petersburg und somit die des russischen Imperiums unter Peter des Großen dargestellt.

Die Bilder zur Musik wurden dem Roman „Krieg und Frieden“ von Lew Tolstoj entlehnt und in Form eines Balletts präsentiert. Es ist eine Ballszene, bei der Pierre Besuchow unerwartet mit Andrej Bolkonski zu tanzen beginnt. Dann tritt Pierre  zur Seite und Bolkonski tanzt mit Natascha.

Die Musik zur diesen Szene berührt die Seele tief und weckt widersprüchliche Gefühle. Der Komponist Doga selbst hat über die Walzermelodie gesagt: „Es gibt etwas Menschliches darin, das uns alle vereinigt…“. Ich selbst würde die Musik als „helle Trauer“ beschreiben. Zum ruhigen Bild des Balles gesellt sich die Besorgnis, die Düsterheit und die Erwartung eines Bruches: in der Darstellung der russischen Geschichte ebenso wie in der (politischen) Realität, welche die olympischen Spiele bekanntlich mittlerweile eingeholt hat.

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