Herr Stronach.

Eine kurze Betrachtung einer unfreiwilligen Satire mit einem grandiosen Wolf und einem Millionär, der lieber die Finger von Politik und öffentlichen Auftritten lassen sollte.

Guten Abend, ja“. Mit diesen Worten leitet Stronach das insgesamt ein wenig mehr als 13 Minuten dauernde „Interview“ mit Armin Wolf ein. Und schon bei dieser Begrüßung sitzt Frank in den Startlöchern, um das, was damals 2007 im Ausschuß „recorded“ wurde, aus mitgebrachten Zetteln vorzulesen. Denn erst dann sei er bereit, Fragen zu beantworten.

Hat der Magna-Konzern im Zusammenhang mit der Euro-Fighter Beschaffung irgendwelche Gegengeschäfte gemacht? (Wolf)

Wolf versucht hartnäckig, sein Gegenüber davon zu überzeugen, die simple Frage zu beantworten, doch jener lässt sich nicht beirren. Trotzig und stur, Wolf völlig ignorierend, beginnt Stronach vorzulesen.

Es freut mich, dass ich heute hier teilnehmen kann, um Ihre Fragen zu beantworten (…) (Stronach)

Wolf versucht, Stronach zu unterbrechen, einen geeigneten Einstieg zu finden, und kurz gelingt ihm das auch. Dann aber spricht Stronach unbeirrt weiter, fast schon als wäre er allein im Studio. Von fünf Minuten, die ihm zugesprochen wurden spricht er, von fünf Minuten, in denen er eine Erklärung abgeben darf.

Nein, Herr Stronach, das stimmt nicht. Herr Stronach, ich unterbreche sie ja wahnsinnig ungern. (Wolf)

Laut Stronach wurde abgesprochen, dass er -nun eine Minute lang- zunächst ein Statement abgeben darf, Wolf dementiert dies. Stronach stammelt  nur mehr dahin, mal vom Englischen ins Deutsche, mal vom Deutschen ins Englische „switchend“. Wolf gewinnt kurz die Oberhand.

Herr Stronach, wir haben heute mit ihrem Pressesprecher gesprochen, und der meinte, sie kommen unter der Bedingung, dass sie heute eine vier minütige Erklärung abgeben dürfen – aber wir haben gesagt, nein, das machen wir nicht. (Wolf)

Zeit im Bild, 29. November 2012

Die Bürger, die Zuseher, wollen hören, was da los ist. Das ist ein politisches Fußballspiel. (Stronach)

Wieder liest Stronach aus seinen mitgebrachten Zetteln vor. Nun kommen Statistiken – wie viele Beschäftigte die Magna in Österreich hat, wie viel in Österreich investiert wurde.  Während Wolf nun mit einem Abbruch des Interviews droht, geschieht das nahezu unglaubliche: Stronach beantwortet die eingangs gestellte Frage.

Magna hat in keinster Art und Weise profitiert. (…) Ich habe in keinster Art und Weise jemals verhandelt, wir machen keine Aufträge für die Flugzeugfirma. Die haben uns einen Auftrag angeboten, ich habe das abgelehnt. Wir sind nicht in der Rüstung tätig, ich habe die ganzen Waffen und Panzer alles weggegeben. (Stronach)

Und dann packt er die Patriotismus-Keule aus. Er sei Österreicher und habe alles für Österreich getan. Die Firmen in Österreich werfen keinen Profit ab, im Gegenteil, dennoch bleiben die Arbeitsplätze.

Mimik und Gestik

Wolf versucht weiterhin, das Gespräch in eine geordnete Form zu bringen. Er bleibt ruhig, wenn er auch beginnt, sich auf dem Sessel leicht hin und her zu drehen. Seine Gestik ist klar – die rechte Hand versucht  den Magna-Chef zu beschwichtigen und zu unterbrechen, die linke liegt, wenn sich Wolf damit nicht an die Krawatte fasst oder sie zum beidhändigen Gestikulieren benötigt, am Tisch. Stronach hingegen ist in Bewegung, gebieterisch und streng fuchtelt er herum, sein Kopf gewinnt von Minute an immer mehr an Farbe. Spätestens ab der Hälfte des Interviews sind die Rollen klar verteilt. Wolf, nun immer öfter beide Hände vor dem Bauch verschränkend, beweist Geduld und Stärke. Dass ihn das „Interview“ anzustrengen scheint, lässt sich vielleicht nur daran erkennen, dass er öfters mit der Zunge über die Lippen fährt und sich über den Mund wischt. Ansonsten – die Ruhe in Person.

Der Eurofighter war ein Blödsinn von Beginn weg. Ich würde mir eine Untersuchung wünschen. (Stronach)

Stronach stöhnt, seine Mundwinkel zucken, auffällig ist, dass seine Brille nach vorne gerutscht zu sein scheint und er somit den Kopf komisch heben muss, um Wolf anzusehen. Seine Statements sind nicht mehr als zusammenhangloses Gestammel, selten ergeben seine Sätze einen Sinn.

Stronach beim Gestikulieren

Gegengeschäfte sind kein Gesetz, die sind erwünscht. (Stronach)

Wolf erinnert Stronach daran, dass er 2007 gesagt hat, dass es keine Geldgeschäfte gegeben hat. Stronach unterbricht Wolf (Überraschung), dementiert, wippt hektisch nach vor und zurück. Es sprudelt nur so aus ihm heraus, Wolf droht nun damit, den Ton abzustellen. Wieder stellt sich eine „Lehrer-Schüler“ Situation ein, dann gibt Stronach Ruhe und lauscht. Nicht lange, und es geht von vorne los, zeitweilen verliert er sich in die vertraute Anrede („Pass auf!“) und in schon gesagte und wiederholte Phrasendrescherei. Stronach brüllt und zetert. Wolf bleibt ruhig.

Wieder versucht es Wolf, und wieder wird er scheitern. Schlussendlich bleibt er aber Sieger.

Stronach kam um zu streiten, Wolf war da um ein Interview zu führen. Der gesamte Sendungsteil wäre urkomisch und erheiternd, wäre da nicht die traurige unterschwellige Botschaft, dass Stronach keine einfachen Fragen beantworten kann, ständig stammelt, zusammenhanglos spricht. Stronach ist alt. Zu alt? Senil? Ein Rumpelstilzchen, das sich einbildet, Politik machen zu können? Ein erfolgs- und machttrunkener Millionär?

Aus der Erkenntnis, dass er im Leben alles „richtiger als richtig“ gemacht hat, nimmt Stronach das arrogante und nahezu narzistische Selbstverständnis, so aufzutreten, wie er auftritt.

Stronach verkauft sich und sein Auftreten als uneinnehmbare Festung der Werte. Er sieht es als Selbstverständlichkeit, dass er tun und lassen kann, was er will, und dass ihm alle folgen und gehorchen. Widerspricht man ihm und seinen Meinungen, erregt das sein Missfallen und führt zu Wut. Stronach führte keine Kommunikation, zeigte sich nicht gewillt, Fragen zu beantworten. Dass er oft Denglisch sprach, vereinfachte die Situation keineswegs. Wortkreationen wie „Poblitiker“ und „Kampffighterjets“ führten zur Versuchung,  über den alten Mann zu lachen.

Ich finde ihn auf eine bestimmte Art und Weise bemitleidenswert. Früher begleitete ich meine Großmutter oft ins Altersheim, da sie alte Freundinnen besuchte. In Altersheimen begegnet man ebenfalls Menschen wie Stronach. Menschen, die trotzig daher reden, mit den Füßen aufstampfen. Menschen, die zusammenhanglos dahin sprechen. Mit einem Unterschied – die haben nicht soviel Geld wie Stronach.

Wie Recht er hat – dennoch, grandiose Leistung!

0 Antworten auf “Herr Stronach.

  1. tja, wolf ist mit einer agenda in das interview gegangen, ein paar tage später ergibt sich, es hat wirklich keine geschäft mit magna gegeben und der trottel soll stronach sein?
    stronach führt alles vor! er zeigt wie es um dieses land steht! er kauft problemlos abgeordnete; er zeigt wie parteien mit medien umgehen, verschärft es und alles regen sich über ihn auf, obwohl es der status quo ist; er will nur mehr in ihm gesonnenen zeitungen inserieren, alle regen sich auf, obwohl es sp/vp schon lange so machen; und schlußendlich gibt es noch selbstgerechte journalisten, die fern jeder objektivität sind und jeweils ein klare agenda haben! wohin führt der wahnsinn? die fp bleibt stabil hoch (neben privaten geldern, dürfens jetzt noch mit öffentlichen millionen die leut mir ihrem mist beschallen), die vp lebt tatsächlich immer noch und stronach wird aus dem stand seine 10%+ schaffen!
    ich gebs zu, mit dem system habe ich abgschlossen und wähl nicht aus überzeugung, sondern aus nichts änderndem protest die kp

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