Hobbit 3 ist schlecht, weil…

Wer mich kennt, weiß, dass ich beim Schreiben von Texten auf ordinäre und unflätige Ausdrücke weitgehend verzichte. Nun aber sah ich den dritten Teil der Hobbit-Trilogie. Und dieser Film war nicht schlecht – er war einfach nur grandios scheiße.

Nach dem ersten und zweiten Teil des Hobbit-Trios stand der dritte Teil am Programm. „Der Hobbit 3 – Die Schlacht der fünf Heere“ ist aufgrund vieler Faktoren schlecht:

Wegen plump wirkender Animationen und überraschend schlecht digital generierten Schlachtszenen.

Wegen einer Galadriel, die bei dem Angriff des Weißen Rates auf Dol Guldur in einem Wutausbruch aussieht, wie in einem Computerspiel vor zwanzig Jahren.

Wegen einem Saruman, der verspricht, sich um Sauron zu kümmern, während ein erschöpfter Gandalf auf diesem lachhaften Kaninchenschlitten davongetragen wird.

Wegen der seltsamen Darstellung der Ringgeister – und, dass sei gesagt, der oftmaligen Anwendung von Konzeptzeichnungen aus der Herr der Ringe-Triologie, was Rüstungen, Ringgeister, Orks, Sauron, Elben u.s.w. betrifft.

Wegen zahlreicher wiederkehrender „lustiger“ Elemente, die nichts anderes als Jacksons armselige Versuche sind, die Genialität von J. R. Tolkiens Werk „Der Hobbit“, diesen lieblichen Humor des Buches, aufzufangen.

Wegen Legolas, dessen exaltierte Fortbewegungsarten diesmal so übertrieben eingesetzt werden, dass man sich beim Fliegen mit der Nebelgebirge-Fledermaus die Hand vor Augen hält, beim Fortbewegen auf herabfallenden Steinen nur mehr verständnislos den Kopf schüttelt.

Wegen der dümmlichen Darstellung des im Buches doch sehr stolzen Zwergenkönigs Dáin Eisenfuß, der nicht nur auf einer grotesken Kampfsau daherreitet, sondern anscheinend auch die magische Eigenschaft besitzt, Orks nur mit einer zarten Berührung seines Schädels zu töten.

Wegen dieser Erdwürmer. Dieser komischen Würmer! Und dieser Troll ohne Hände und Füße, mit eingesetzten Morgensternen, auf denen er plump einher torkelte. Dieser Troll, der mit einem Dach auf dem Kopf eine Burgmauer einschlug. Elemente, bei denen ich glaube, dass sie der Fantasie von Erstregisseur Guillermo del Toro entsprangen, wo ich mich dann aber frage, warum sie in Jacksons Werk blieben.

Schlecht ist der Film aber auch wegen dieser unglaublich grässlichen Dialoge: diese dahingefetzten Zitate, diese Worte, die eigentlich bedeutungsschwer sein sollten, aber in Anbetracht der Lächerlichkeiten im Film so oberflächlich und schal wirken. Als ZuseherIn wird man immer mehr in ein bestimmtes Gefühl der Hilflosigkeit hineingezogen: Mitansehen zu müssen, wie der Film immer schlechter wird, mitansehen zu müssen, wie sehr da mit dieser schönen Geschichte auch im dritten Teil Schindluder getrieben wird, lässt einen schier verzweifeln.

Dann kam Angmar. Mittlerweile war ich regelrecht im Kinosessel versunken und betete einfach nur an alle Götter da draußen, dass jetzt nicht auch noch irgendwelche daher fantasierten Geschichten über den Hexenkönig und sein ehemaliges Reich daher kommen. Man erhörte mein Flehen, zumindest davor blieb ich verschont.

Am Ende saß ich da und war fassungslos ob des unglaublichen Potentials, dass da gerade in zwei Stunden verpulvert wurde. Wer diesen Film gut findet, hat da irgendwas nicht verstanden. Ja, ich habe die Bücher vorher gelesen. Ja, ich bin ein großer Tolkien-Fan. Ja, mir wurde schon öfter gesagt, dass ich mit meinem Wissen rund um die Welt Mittelerdes mehr als nur ein Nerd sei.

Aber wer, selbst ohne die Bücher respektive das Buch gelesen zu haben, diesen Filmschund gut nennt, sei herzlich dazu eingeladen, mir mitzuteilen warum. Schaffte Peter Jackson beim Herrn der Ringe noch gerade so, aus dem unglaublichen Meisterwerk Tolkiens eine einigermaßen gelungene Verfilmung zu formen, erreicht er mit dieser dreiteiligen Verschandelung nur eines: Dass sich J. R. Tolkien im Grab umdreht. Nicht nur einmal.

3 Antworten auf “Hobbit 3 ist schlecht, weil…

  1. Kann nur zustimmen!

    Hinzu kommen weitere Absurditäten:
    1. Anstatt beim ersten Überfall der formationslosen Orks diese auf eine Phalanx der Zwerg einlaufen zu lassen (was Sinn und Zweck der Phalanx ist), hüpfen die Elben über die Köpfe und stellen sich dem 1gg1 Kampf … Sun Tzu dreht sich ebenfalls im Grab.
    2. Eine Stadt voller Fischer mit alten Rüstungen und Waffen (die in einer verfallenen Ruinenstadt dennoch in erstaunlich gutem Zustand sind) leistet einem vollausgerüstetem schwer gepanzertem Orkheer erfolgreich Widerstand bis die Elben eintreffen? In der Sekunde in der sich Orks in der unbewachten Stadt befinden sollten alle darin befindlichen Zivilisten eigentlich abgeschlossen haben.
    3. Woher kamen die riesigen Widder mit denen der nördliche Berg (und Azocs Kommandozentrale) erklommen wurde?
    4. Die schlecht inszenierte Liebesgeschichte zwischen Kili und Tauriel (ich habe kein Problem mit Liebe ausserhalb der eigenen Rasse – siehe Aragorn und Arwen – aber alles was ich brauche um eine Waldelbin rumzukriegen ist ein Stein meiner Mutter und der Samariter Effekt?
    5. Als der Kampf zwischen Azoc und Thorin ausbricht: Wo war Dwalin? Man sieht in einige Szenen zuvor bei Bilbo gegen Goblins kämpfen und am Ende verabschiedet er sich. Wenn wir mal davon ausgehen, dass nicht auch er ohnmächtig wurde und übersehen wurde, wieso greift er nicht in den Kampf ein?
    6. Beorn (dessen äußerliche Erscheinung sowieso grotesk keine Ähnlichkeit mit Tolkiens Beschreibung aufweist) wird von einem Adler aus mehreren dutzend Metern fallen gelassen, verwandelt sich im Flug, landet als tonnenschwerer Bär und bricht sich dabei keinerlei Gelenk/Knochen? Wobei die Schwerkraft ja bereits von Legolas bei der zusammenbrechenden Brücke ausgeschaltet wurde…
    7. Wo waren die Wargreiter in der Orkhorde? Der ein oder andere Wolf wäre durchaus nützlich gewesen in der Schlacht, aber wahrscheinlich musste die CGI sich zwischen Trollen mit Morgenstern-Händen und Wargen entscheiden … Die im Buch erwähnten Riesenspinnen sieht man auch nicht …
    8. Wieso wartet Azoc nicht einfach fünf Minuten und lässt Zwerge, Menschen und Elben die Herrschaft über Erebor regeln um die anschließend verwundetet, ermüdeten Resttruppen zu überfallen?
    9. Smaug musste ähnlich wie der Orkkönig im ersten Teil der Hobbittrilogie unbedingt auf „urkomische“ Art den Bürgermeister im herabfallen unter sich begraben …

    mein 10. und für heute erstmal letzter Kritikpunkt ist die Rolle des Alfred…. Hier fehlen mir einfach die Worte für eine solch klischeehafte und absurde Figur welcher entgegen jedweder Logik immer wieder wichtige Aufträge verliehen werden. Soll ich Alfred als Karikatur verstehen? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur , dass ich meine geliebten Kinder nicht dem Mann anvertraue, der mich beleidigt, eingekerkert, bloßgestellt, nicht vor einer Elbenarmee gewarnt, Gold hinterzogen, Zwietracht gesät und belogen hat….

    Alles in allem, habe ich mich richtig geschämt als ich mir selbst eingestehen musste hierfür Geld ausgegeben zu haben… Das war ehrlich eine beklagenswert schlechte Verfilmung! Schande!

  2. Hab gestern die extended geschichte gesehen und da klären sich einige deiner fragen….hätte es besser gefunden wenn sie diese zwischensequenzen drinnen gelasse hätten, da der film ohne sie noch mehr zusammengestückelt wirkt…das kern problem verschwindet jedoch dadurch auch nicht

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