Ich bin Batman – Teil 1

Superman ist so, wie wir gerne wären. Batman hingegen ist so, wie wir sind. Nur besser.

Die Beschreibung des deutschen Journalisten und Schriftstellers Dietmar Dath beantwortet die Frage, warum denn ein solcher Hype rund um den Fledermausmensch existiert, in meinen Augen exakt. Batman ist so wie wir, er besitzt eigentlich gar keine Superkräfte, nur sehr viel Geld (was uns eigentlich von ihm unterscheidet) und einen perfekt trainierten und gesunden Körper. Und er ist fiktiv, rein fiktiv. Dennoch fasziniert er.

Superman ist Jude!

Die Comicfigur Batman wurde im Jahr 1939 von Bill Finger und Bob Kane, beides Legenden im Comicmetier, erschaffen. Im selben Jahr beginnt der Zweite Weltkrieg, Hitlers und Stalins Armeen überfallen Polen, der Nichtangriffspakt zwischen den beiden Regimes wird festgelegt. Zu dieser Zeit darf Bruce Wayne noch auf „normale“ Verbrecherjagd gehen. Drei Jahre später wird das Veröffentlichen und Verbreiten von Superheldencomic-Literatur von Propagandaminister Goebbels in einer Reichstagssitzung mit den Worten „Superman ist Jude!“ in Nazi-Deutschland verboten. Da befinden sich Batman und andere Vigilanten bereits seit einem Jahr im fiktiven Kampf mit Hitler, Stalin, Hirohito und anderen Gegnern der Alliierten, die er meist auf Covers desavouiert. Batman spioniert hinter feindlichen Linien, sabotiert und entdeckt kriegswichtige Geheimnisse. Selbst ein Ausflug in die Abstrusität bleibt ihm nicht erspart, so stiehlt er in einer Comicepisode die Mauritiuslanze aus den Händen Hitlers, damit jener den Krieg verliert.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs endet auch die große Nachfrage an Superheldencomics in Amerika. Verkaufszahlen gehen in den Keller, die sogenannte erste „Goldene Ära“ geht zu Ende. Erst 1960 verhilft eine zeitgemäße Reanimation dem Genre, und damit auch Batman, zu einem erneuten Boom. Lang hält der aber nicht an, so bestimmt Quantität statt Qualität in den darauffolgenden Jahren den Markt. Die zweite „Goldene Ära“ verläuft im Sand. Erst in den 1980er Jahren beginnt, was heute „Silberne Ära“ genannt wird, und in der wir uns zum Teil auch noch befinden. Anteil daran hat natürlich auch Batman (genauer gesagt Graphic Novel-Autor Frank Miller).

Kriminelle sind ein abergläubischer, feiger Haufen. Deshalb muss meine Verkleidung in der Lage sein, Furcht in ihre Herzen fahren zu lassen.

Mit halbjähriger Unterbrechung lese (und sammle) ich seit zwei Jahren die monatlich erscheinenden Comichefte. Durch meinen Berlin-Aufenthalt gelangten auch einige originale amerikanische Ausgaben in meinen Besitz. Freilich, Objekte von wahnwitzig großem Wert aus dem Jahr 1939 sucht man bei mir vergebens. Warum also Comics lesen? In Augen vieler besitzen Comics kaum literarischen Wert, und durch Schund aus der Disney-Fabrik werden diese Zweifel keineswegs entkräftigt, sondern meistens nur gestärkt. Es gibt meiner Meinung nach auch nur wenige Comicbücher und -reihen, die wirklich lesenswert sind oder literarische Qualität aufweisen. Aber es gibt sie, und Batman gehört eindeutig dazu. Und das Lesen von Comics weist keineswegs auf einen niedrigen Niveauanspruch hin, oh nein. Vor allem das Lesen von Batman bereitet einem manchmal Kopfzerbrechen. Zudem entspannt mich das Lesen von Comics, gibt mir Ruhe in einem hektischen Alltag. Und natürlich freut sich über jede Seite ein Teil in mir, der zum Glück noch nicht so richtig erwachsen geworden ist.

Zu Teil 2

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