Ich bin Batman – Teil 2

Die Tatsache, dass bei Batman körperlich und geistig Versehrte immer wieder (…) zu Verbrechern werden, lässt sich durchaus kritisch diskutieren.

Batman – ein Held mit unglaublichen Kräften, zauberhaften Gimmicks und multifunktionellen Zubehör. Und am Tag? Ein reicher Playboy, der mit dem neuesten Sportwagen von Party zu Party fährt, immer eine wunderschöne Frau im Arm. Anders gesagt: Das insgeheime Alter-Ego eines jeden Mannes. Oder? Batman wäre nicht Batman, gäbe es da nicht Schattenseiten. Doch nicht nur über die eingangs erwähnte Kritik von Lars Banhold an der Gegnerwahl lässt sich diskutieren.

Ein verbitterter, sarkastischer Charakter mit Persönlichkeitsspaltung,  faschistoiden Ansichten, vergänglicher Lynchjustiz (der Kodex, keine Menschen zu töten, wird Batman erst 1941 auferlegt) und brutalen Methoden. Aber er darf ja, denn es geht gegen Kriminelle, gegen das wahre Böse. Kritiker werfen dem maskierten Rächer vor, doch nur das System zu schützen, aus dem der Multimillionär schlussendlich seinen Nutzen zieht. Doch lässt man ausser Acht, wie Batman entstand – psychologisch gesehen ein gefundenes Fressen. Seine Eltern werden feige ermordet, das kleine Kind schwört Rache. Batman ist kein Gesetzeshüter in dem Sinne, ihn treibt die Sehnsucht nach Rache.

Als Mensch aus Fleisch und Blut werde ich ignoriert oder getötet. Aber als Symbol – als Symbol kann ich unbestechlich sein und unvergänglich.

1989 war es schließlich soweit, und der erste Film über Bats kam ins Kino. Kommerziell wurde „Batman“ unter Regisseur Tim Burton ein Wahnsinnserfolg. Auch die nachfolgenden Teile („Batman Returns“ 1992, „Batman Forever“ 1995 und „Batman & Robin“ 1997, beide unter Regie von Joel Schumacher) wurden mehr oder weniger zu einem Kassenschlager. Wenn auch, vor allem nach den letzten beiden Filmen, der düstere, mit sich und der Menschheit zweifelnde Anti-Held aus den 80ern zu einem vor Pop-Art, Trash und schlechten Gags nur so sprühenden Etwas wurde. Die Magie an Batman verschwand zusehend, auch in den Comics stagnierten die Geschichten, zu verbraucht und gewöhnlich waren alte Gegner, zu neu und suspekt neu erfundene. Doch das änderte sich 2005, als Christopher Nolan sich in den Regiesessel zwang und mit „Batman Begins“ die ganze Geschichte neu, möglichst realistisch und im krassen Gegensatz zu den vor Farben sprühenden vorigen Filmen aufrollte.

„Batman Begins“ erzählt die ganze Geschichte von vorn – wie entstand Batman, wie lebte Bruce Wayne? Die fiktive Heimatstadt Gotham wird gezeigt, bekannte Comicfiguren wie der charismatische Kommissar Gordon eingeführt. Batman (dargestellt von Christian Bale) bekommt es in diesem Film gleich mit zwei Bösewichten zu tun, einerseits Scarecrow, eine Figur, die bereits seit 1941 in der Comicwelt immer wieder gegen Batman Krieg führen darf, andererseits Ra’s al Ghul, der seit 1971 mit terroristischen Akten die Welt vom Bösen befreien will. Selbstverständlich gewinnt Batman und rettet Gotham, wenn auch Bruce Wayne seine Geliebte von Kindheitstagen an (Rachel Dawes, die Figur wurde für den Film geschaffen) wegen seinem Alter-Ego verliert.

Du weisst ja, mit Wahnsinn verhält es sich wie mit der Schwerkraft. Es reicht oft schon ein kleiner Schubser!

2008 erschien die lang und heiß ersehnte Fortsetzung. Mit „The Dark Knight“ gelang es Nolan, am Erfolg des Vorgängers anzuknüpfen, ja sogar den kommerzielen Erfolg noch zu übertreffen (Platz 12 in der Liste der weltweit erfolgreichsten Filme). Zu verdanken war es nicht nur dem Hype um die enorme schauspielerische Leistung von Heath Ledger (als Bösewicht Joker), sondern auch einer fesselnden Story, atemberaubenden Bildern und einem hohen Maß an Brutalität. Archaische Gewalt verbreitet nicht nur der geschminkte Irre, sondern auch Two-Face. Eine Person, der die Persönlichkeitsspaltung sprichwörtlich in’s Gesicht geschrieben steht.

Vervollständigt wurde die Trilogie schlussendlich durch „The Dark Knight Rises“ (2012). Mit Bane und der Tochter von Ra’s al Ghul, Talia, bekommt es Batman mit Gegnern zu tun, die ihm mehr als das Rückgrat brechen. Obwohl der Film in meinen Augen durch langgestreckte Dialoge, oberflächliche Charaktere und teilweise wirklich schlecht dargestellten und gespielten Szenen (der Tod von Talia, der Tod (?) von Bane, die gesamte Schlussszene) viel an Fahrt und Qualität verliert, ist die grundsätzliche Botschaft doch sehr deutlich: In jedem von uns steckt ein Batman, jeder kann seinen Teil gegen das weit verbreitete Böse tun.

Doch sollten sich die Kräfte des Bösen irgendwann wieder erheben, um ihren Schatten auf das Herz dieser Stadt zu werfen, so ruft mich.

Zumindest als Batman-Regisseur lässt Nolan niemanden mehr rufen, denn in einem Interview gab er bekannt, keinen Film mehr drehen zu wollen. Der Nachfolger der erfolgreichen Trilogie kann entweder nur besser oder schlechter werden. Gerüchten zufolge plant Warner Bros. Entertainment einen weiteren Film, 2016 soll es so weit sein. Bis dahin kann man sich die Tage ja mit einem der zahlreichen Fan-Produktionen im Netz vertreiben (z.B. mit einem Kultfilm aus der Fanszene) oder langweilige Stunden mit einem seltenen Hörspiel aufpeppen. Gute Nacht, Gotham.

Zum ersten Teil des Artikels

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