Immer wieder ORF

Leidiges Thema Fußballkommentatoren im ORF.

Sitzen wir daheim vor einem Fußballspiel, dann ist es manchmal schon vorgekommen, dass mein Vater stirnrunzelnd den Ton ausgemacht hat. Ab und zu hab auch ich zu dieser Maßnahme gegriffen. Seit es den Zweikanalton beim ORF gibt, und man auf eine Version für Sehbehinderte und Blinde umschalten kann, machen wir meistens dies. Dann wird endlich mal das Spiel kommentiert.

Was ansonsten einige Herren des ORF als „Fußballmoderation“ anbieten, ist entweder schlecht, nicht objektiv oder langweilig. Blickt man hingegen in die Vergangenheit, dann ist ein eindeutiger Leistungsabfall zu betrachten. Kommentare bei wunderbaren Spielen wie gegen Deutschland 1978 (Edi Finger Seniors berühmter Ausruf „Tooor, Tooor, Tooor, Tooor, Tooor, Tooor! I wer‘ narrisch!“) berühren auch heut noch die begeisterte österreichische Fußballseele, während Kommentare bei eher peinlichen Spielen, z.B. wieder gegen Deutschland 1982, auch bekannt unter „Schande von Gijón“  (Robert Seeger forderte die Zuseher auf, das Fernsehgerät abzuschalten, einmalig in der ORF-Geschichte!) zumindest heute einem ein Grinsen aufs Gesicht zaubern.

Beim gestrigen Spiel Rapid Wien – Red Bull Salzburg (nein, keine Sorge, trotz meines fanatischen Rapidler-Daseins kommen nun keine Lobgesänge) fand, für mich erstmalig, eine doppelte Moderation statt, Oliver Polzer und Roman Mählich versuchten sich darin. Es bleibt beim Versuch – über weite Strecken kommentierte keiner das Spielgeschehen, Polzer (der aus seiner Sympathie für Salzburg, wie immer, keinen Hehl machte) warf ständig, selbst bei Kontern und aktivem Spielgeschehen, unnötige und uninteressante Informationen ein, versuchte aber (wiederum bleibt’s beim Versuch) dennoch, mit Mählich Kommunikation zu führen, stellte Fragen, sprach Mählich sogar direkt an, was er denn dazu und hierzu meine, wie Mählich das Spielsystem fände, ob den Rapidlern noch immer der Schock über die Derby-Pleite in den Knochen stecke, warum Salzburg bei den Kontern nichts erreicht.

Mählich, an und für sich mein Lieblingsanalytiker des ORF, schien gänzlich abgeneigt, seinen Senf dazu abzugeben, über weite Strecken sagte er einfach nichts oder antwortete nur sehr kurz und angebunden. Erst in der Schlussphase war das Duo etwas im Einklang, selbst wenn Polzer durch ein ständiges „Steht zwar 2:0, aber man weiß ja nie, vielleicht schafft Salzburg noch den Ausgleich“ sowie (in der 86. Minute) „Jetzt bleibt nur mehr ein wenig Zeit, damit Salzburg hier doch noch das Spiel wendet“ einem etwas auf die Nerven ging.

Grandios lustig jedoch war die Ekstase vom Oliver zuvor, als Salzburg in der 82. Minute einen Elfmeter zugesprochen bekam. Meinen Ohren nach verschluckte er kurz vor der Ausführung des Elfers nahezu das Mikrofon, und seine Fassungslosigkeit, nachdem Soriano den Ball nahezu aus dem Stadion schoss, war nicht gespielt, sondern einfach nur mehr echt. Emotionen pur, und spätestens beim Abpfiff musste Oli dann doch Mählich recht geben, der meinte, dass Rapid verdient gewonnen hat.

Vielleicht sollten sich sämtliche Kommentatoren des ORF ein Beispiel an längst vergangenen Zeiten nehmen, wo Spielmoderation noch lustig, interessant und tatsächlich am Spielgeschehen orientiert war. Oder an Schneckerl Prohaska –schafft zwar keinen ganzen korrekten deutschen Satz, analysiert und kommentiert aber gekonnt. Trotz verbaler Ausrutscher.

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