In Grüßen und Küsschen steckt ein „ü“

Die ganze Grüßerei, die lag mir immer schon am Herzen, aber dennoch habe ich oftmals wirklich Probleme damit, was du vielleicht gar nicht glauben kannst. Ich weiß noch wie das ganze anfing bei mir: beim Samstäglichen Einkauf mit der Oma, ja, die gleiche, bei der ich erlernte immer höflich „Nein, danke“ zu sagen, benahm ich mich daneben. Oma traf nämlich auf dem Weg zum Mondo, es war kalt und Blätter lagen am Boden, das weiß ich noch, einige Bekannte. Ich war irgendwie verklemmt und habe niemanden gegrüßt. Auf der halben Strecke machte Oma deswegen Stopp und schimpfte mich. Grüßen tut man, also auch du, sagte sie. Wenn man nicht grüßt ist das sehr unhöflich, sagte sie auch. Dann stapften wir weiter, denn es waren wirklich viele Blätter am Boden, es muss Herbst gewesen sein. Oder Ende Herbst. Und dann habe ich jede und jeden aus dem Ort lauthals mit einem „Grüßgott“ begrüßt. Das war der Oma dann peinlich, weil sie ja doch nicht alle kennt aus dem Ort, und mir vergaß zu sagen dass sie ja eigentlich nur die grüßt die sie kennt. Ich war verwirrt. Daran konnten auch die paar Schilling Restgeld vom Mondo, die ich aufgrund meiner enormen Höflichkeitssteigerung bekam, nichts ändern. Heute grüße ich nur mehr beim Autofahren alle, die mir entgegenkommen, aber auch nur wenn ich in der Heimatgemeinde meiner Eltern unterwegs bin. Wenn mein Vati neben mir sitzt, dann findet er das immer peinlich, was dich nicht wundern braucht, weil er der Sohn meiner Oma ist.

Was das Grüßen generell angeht, bin ich manchmal verwirrt. Lerne ich jemanden kennen, dann strecke ich automatisch die Hand hin, auch bei Frauen. Manchmal setzen die aber schon zu einem Küsschen links und Küsschen rechts an, was dann für mich komisch wird, weil ich dann irgendwie kaschieren muss, dass meine Hand schon ausgestreckt ist, was ja nicht geht, wie du dir denken kannst. Dann habe ich irgendwo mal aufgeschnappt dass ein starker Händedruck von einer starken Persönlichkeit zeugt und weiters in einem Bewerbungsgespräch dem Chef vermittelt dass man gut ist. Jetzt drück ich automatisch immer sehr fest zu, deswegen haben viele die mich kennenlernen dann Schmerzen. Ab und zu denk ich mir dass ich nun – also bei Frauen – Küsschen links und Küsschen rechts machen kann, derweil strecken die mir die Hand entgegen und ich muss meine Küsschenabsicht irgendwie verstecken weswegen ich immer in peinliche Situationen gerate. Grüßen ist schwer.

Und selbst beim Bundespräsidenten, also beim Noch-Bundespräsidenten, habe ich glaube ich etwas falsch gemacht. Den war ich, musst du wissen, mal besuchen, weil er mich eingeladen hat, also nicht nur mich sondern viele andere junge Auslandszivildiener auch. Wir waren dann eine große Truppe und in meiner Gruppe waren noch ein Bursch mit chinesischen Eltern. Wir haben ein Foto mit Heinz Fischer gemacht und während dem Foto hat er sich zum Burschen mit chinesischen Eltern umgedreht und gesagt: „Ni hau, oder?“ Das fand ich seltsam, aber dennoch nahm ich dann all meinen Mut zusammen und ging nach dem großen Foto zu dem kleinen österreichischen Präsidenten. Ich grüßte ihn nicht mit „Guten Morgen“, wenn du das jetzt denkst. Nein, ich hatte in meiner rechten Hand die Kamera und wollte fragen ob ich mit ihm für die Oma ein Foto machen kann. Da packte er meine rechte Hand, wo ich ja die Kamera drinnen hatte, schüttelte sie fest und sagte das geht leider nicht mit dem Foto weil sonst wollen alle eines aber schön dass ich da bin bei ihm in der Hofburg. Mir tat die Hand danach sehr weh und ich hatte einen Abdruck von der Linse auf meinem Handballen. Ich glaube Heinz Fischer hat gelernt dass Präsidenten immer fest die Hände schütteln müssen beim Grüßen weil das von einer großen Persönlichkeit zeugt. Weil Grüßen ist schwer, musst du wissen.

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