Kaffeeübungen

Frei nach Raymond Queneaus „Stilübungen„, ein faszinierendes Werk, in dem Queneau unter anderem eine kleine Geschichte in 99 Varianten erzählt, versuchte ich mich an einigen von ihm erdachten Versionen um eine einfache Geschichte -Kaffee kochen- so unterschiedlich wie nur möglich zu erzählen.

…Sichtweisenwechsel

Schritte erklingen. Eine Tür wird wüst aufgerissen, jemand tapst in die Küche. Ein Gähnen ist zu vernehmen, dann wird das riesige Tor zur Welt geöffnet. Die Hand erscheint und kramt in den Filtern neben uns. Es ist dunkel, man sieht das Pulver vor Augen nicht, dennoch wispert unsere Packung beständig, was vor sich geht. Dann ruckelt es fürchterlich und wir werden empor gehoben, schweben durch die Luft, während unsere Packung schmerzerfüllt ob des groben, quetschenden Griffes stöhnt. Es kracht, wir fallen durcheinander und vermengen uns aufs Neue. Schließlich wird unsere Packung auseinander genommen und die Hand öffnet unsere knisternde silberne Hülle. Wir atmen frische Luft, während unser Duft vernommen wird, dann unternehmen wir eine kurze Reise durch die Welt, erblicken eine leuchtende Sonne an der Himmelsdecke. Schief gelegt verabschieden wir uns von vielen und während wir wieder durcheinandergewirbelt zur Ruhe kommen, sind wir in einer neuen Umgebung, einem Filter, der uns resigniert begrüßt. Es wird dunkel, dann dröhnt es in unseren Ohren, es zischt, und ein Ungeheuer brüllt und röchelt. Wir rücken näher zusammen, es wird warm, heiß, es regnet. Es ist unser erster und letzter Regen im Leben. Wir spüren. Und vergehen.

…Definitionsmäßig

In einem Raum im zweiten Stock eines der ältesten Gebäude des rechten Murufers, das außen gelb gestrichen ist und zudem ein Wappen der Eggenbergs auf der Fassade trägt schwingt die weiß angemalene und schon abblätternde Tür auf und ein junger, idealistischer und müder, da sich spät zu Bett begeben und erst vor kurzem von einer Krankheit kuriert, Student im zweiten Semester dass drei Monate beträgt aus seinem Schlafzimmer in der knapp 70m² großen Wohnung, die er mit seinem Cousin seit einem Monat zu bewohnen pflegt und tapst in die Küche, welche aufgrund der dementsprechenden Ausstattung und Zubehörs als solche bezeichnet werden muss.
Er greift mit seiner rechten Hand und nicht mit seiner Linken, da er Rechtshänder ist, empor zum Kasten, welcher dort an der Wand hängt und Geschirr, Nahrung und Zubereitungselemente für Getränke beherbergt, und zieht das Türchen des Kastens auf, um demselben Zubehör zu entnehmen, welches zur Zubereitung er eines schwarzen, coffeinhaltigem Heißgetränk, dass aus Bohnen, den Früchten einer Pflanze, zubereitet wird, und das laut einer Legende seit 1671 existiert, verwendet wird, um jene Zubereitungsmittel die von Nöten sind an sich zu nehmen, sich umzudrehen und sich der Kaffeemaschine, die wegen dem fehlenden Strome noch still und nicht funktionierend dasteht, zuzuwenden.

…Verdoppelung

In der Früh und zur Morgenstunde öffnet ein junger und noch nicht alter Student und Hochschüler die Tür und drückt die Türklinge hinunter in einem alten Gebäude und historischen Haus und tritt und tapst in die Küche und Gemach in dem Speisen zubereitet werden und gekocht wird. Er und der Junge schreitet und befördert sich zum Schrank und zum Kasten, um jenen zu öffnen und den geschlossenen Zustand zu ändern. Er nimmt und ergreift mit den Händen und den Greifwerkzeugen die Filter und die seihenden Tüten und die Packung und die Aufbewahrungsbox, indem sich das Kaffeepulver und gemahlene Kaffeebohnen befinden und lagern und dreht und wendet sich damit der Anrichte hinter und dem an der anderen Wand befindlichen Schrank zu. Dort stellt er hin und lässt koordiniert alles und sämtliches fallen, um dann die Kaffeemaschine und das technische Gerät welches Wasser erhitzt und durchlaufen lässt an sich zu ziehen und den Standort zu verändern.

…Wortkomposition

Er türzurküchemachte auf und fußfortschrittte in die morgensonnenstrahlhellte Küche. Nachdem er mundaufreißenmandelzeigte, berührtschwenkschrankte er den Küchenschrank, um dort nebst dem Geschmackdurchlassbeutel auch die Packung mit dem sehnsuchtsuchterwartetem Kaffee zu greifwerkzeugquetschkoordinieren. Dann dreht er sich positionsveränderungsaktion, um zur Anrichte zu barfußen. Hier augbildentstehte er die Kaffeemaschine, um sie dann stromzuführungbereiten.

 …Sonett

Tasten Sonn‘strahlen an den Wänden,
tritt über die Schwelle in die Stube ein Student
kramt im Kasten nach Genuß, wie man ihn kennt
und befreit mit flinken Händen.

Die Packung mit dem ersehnten Gemahlenen,
ein großer Beutel noch dazu,
so dreht und wendet er sich zu im Nu
der Maschine in der hallenden.

Küche und lässt plätschernd dann,
Wasser in die Maschine spritzen,
drückt und gleich röchelt, um sich zu erhitzen,
Kaffee in die Kaffeekann‘.

…Originalgeschichte

Müde in die Küche tapsen und den Kasten öffnen. Nach oben greifen, einen der großen –nicht der fälschlicherweise gekauften kleinen- Filter mit Fingerspitzen aus der Packung fischen, dann die provisorische Kaffeebox, die aus Karton besteht, vor sich hinstellen. Wieder einmal daran denken, sich doch endlich mal eine altmodische, blecherne Kaffeebox zuzulegen. Sich umdrehen, zwei Schritte zur Anrichte gehen, den Stecker der alten, weißen Kaffeemaschine in die Dose schieben. Filterfach ausschwenken, sich wieder umdrehen, Filter und improvisierte Kaffeebox ergreifen. Den Filter hineinwerfen, den gemahlenen Kaffee in der silbernen Verpackung riechen und schließlich einen Haufen in den geöffneten Filter schütten. Das Filterfach zurück in die Verankerung und die gläserne Kaffeekanne ergreifen. Mit Wasser voll füllen, empor heben, das geöffnete Reservoir der Maschine spritzend befüllen, die nun leere Kanne unter das Filterfach stellen und schließlich: Den Einschaltknopf drücken und dem darauffolgenden segensbringenden Röcheln lauschen. Den typisch guten Geruch in der Nase vernehmen, nach einiger Zeit die Maschine abstellen, den Stecker aus der Dose ziehen. Den alten Pott des verstorbenen Großvaters, demselben Schrank entnommen, befüllen und genießen.

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