Liebtraum

Hast schon mal von Verstorbenen träumt? Also Menschen, die du gekannt hast, vielleicht sogar unglaublich gut, die es jetzt nicht mehr gibt?

Ich tu das nur manchmal, nicht oft, also eben eher selten. Letztens zum Beispiel war ich mit meiner Großmutter unterwegs, die starb vor drei Jahren. In der Trauerpate war ein Foto von ihr, da sah sie sehr ernst drein, obwohl ich ihr Lächeln immer schrecklich mochte. Auf alle Fälle hat sie in meinem Traum auch nur so drein geschaut, wie eben auf dem Foto, und mir gratuliert, weil ja Vater und so. Wir sind bei ihr daheim gesessen im Garten und nebenan war ein großes Fest, sie meinte zu mir dass sie es wunderbar findet und schön. Schön waren auch ihre Hände. Meine Oma hatte die schönsten Hände die du dir nur vorstellen kannst. Sie waren durchzogen von Adern, die haben nur so rausgeschaut, waren schwielig, teilweise rauh und teilweise weich.

Ihre Hände waren gezeichnet von der Arbeit, von vielen Ereignissen, von vielen Erlebnissen, von vielen gelungenen Sachen und von vielen traurigen Dingen. Ich habe sie gerne gehalten. Diese Hände haben so viel gekonnt. Brot backen, Essen kochen, weißt ja, so richtige Oma-Sachen. Sie hat den besten Lebkuchen gemacht, stell dir vor, herzhaft, süß und gut und das alles gleichzeitig. Diese Hände. Ich war einmal bei ihr, kam herein in die Wohnung, das war schon ziemlich spät, den Hund gabs auch nicht mehr. Sie saß am Küchentisch, eine Hand am Tisch, die andre am Stock, und nahm mich zuerst gar nicht so wahr.

Weißt, ich vermisse sie, wie das halt so ist mit seinen Liebsten und der Familie, die halt nicht mehr da sind. Beim Atmen hat sie manchmal gepfiffen. Beim Wandern zum Beispiel, die Klamm hinauf zum Jausenwirt, jedes Stück Weg eine Melodie, die eine Hand am Riemen, in der andren Hand den Stock. So Melodien des Lebens, das weiß ich jetzt ganz bestimmt.

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