Lehrreich und informativ

Die Medienakademie bildete sich aus KollegInnen aus der Schweiz, Wien und aus meinem Studiengang in Graz. Wir berichteten, im Team mit NZZ.at-Chef Michael Fleischhacker, vom Mediengipfel in Lech. Eine Veranstaltung der Extreme: Diskussionen und Vorträge gestalteten sich extrem interessant, lehrreich und informativ, aber auch grotesk, unbeholfen und desillusionierend. Teil Eins.

interessant, lehrreich und informativ

Der 8. Europäische Mediengipfel beschäftigte sich mit der Frage, wer denn Europa nun eigentlich regiert. In mehreren Vorträgen und Diskussionen trugen verschiedene Vertreter der Wissenschaft, Politik, Kultur und Medien ihre Meinung vor. Statt fand dies im Vorarlberger Ort Lech, eine durch den Wintertourismus sehr profitierende und reiche Gemeinde. So überraschte es mich ein wenig, dass ich auf einem Parkplatz einen Lada Niva entdeckte – inmitten von Luxuskarosserien und schweren SUVs in gewisser Weise schon ein Statement.

Bei einem Spaziergang durch den Ort führte ich, gemeinsam mit meiner Schweizer Kollegin Eva Hirschi, mit dem französischen Auslandsjournalisten Pascal Thibaut ein Interview. Der Korrespondent des Radio France International lebt seit mehr als zwanzig Jahren in Berlin. Zu lang sei das nicht, meint Thibaut. „Es braucht Erfahrung, um sagen zu können, ob ein Satz des Aussenministers eine Wende in der Politik bedeutet oder nicht.“ Das interessanteste für mich war Thibauts Meinung zur Rolle von Auslandskorrespondenten innerhalb der Europäischen Union. „Die Integration innerhalb der EU nimmt weiter zu – auch dank der Auslandsberichterstattung.“ Das bringe Menschen innerhalb der Union näher, so würden Auslandskorrespondenten neben der berichtenden auch eine aufklärende und vermittelnde Rolle übernehmen. Ich bezweifle zwar stark den wirklichen Einfluss von Auslandskorrespondenten und messe ihnen sicherlich einen geringeren Wert zu, als Thibaut das tut, dennoch finde ich den Gedankenansatz ganz nett.

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Pascal Thibaut spaziert durch Lech (Bild: Eva Hirschi)

Im luxuriösen Gasthof Post fand auch die Eröffnungsdiskussion statt. Nach einer interessanten Rede des Schriftstellers Michael Köhlmeier diskutierten Alexandra Föderl-Schmid, Cerstin Gammelin, Raimund Löw, Gregor Kreuzhuber, Michel Reimon und Pascal Thibaut zum Thema „Wer regiert Europa? Politik zwischen Ohnmacht, Gestaltungskraft und professionellen Lobbyisten & Think Tanks“. Langer Titel, viele PodiumsteilnehmerInnen, große Namen. „In Europa regiert der Grant“, beginnt Michel Reimon. Seinen Beobachtungen nach ist der Lobby-Druck auf das europäische Parlament „vehement gestiegen“. Thibaut meint, dass man über die oftmals diskutierte Position Deutschlands innerhalb der Europäischen Union streiten könnte: „Gibt es tatsächlich eine Übermacht Deutschlands – oder sind andere Länder einfach nur zu schwach?“ Gregor Kreuzhuber, der auch durch gehässige und bissige Kommentare auffiel, sprach vom „Pilgern nach Berlin“: „Es existiert der Eindruck, dass wir Berlin beeinflussen müssen, wenn wir Brüssel beeinflussen wollen.“ Ein Eindruck, an dem die EU laut Pascal Thibaut selbst schuld ist. Wie an so vielem.

Zum Internetauftritt der Medienakademie: Blog

Zum Portrait von Pascal Thibaut, Auslandskorrespondent in Berlin (gemeinsam geschrieben mit Eva Hirschi): „Korrespondenten als Integrationshelfer

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