Olaf, einer von uns

Der SK Rapid Wien gastierte beim SK Sturm Graz. Nach dem Spiel riegelt die Polizei aufgrund ihrer Deeskalationspolitik immer großflächig ab. Durchkommen kann und darf da wohl niemand. Eine Beobachtung.

Olaf und seine Freunde sind betrunken. Kein Wunder, ihre Mannschaft hat den SK Sturm geschlagen, die Freude ist groß. Nun möchte man schnell den Heimweg in die Hauptstadt Österreichs antreten – oder gar noch ein wenig in die Grazer Innenstadt feiern gehen. Kaum kommen sie aus dem Auswärtssektor, versperren ihnen auch schon eine Reihe grimmig dreinblickender Polizisten und Polizistinnen in vollster Montur den Weg. „Dreht wieder um und fährt gefälligst schnell nach Wien zurück!“, bellt einer der uniformierten Herren. Olaf und seine Freunde bleiben stehen. Die Ausweichroute ist ihnen anscheinend viel zu lang, auf Spaziergänge haben sie keine Lust.

Ich stehe ebenfalls vor den Herren und Damen der Polizei. Dummerweise habe ich mein Fahrrad genau hinter der Polizeilinie abgestellt, ich muss also warten, bis die Polizei die Lage für ruhig hält, damit ich endlich nach Hause kann. Schön und gut, das darf man als Pech bezeichnen. Das sagt mir auch ein Polizist, als ich ihn höflich frage, ob sie bei mir nicht eine Ausnahme machen können, ehe der andere Kollege wieder zum bellen beginnt. „Umdrehen und dann schnell nach Wien zurück!“

Olaf und seine Freunde werden mittlerweile von sogenannten „Szenekundigen“ der Polizei und Mitarbeitern des SK Rapid Wien umstellt. Olaf versteht nicht, warum er da nicht durch kann. Es sei ja sein Recht, sagt er. Seine Freunde unterstützen ihn. Er geht auf die Mauer zu, ein „Szenekundiger“ schubst ihn zurück nach hinten, Bier wird verschüttet, es wird laut. Olaf wird ein wenig böse. Dann geht es eigentlich sehr schnell. Olaf versucht, durch die Reihe der Polizei zu gelangen. Das ihm das nicht gelingen wird, ist einem nüchternen Menschen von vornherein klar. Olaf wird von zwei Polizisten abgeführt, weitere Unterstützung eilt heran, schließlich sind sicherlich fünf Personen bei Olaf, er bekommt Handschellen angelegt und wird abgeführt. Seine Freunde sind erstmals sprachlos.

2014-10-25 18.29.32

Die Zeit schreitet voran, wir dürfen noch immer nicht durch, mein Rad darf sich weiterhin rühmen, eines der bestbewachtesten Räder der steirischen Hauptstadt zu sein. Olafs Freunde hingegen werden immer nüchterner und verlangen, von „Szenekundigen“ und den Uniformierten in der Reihe, Auskunft, was denn nun mit Olaf passiert ist. Niemand antwortet ihnen.

Soweit ich weiß darf die Polizei Personen, die die „öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährden“, sie an ihrer Arbeit hindert oder sie stört, in Präventivhaft nehmen. Dennoch muss sie auch, soweit ich weiß, Gründe für den Freiheitsentzug angeben, als auch Angehörige oder Vertrauenspersonen – in Olafs Fall wohl seine Freunde – darüber informieren, was denn mit den Festgenommenen passiert ist respektive wohin man sie gebracht hat. Das war hier nicht der Fall. Olafs Freunde werden immer wütender ob ihrer Hilflosigkeit. Olaf bleibt weg.

Es wird immer kälter, immer mehr Menschen stellen sich vor die Mauer der Polizei. Zwei Herren in Zivil, die Westen mit der Aufschrift „Polizei“ tragen, wird es anscheinend zuviel ob des Protestes. Der Freund von Olaf wird ebenfalls mitgenommen, man stellt ihn an den Zaun. Da geht auf einmal die Polizeimauer auf, alle strömen durch den Korridor. Ich drehe mich um, der Freund ist ebenfalls weg. Was mit Olaf passiert ist werde ich an diesem Abend nicht mehr erfahren können. Was bleibt, ist ein enorm schaler Beigeschmack nach einem schönen Fußballabend.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.