Ostern in Tschechien

Frauen werden zu Ostern geschlagen, außer es ist Schaltjahr, Südböhmen ist das Drogenzentrum von Tschechien und trägt Schuld daran, dass Roma und Sinti verachtet und gehasst werden, und Emil hat etwas mit Lucky Strike zu tun. Ostern in Tschechien – und ein viel zu langer Lead, der bereits alles sagt.

Letztens saß ich im Božký život ďáblova klína, während am Tisch neben mir offen darüber diskutiert wurde, ob die Tschechen und Tschechinnen nun die größten Kiffer Europas wären oder nicht. Fakt ist, dass das meiste Gras (eine gewisse Menge darf man gesetzlich mit sich führen, das dann zu rauchen wird zumeist von Polizei geduldet) im Land mit der liberalsten Drogenpolitik Europas aus Südwestböhmen stammt (und unter anderem auch Bayern und Österreich versorgt). Die dortigen Drogen- und Mafiabosse seien alles Roma und Sinti, wie mir eine Bekannte mitteilt, und deren kriminelle Machenschaften furchtbar. Das wiederum verstärkt nur die generelle Abneigung gegenüber der ethischen Minderheit, die ohnehin schon sehr stark ist.

Was in Österreich der Tschusch und Jugo, ist in Tschechien der Zigeuner, cikánský. Anders als in manchem europäischen Staat, der mitunter Jagd auf „mobile ethnische Minderheiten“ macht, wird hierzulande nur geschimpft. Eine abfällige und schlechte Meinung gegenüber den Roma und Sinti gehört zum guten Ton. Gesellschaftsfähiger Rassismus par excellence. Natürlich, nicht jeder Tscheche hasst automatisch Roma –  Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel.

Ruten binden und Frauen schlagen

Ein wohl wirklich seltsam klingender (Oster)Brauch ist der sogenannte Peitschenmontag. Zu Ostern dürfen Männer ihre Frauen mit Ruten schlagen. Ist Schaltjahr, dann darf der Mann geschlagen werden. Ansonsten schlägt jener Frauen während jene ihn mit Wasser oder Parfüm übergießen. Ziel dieser Züchtigungsorgie? Die Frau darf nicht „trocken“ werden. Die Auslegung des Wortes „trocken“ in diesem Zusammenhang bleibt zunächst jedem und jeder selbst überlassen. Früher bedeutete dieser Brauch, dass wenn eine Frau zu Ostern nicht geschlagen wird, sie entweder im nächsten Jahr sterben wird oder auf ewig eine Jungfer bleibt. Heutzutage schlägt man, damit die Frau fruchtbar bleibt und wird.

výkřik und sonstigen Gedankenregungen dagegen zum Trotz, Tradition bleibt Tradition. Der Peitschenmontag ist wohl am ehesten mit dem Krampustag in Österreich zu vergleichen, wenn man auch aus unterschiedlichen Motiven schlägt. Und auch wenn nun der Eindruck entstanden ist, dass kollektiv alle Männer in Tschechien über Ostern ihre Frauen niederknüppeln, sieht es in der Realität gewiss ganz anders aus. Vielerorts ist der Tag ein ultimativer Renner, Männer und Jugendliche freuen sich darauf, Frauen sind beleidigt wenn sie nicht geschlagen werden.

Zum Abschluss: Škoda und Lucky Strike.

Wohl eine tschechische urban legend, laut meinem Bruder jedoch nichts als die Wahrheit: Emil von Škoda, Gründer des erfolgreichen tschechischen Automobilherstellers Škoda (übrigens in Plzen geboren und in der Steiermark verstorben, nutzloses Wissen und so) hat angeblich das Logo des Konzerns, ein Indianerschmuck mit einem Pfeil, vom Logo des Zigarettenherstellers Lucky Strike kopiert. Bewiesen ist, dass die Tschechen sich damals vom amerikanisch-indianischen Kopfschmuck inspirieren ließen, als Schöpfer des Logos gilt jedoch der damalige kaufmännische Direktor der Pilsener Werke, Tomáš Maglič (nutzloses Wissen und so Teil 2 und Ende). (MHT, 29. März 2013)

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