Oświęcim

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts wir trinken dich morgens und mittags

Als wir an der Maximilian-Kolbe Kirche vorbei fahren, erfahre ich, dass ich nach einem fanatischen Antisemiten benannt wurde. Mutig zwar, sich selbstlos opfernd, aber judenfeindlich. Gerade eben strömen zahlreiche Kinder aus der Kirche, die Mädchen in weißen Konfirmationskleidern, die Buben in schwarzen und grauen Anzügen. Dahinter die stolzen Eltern und Großeltern. Gleich danach kommt eine Siedlung, die von den Deutschen für ausgesiedelte Deutsche erbaut wurde; Uns wird gesagt, dass man in zahlreichen deutschen Städten genau das gleiche Bild erblicken kann.

Danach kommen zahlreiche Plattenbauten, griesgrämig dreinschauende ältere Menschen mit Hunden und rot-weiße Flaggen überall. Wegen der EM, wird uns erklärt. Mir kommt der Gedanke, dass die auch sonst hier hängen, nicht nur wegen des bevorstehenden sportlichen Großereignisses. Zu oft wurde der Staat aufgeteilt, von der Landkarte radiert, überrannt. Obwohl es Sonntag ist, haben die Geschäfte geöffnet, einkaufen kann man immer gehen. Gleich nach der Messe in den Supermarkt, Spielzeug für die braven kleinen Besucher der heiligen Messe besorgen. Bilder des alten Papstes ziehen an uns vorbei.

wir trinken sie nachts wir trinken und trinken wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

Schließlich gelangen wir an das ehemalige Gelände von Auschwitz III, Monowice. Hier waren ehemals die IG-Farben präsent, auch heute steht eine Chemiefabrik dort. Überbleibsel bemerkt man, wenn man nicht darauf hingewiesen wird, kaum. Am rechten Straßenrand tauchen ab und wann halb zerfallene, runde graue Eingänge in Bunkeranlagen der SS auf.

Etwas später, wir fahren auf von Schlaglöchern durchsetzten Straßen am Land, sehen wir zur rechten kleine Häuser , die wahrscheinlich halb mit Ziegeln des ehemaligen Lagers gebaut wurden. Links von uns zweigt eine kleine Straße ab, flankiert von kleinen Einmann-Bunkern. Schießscharten zieren diese ehemaligen Straßensperren. Auch von der SS, wird uns gesagt. Man kommt sich ein wenig komisch vor, wenn man Fotos schießt. Langsam fahren wir weiter.

Später stehen wir in Auschwitz II, auch bekannt unter dem Namen Auschwitz-Birkenau.Ich stehe ungefähr in der Mitte des Geländes. Drehe mich im Kreis. Um mich herum nur Zäune, Baracken, Geleise, Ruinen. Gesprengte Krematorien. Denkmäler. Die Baracke eines gewissen „Dr.“ Mengele. Der Sammelraum. Die Sauna. Kleine Teiche, in die Asche geleert wurde. Dieser ganze Wahnsinn ist nur schwer akzeptierbar, schier unglaublich. Überall Massen von Touristen. Asiaten, Amerikaner, Polen, Deutsche. Gruppen aus Israel mit einem eigenen Tourguide und Sicherheitsleuten. Die Security, die das Lager bewacht, trägt schwarze Uniformen, Springerstiefel und breite Gürtel. Ungewollt assoziiert man.

dein goldenes Haar Margarete dein aschenes Haar Sulamith

Überall wird fotographiert. Einige Menschen lachen. Mein Kollege an der Gedenkstätte Auschwitz, im Stammlager, erzählt mir später dass es drei verschiedene Arten der Besucher gibt. Solche, die ernst und bestürzt sind, still lauschen und interessiert fragen. Dann gibt es solche, die in Tränen ausbrechen, die Grausamkeit des Ortes vermehrt spüren. Sich setzen müssen, in der Gaskammer ohnmächtig werden.

Und schließlich die letzte Gruppe, jene, die sich nicht zu benehmen wissen, Witze reißen und lachen. Sich salutierend vor der Todeswand fotographieren lassen. Im Grunde bemitleidenswert und nur ein Ausdruck ihres Unvermögens, mit der Situation und dem Ort zurecht zu kommen. Mir wird erzählt dass eine Gruppe von Neonazis, die mit einem Pädagogen das Stammlager besuchten, sich in einem unbeobachteten Moment davon stahlen und vor dem Galgen, an dem der ehemalige Kommandant des Lagers 1947 gehängt wurde eine Schweigeminute einlegten. Manche lernen’s nie.

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