Pädagogische Qualität

Mitte der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts gab es in Österreich heftige Debatten darüber, ob pädagogische Qualität messbar und vergleichbar ist – ausgehend von der Annahme, dass Pädagogik auf Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern beruht und diese in ihrer Komplexität nicht nach bestimmten Kriterien beurteilt werden können.

Viele argumentierten, dass in der Bildungs- und Erziehungsarbeit keine Produkte hergestellt werden und somit Bildungsarbeit nicht einem Fertigungsprozess in einem Industrieunternehmen gleich zu setzen wäre. Das pädagogische Handeln als Teil der pädagogischen Qualität ist also auch heute noch deswegen besonders sensibel, weil es eine scheinbar selbstverständliche und von vielen im Alltag praktizierte Tätigkeit (z. B. Erziehung von Kindern im Kindergarten) darstellt. Was gute pädagogische Qualität ausmacht, also dem Begriff „Qualität“ gerecht wird,  wird dann beispielsweise nicht nur von Fachkräften und ExpertInnen diskutiert, sondern auch von verschiedensten gesellschaftlichen Gruppierungen, weil jeder und jede, zumindest selbst als Kind, Erfahrungen in diesen Bereich gesammelt hat.

Die Definiton von Qualitätskriterien wird allerdings in den meisten Einrichtungen durch folgende Faktoren erschwert: divergente Vostellungen innerhalb eines PädagogInnen-Teams, die Problematik, pädagogische Qualitäten in Quantitäten (also in Zahlen) zu übertragen und die Verwirrung durch unpräzise Aussagen und Feststellungen (z. B. „Was bedeutet es konkret, die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern zu unterstützen? Gilt diese Definition für alle Kinder oder nur für bestimmte?“)

Der Qualitätseuphorie stehen viele sehr skeptisch gegenüber. LeiterInnen werden fast über Nacht zu QualitätsmanagerInnen, Teams sichern oftmals außerhalb der Dienstzeit Qualität, indem sie Kriterien entwickeln. Neben der Fehlervermeidung liegt der größte Nutzen von Qualitätsmanagement in der Pädagogik in der Chance zur Weiterentwicklung der gesamten Organisation.

Nun könnte man einwenden – ist nicht gerade das ein Thema der Wirtschaft, gar des Kapitalismus? Immer besser, schneller und konkurrenzfähiger zu werden, besser zu sein als andere? Fakt ist, dass mittels Qualitätsmanagement es jedoch auch gelingen kann, auf neue Herausforderungen und Themen adäquat zu reagieren und danach zu agieren.

Eine wichtige Voraussetzung für gezielte Organisationsentwicklung ist zudem Metakommunikation im Bereich der Ziele und Methoden, die den pädagogischen Alltag prägen. Durch die daraus entstehenden Diskussionen und Reflexionen ist es möglich, Stärken und Schwächen sowie Ziele klarer und bewusster wahrzunehmen. Erkannte Stärken können zudem als Teil der Öffentlichkeitsarbeit nach außen transparent gemacht werden.

Pädagogische Qualität muss immer auf das Recht der Kinder und ihrer Familien auf bestmögliche Entwicklungsföderung zurückgeführt werden können, denn alle Kinder haben Anspruch auf ein qualitativ gutes Angebot an Bildung, Betreuung und Erziehung.

0 Antworten auf “Pädagogische Qualität

  1. Qualitätssteigerung durch Protest!
    Um die eigene Qualität im Kindergarten zu erhöhen müsste der gesamte Kindergartenbereich sich endlich einmal mehr zutrauen. Es ist die Resignation der KindergartenpädagogInnen die dazu führt, dass die Kleinkindpädagogik in ihrer Weiterbildung so schleppend vorankommt. Diese Resignation zeigt sich darin, dass sich KindergartenpädagogInnen selbst viel zu wenig zutrauen und ihre kompetente Arbeit viel zu wenig zur Schau stellen, aber auch dadurch, dass sie sich viel zu wenig für die Qualitätssteigerung stark machen.
    Tatsächlich setzt das pädagogische Personal bei der Qualitätssteigerung ganz falsch an, denn anstatt sich mit den Gegebenheiten einfach zu arrangieren und das bester daraus zu machen, müssten sie endlich versuchen die Bedingungen, unter denen sie arbeiten müssen, zu ändern.
    Die Qualitätssteigerung in österreichischen Kindergärten wird weiterhin stagnieren solange die Rahmenbedingungen sich nicht ändern. Es braucht radikaler Verbesserungen bezüglich der Anzahl an Kindern in einer Gruppe, der Anzahl an PädagogInnen, der Ausbildung der PädagogInnen und teilweise auch in der räumlich-materiellen Ausstattung.
    Selbstverständlich ist mir klar, dass diese Veränderungen von politischer Seite aus geschehen müssen, aber wenn dort nicht passiert (und das ist leider der Fall), dann müssen die KindergartenpädagogInnen auch einmal den Mut zeigen und gegen diese Missstände protestieren.
    Das beste Beispiel ist die Reformierung der Lehrerausbildung, in der die komplette Kindergartenpädagogik übergangen wurde, weil dieser Bereich noch immer nicht als vollwertige Bildungsanstalt angesehen wird.
    Und solange sich die KindergartenpädagogInnen nicht wehren wird es auch in weiterhin heißen: „Jaja, ihr müsst eh nur ein bisserl basteln und spielen.“

    Ps: Wo haben Sie denn Ihre Ausbildung zum Kindergartenpädagogen gemacht? Würde mich wirklich interessieren, immerhin sieht man Männer in diesem Bereich nicht besonders oft.

    1. „Das beste Beispiel ist die Reformierung der Lehrerausbildung, in der die komplette Kindergartenpädagogik übergangen wurde, weil dieser Bereich noch immer nicht als vollwertige Bildungsanstalt angesehen wird.“ . das ist meines Erachtens eines der Hauptprobleme. Noch immer wird pädagogische Arbeit im Kindergarten oftmals fataler- und fälschlicherweise mit „ein bisschen spielen im Kindergarten und Herumsitzen“ gleichgesetzt. Was es aber keinesfalls ist. Es fehlt im politischen Bereich auch jemand, der sich gezielt dafür einsetzt und kümmert – Rattenfänger vor Wahlen, die ein wenig was versprechen, haben wir in Österreich genug, aber die verändern nichts.

      Und ja, Bakip Graz 🙂 War eine tolle Zeit, vor allem die Ausbildung in Didaktik, Pädagogik und diverse Hortfächer hat es gebracht!

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