Plädoyer für E

Zusammen mit einem Kollegen unternahm ich eine Testfahrt mit dem neuen BMW i3: Ein unbeschreiblich neues Fahrgefühl, futuristische Advancen und in 7,2 Sekunden auf 100 km/h. Und das „nur“ mit Strom.

Disclaimer: Sämtliche Bilder dieses Beitrages wurden von Lucas Kundigraber gemacht. Auf seinem Blog „Lucas über…“ gibt es ebenfalls einen Beitrag zur Testfahrt zu lesen: „VIER STUNDEN ZUKUNFT“.

Montag Früh bei BMW Gady in Liebenau, Graz. Kollege Lucas Kundigraber wartet gespannt am Beifahrersitz, ich sitze vor dem Lenkrad in einem der neuesten Projekte der deutschen Autoindustrie, dem stromgetriebenen BMW i3, und starte den Motor. Bis auf das Summen und Aufleuchten diverser Bedienungselemente verändert sich nichts. Kein startender Antrieb, kein Motorengeräusch. Wir sehen uns an. Und sind beide auf einmal wieder kleine Buben, die staunend vor einem schönen Auto stehen. Bis ich das Automatikgetriebe auf „D“ stelle und wir losfahren.

Auf der Alpentour: Die bullige Schnauze teilt der i3 mit vielen seiner BMW-Brüdern und Schwestern.
© Lucas Kundigraber

Von Liebenau geht es erst mal auf der Alpentour über Mariatrost nach Stattegg. An einem besonders schönen Plätzchen inmitten eisiger Schneelandschaft halten wir für ein erstes Fotoshooting. Es ist still, Vögel zwitschern, unser Atem fährt rauchend aus unseren Mündern, der Schnee dämpft unsere Schritte um das Gefährt herum. Aufgrund des futuristischen Designs sieht der i3 wie ein Gast aus der Zukunft aus. Ich verbessere meine Gedanken: Die Zukunft ist kein Gast. Der BMW i3 ist hier und jetzt vor uns. Und wir testen ihn.


Die Teststrecke – insgesamt fuhren wir um die 80 Kilometer weit. Größere Kartenansicht

Ich bin wahrlich kein BMW-Fan. Auch wenn mir einige Modelle vom Design her gefallen, ist mir die Marke eher unsympathisch. Mit dem i3 ist den Bayern jedoch ein Auto gelungen, dessen Anschaffung ich mir, hätte ich 40.000 Euro (mit diversen Extras steigt der Preis bis zu 50.000 Euro), wirklich überlegen würde. Ist es anfangs noch sehr ungewohnt, ohne diverse Motorengeräusche zu fahren, überzeugt das Gefährt mit guter Kurvenlage, präziser Lenkung und wundervoller Beschleunigung.

Die Jacken ließen wir an. Vor allem wenn wir mit Eco Pro Plus fuhren. © Lucas Kundigraber

Ja, wundervoll. Steigt man ein klein wenig mehr aufs Gas, springt der unter Strom stehende Viertürer angriffslustig nach vorne. Drückt man das Gaspedal durch, dann hat man das Gefühl, gleich abzuheben. Sicher, die grandiose Beschleunigung haben sämtliche E-Fahrzeuge inne, da ihnen von Anfang an die volle Leistung zur Verfügung steht (im Fachchinesischen auch: „der maximale Drehmoment eines Elektromotors wird bei abnehmender Drehzahl immer größer“). Anders als bei anderen E-Fahrzeugen,  beispielsweise von Tesla, verfügt der BMW allerdings über eine automatische Geschwindigkeitsbeschränkung. Und die macht durchaus Sinn.

Am Thalersee. Nein, die Härte des Eises des zugefrorenen Sees führte uns nicht in Versuchung.
© Lucas Kundigraber

Batterien und Reichweite

Lautlos überholen wir auf der Autobahn in Richtung Bruck an der Mur alles, was da kreucht und fleucht: Nur Lada fahren ist schöner. Wer sich allerdings wünscht, auf Deutschlands Straßen unterwegs zu sein, um die 170 PS vollständig auszukosten, braucht sich die Reise zum Nachbarn nicht antun. Bei 150 km/h greift eine automatische Abriegelung ein, welche verhindert, dass die Batterie aufgrund hoher Geschwindigkeit rasch leer wird.

Am Andreas-Hofer-Platz, hier gibt es eine Ladestation der e-Graz.
© Lucas Kundigraber

Bei nicht all zu schnellem Fahren ist bei voll aufgeladener Batterie eine Leistung von bis zu 150 Kilometer Fahrweite drin. Das Aufladen der Lithium-Ionen-Akkus dauert an einer klassischen Stromleitung bis zu acht Stunden. Einfach so Strom im Grazer Stadtgebiet zapfen wäre aber ohne autorisierter Karten nicht möglich, wenn auch der Bezug der Energie an den Ladestationen der Energie Graz bis zum 31. Dezember 2014 noch kostenlos ist.

Beim Einparken – für mich waren die Kameras am Display noch zu ungewohnt, deswegen bediente ich mich einer traditionellen Autofahrmethode: Den Blicken in Rückspiegel und über die Schulter.
© Lucas Kundigraber

Am Display über dem Lenkrad wird nebst Geschwindigkeitsanzeige auch der Batteriestand in Kilometer angegeben. Je mehr Elektronik man im aus carbonfaserverstärkten Kunststoff bestehenden Wagen laufen hat, desto mehr Strom wird verbraucht. Ingesamt kann man aus drei Stufen wählen: Comfort, Eco Pro und Eco Pro Plus. Bei letzterem hat man die höchste Reichweite, dennoch arbeitet beispielsweise dann die Heizung nicht mehr. Und so herrschten teilweise im Auto die gleichen Temperaturen wie draussen, unterbrochen von diversen Scheibengebläse-„Anfällen“.

© Lucas Kundigraber

Und sonst?

Der i3 kann, wie viele andere Modelle auch, intelligent parken. Für uns hieß das, an einer Parklücke vorbeizufahren, anzuhalten, ein Knöpfchen zu drücken, und dann das Lenkrad loszulassen. Der Wagen übernimmt den Rest. War ein wenig gespenstisch, aber das Service des ConnectedDrive bringt’s tatsächlich.

Wie auch schon andere Modelle von BMW kann auch der i3 per App (iRemote, sowohl für Android als auch für Apple iOS) verbunden werden. So ist unter anderem auch am Smartphone ersichtlich, wie viel Batterieleistung das Fahrzeug noch bringt.

Für diese Scherzaktion wurden wir ob unserer „Dummheit“ von Unbekannten ausgelacht.
© Lucas Kundigraber

Einziges wirkliches Manko des Wagens: das Türkonzept. Da eine feste B-Säule nicht existiert, sind die Portale im Fond hinten angeschlagen. Wenn also jemand hinten ein- oder aussteigen möchte, kann er dies erst dann, wenn auch die Vordertür geöffnet wird. Das war nicht nur dann hinderlich, als Lucas, der von der ganzen Testfahrt beeindruckende Fotos schoss, sich von hinten nach vorne setzen wollte.

Überzeugendes Cockpit mit Holzverkleidungen.
© Lucas Kundigraber

Ansonsten ist das Design futuristisch angehaucht – das Cockpit überzeugt mit Holzverkleidungen, bequemer Armlehne und sich in Reichweite befindenden Bedienungselementen. Die äußere Erscheinung lässt den BMW i3 bullig wirken, die Schnauze trotzig und aufmüpfig geschwungen: Mit diesem Auto fährt man eine Aussage, die nicht nur bei Straßenbahn- oder Busfahrern der Holding Graz (die sich auffällig oft an dem Wagen sattsahen und begeistert winkten) ankommt: ein Plädoyer für „E“, ein Zeichen, dass es auch emmissionsfrei geht. Und die Botschaft, dass mit dem BMW i3 ein Fahrzeug geschaffen wurde, dass durchaus den Hang zur Serienreife zeigt – wenn sich am Preis noch etwas ändert. Jetzt freuen wir uns auf den BMW i8 – auch wenn der preislich nochmals in einer anderen Kategorie spielt.

Zum Abschluss am Karmeliterplatz.
© Lucas Kundigraber

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