Pre-election rush

Tamara Arnaut lebt in Balti, sie arbeitet dort als Deutschlehrerin am Gogol-Lyzeum. Für Feuilletonsern.at gewährt sie regelmäßige Einblicke in ein in Europa relativ unbekanntes Land: Moldawien. Das Land bereitet sich im Moment auf parlamentarische Wahlen vor – von den 16 existierenden Parteien wurden nun Kandidaten von der zentralen Wahlkommission bestätigt.

Chisinau, Hauptstadt der Republik Moldau, am 16. Oktober 2014: Das ganze Land wird vom Wahlfieber beherrscht, auch die Hauptstadt. Ein Abgeordneter bringt die heilige Ikone des Sergius von Radonesch, einem in Russland sehr stark verehrten Heiligen und zudem Gründer des Dreifaltigkeitsklosters in Sergijew Possad, zur Kathedrale, vor der sich bereits zahlreiche Menschen befinden. Ein anderer wiederum lädt berühmte russische beziehungsweise ukrainische Promis ein, die auf Openair-Konzerten auftreten.  Sind das Botschaften eines propagierten „Guten Willens“ oder nur „billige“ Werbung? Das mag jeder und jede für sich selbst entscheiden, sind doch die wichtigsten Programmpunkte ein jeder Partei bereits bekannt.

Die wichtigsten Parteien im Kampf um Wählerstimmen

Im Kampf um Wählerstimmen setzen sich Politiker für die direkte Kommunikation mit den BürgerInnen ein. Die Demokraten zum Beispiel gehen auf Tour durch Moldawien, um WählerInnen zu beraten.

Die Liberaldemokraten unterstützen hauptsächlich lokale Landwirte. Ihr Parteivorsitzender, Vlad Filat, besuchte ein Werk, das völlig nach den Standarts der EU fungiert. Die Liberaldemokraten versprechen, alle Sektoren der Wirtschaft in eine bessere Lage als jetzt zu bringen. Die Pläne sind durchaus ehrgeizig, denn bis zum Jahr 2019 sollte die Republik Moldau Vollmitglied der EU werden.

Einen ganz anderen Bereich sprechen die Sozialisten an. Moldova soll der Zollunion beitreten und sämtliche Assoziierungsabkommen mit der EU aufgeben. Ein weiterer Punkt des Wahlprogrammes ist natürlich die Unterstützung der orthodoxen Kirche, wie auch schon eingangs erwähnt.

Form- und Dienstfehler in der Politik

Schon heute sprechen Soziologen von Form- und Dienstfehlern in der moldawischen Politik. Zur Zeit sollen Beamte, die auf  Parteilisten stehen, zurücktreten. Acht Minister, neun stellvertretende Minister und zwei stellvertretende Ministerpräsidenten werden ihr Amt vor dem Abstimmungstag niederlegen. Es stehen also große Veränderungen bevor.

Insgesamt werden mehr als 40 registrierte politische Parteien – laut Justizministerium der Republik Moldau – an den Wahlen teilnehmen. Was bringen aber uns, dem Volk, diese Wahlen? Werden wir dem ukrainischen Beispiel folgen oder unseren eigenen Weg gehen? Auf jeden Fall sind große Veränderungen zu erwarten.

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