Schule. Und so.

oder auch: Gedanken eines Absolventen

Ungefähr ab der dritten Klasse beschäftigt man sich eingehender damit eines Tages die Schule für immer zu verlassen. Die Weichen werden langsam, aber unerbittlich gestellt, das Schreckgespenst Matura rückt immer näher. Ab der vierten Klasse ertappt man sich schon ab und zu dabei, sich Schlussworte zu überlegen, die man dann beim endgültigen Schritt Richtung Freiheit, Studium und Leben ohne Schule laut oder im Kopf von sich geben wird.

Und nach der fünften Klasse steht man dann draußen. Und die Türe geht zu. Die Prüfungen gemeistert, dem Gespenst die Angst genommen, die Matura geschafft, das Abschlusszeugnis in der Tasche, man ist stolz auf den Ausgezeichneten Erfolg, man freut sich auf die Maturareise und ist gespannt auf das, was da kommen möge. Man lächelt auf der Familienfeier, bedankt sich für die Glückwünsche. Fährt auf Maturareise, erlebt einiges, vor allem an Grenzübergängen, liegt auf der faulen Haut, in der Hitze. Feiert mit seinen Freunden und Freundinnen.

Den Status „SchulkollegInnen“ hat man verloren. Man geht schwimmen, lacht. Begrüßt nachts den Mond, begrüßt morgens die Sonne. Feiert Nächte durch, betrinkt sich. Schwört sich mit anderen darauf ein, dass man sich nie aus den Augen verlieren möge. Dass die engen Freundschaften, die man in der Schule geknüpft, niemals aufgelassen werden. Erinnert an lustige Schulstunden, an lustige Lehrer, legendäre Sprüche und Situationen.

Lacht gemeinsam über biologische Experimente, über blödsinnige Aktionen in den Gängen und über Maturastreiche. Schließlich endet die letzte gemeinsame Zeit viel zu schnell. Geht vorüber. Ich verlasse das Land, beginne meinen Zivildienst. Man ist froh und stolz auf sich, die Schule geschafft, gleichzeitig die Matura und eine Ausbildung in der Tasche zu haben. Und doch denkt man so oft an die Schulzeit zurück.

Was einem während der fünf Jahre niemals in den Sinn kommt, wird dennoch wahr – man vermisst manchmal die Schule. Sehnt sich nach Schulstunden, nach alltäglichen Ritualen, die man während dieser Zeit gefestigt hat. Manchmal vermisst man sogar Mathematik. Sicher gibt es Ausnahmen. Sicher denken viele nicht so, vermissen viele nicht, viele hatten keine schöne Zeit, sind heilfroh dieser Ausbildungsstätte entkommen zu sein.

Und doch. Gleich bei meinem ersten Heimaturlaub kehre ich in die Schule zurück. Besuche Freunde und Freundinnen aus unteren Klassen. Besuche Lehrer und Lehrerinnen, die zum Teil ebenfalls zu Freunden geworden sind. Erinnere mich, manchmal gar mit Gänsehaut, an Ereignisse, schmunzle und lächle dabei, begebe mich auf Zeitreisen.

Ich möchte die Zeit nicht missen, würde nie tauschen wollen. Auch wenn es sehr oft anstrengend war, freizeitraubend, ermüdend, war es doch noch öfter lustig, lehrreich und schön. So eine wunderbare Klasse wie ich sie hatte wird es vielleicht nie mehr geben, und dennoch – die Schulzeit lebt in uns weiter, in Erinnerungen, Gesprächen und Gedanken. Und ich bin mir sicher, auch bei meinem nächsten Heimatbesuch wieder vorbei zu schauen, immer und immer wieder, nicht loszulassen.

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