SONGCONGFRETT – Wir bauen Zelte, nicht Brücken

Heute am Abend ist es endlich vorbei. Die seit Tagen andauernde nationale Selbstbeweihräucherung im Staatsfunk, die vor Stolz triefenden „Es ist so super!“-Interviews mit SängerInnen, JournalistInnen aus aller Welt und denjenigen ÖsterreicherInnen, die einer göttlichen Fügung gleich sogar schon der Generalprobe des Songcontest beiwohnen durften – all das wird spätestens um Mitternacht dem Vergessen anheim fallen. Und das ist gut so.

Dass Österreich heute am Abend in Glanz und Glorie in die Welt hinausposaunt, es würde Brücken bauen wollen, ist ein den Menschenrechten Hohn sprechendes Signal, das verlogener nicht sein könnte. Denn tatsächlich bauen wir seit Tagen massenweise Zelte.

Auf der einen Seite, heute, 23. Mai 2015, irgendwo in Österreich:

Ein Jahr Vorbereitungszeit, Millionenausgaben für eine wenige Stunden dauernde Veranstaltung für tausende wohlsituierte Menschen in einem Raum, der kaum kostspieliger und glamouröser in Szene gesetzt werden hätte können.

Auf vielen anderen Seiten, heute, 23. Mai 2015, irgendwo in Österreich:

Wenigstens eine Legislaturperiode Vorbereitungszeit für hastig errichtete Zeltlager in einem der reichsten Länder dieser Welt für Menschen, die gerade eben unter Lebensgefahr ihre nackte Existenz retten konnten.

Bei aller Sympathie für ihr Grundanliegen und in Anerkennung ihrer Verdienste im Bemühen um Toleranz erachte ich im übrigen eine Wurst, der die am Rand unserer österreichischen Gesellschaft stehenden Menschen so offensichtlich wurscht sind, für geradezu unverdaulich. Man und frau sollte meinen, dass Prominenz auch Verantwortung mit sich bringt. Aber der Aufstieg kommt bekanntlich vor dem Fall in diejenige Asche, welche sich heute am Abend eigentlich viele über ihr Haupt streuen sollten. Ich tue es in jedem Fall.

Denjenigen, die heute Abend in Österreich in schlecht beheizten Zelten sitzen und mit ihren teuren Smartphones anrufen, um ihrer neuen Heimat Österreich in tiefster Dankbarkeit zu Punkten zu verhelfen, sei ein recht vergnüglicher Songcontest gewünscht. Vor allem aber die Kraft des Phönix.

Autriche – zero points!

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