„Springer? Nur in demokratischen Ländern“

Gemeinsam mit KollegInnen des JPR-Studiums besuchte ich Berlin, um an wichtigen Orten journalistischer Innovation zu recherchieren. Der erste Tag führte uns zum Axel Springer Verlag – von „unschlagbar“ guten Zahlen, demokratischen Ländern und nordkoreanischen Entwicklungsdialogen.

Im Foyer des Axel Springer Verlages gibt es zwei Sorten von Äpfel. Die einen kann man essen, die anderen bedienen. Doch neben den MacBooks liegen auch Printprodukte auf. Noch immer. Obwohl Springer den ehrgeizigen Plan verfolgt, „führender digitaler Verlag“ zu werden, und man meinen könnte, dass sie Print ja eigentlich nicht mehr brauchen.

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Das Axel-Springer-Verlaghaus.

Stimmt nicht ganz, klärt uns PR-Mitarbeiterin Christina Müller auf. Sie begleitet uns heute während der Führung und versprüht mehr als nur gute Laune. Die Bild-Zeitung behält man sich, weil sie eben eine „cashcow“ sei. Nach Sicherheitskontrollen wie am Flughafen und einem streng dreinblickenden Security, der barsch Foto schießen im Foyer verbot, waren wir im Herz des Verlagsriesen: 2013 machte er fast 3 Millionen Euro Gewinn und hielt bei 12.843 MitarbeiterInnen. Springer führte Bezahlmodelle bei Welt Online und Bild ein, verkaufte einige Objekte an die Funke-Gruppe und sicherte sich den Nachrichtensender N24. „Wir versuchen, Mehrwerte zu generieren“, meint Müller. Und dabei ist man sichtlich zufrieden mit den Online-Abos, allein die Welt hält bei knapp 50.000 Abonnementen.

Springer will noch internationaler werden. Aber nur in Ländern, die demokratisch regiert werden – in Staaten wie „China“ nicht. Dabei greift eine umfassende Konzernsegmentierung: neben Bezahlangeboten (Bild) und Vermarktungsangeboten (idealo.de) setzt man auch auf Rubrikenangeboten (immoweb.be). „Unser Ziel ist es, der führende digitale Verlag zu werden“, meint Müller. Welches Segment den meisten Umsatz abwirft, weiß sie konkret nicht. „Die Rubriken gehen aber sicher gut.“

 

„Journalismus ist immer das Thema, das uns antreiben wird“

Springer basiert auf vier Säulen: auf dem IT-Bereich, einem kaufmännischen Bereich, einem Start-Up Bereich und dem Journalismus-Bereich. Müller erklärt, dass Axel Springer als Holding fungiert: „Wir sind eine große Familie unter einem Dach“. Eine Familie, die zusammenhält, bei der aber jede einzelne Tochter für sich rentabel sein soll. Die Zahlen geben da Springer wieder Recht – allein von 2008 bis 2013 erhöhte man den Umsatz von 14% auf 47%, auch die Werbeerlöse stieg von 22% auf 70%. Das Durchschnittsalter der MitarbeiterInnen? Liegt bei cirka 35 Jahren. „Wir wissen um die verschiedenen Charaktere“, sagt Müller geflissentlich, „Jeder soll sein, wie er ist.“ Aber eben auch irgendwie gemeinsam.

Gestärkt wird der Zusammenhalt von Seminaren und Fortbildungen, während der Arbeitszeit. Dabei gibt es auch den sogenannten Entwicklungsdialog, ein „180 Grad Feedback mit Kritik und Selbstkritik“. Klingt nicht nur nach Nordkorea, ist auch ein wenig so, wie Müller auf Nachfrage bekannt gibt. „Aber per se nicht negativ“, schiebt sie schnell nach. Ist ja schließlich alles eitel Wonne bei Springer. Später muss sie los, es wartet eine Messe in der Hansestadt auf sie. Wir gehen weiter. Alles eitel Wonne.

 

Zum Text der Kollegen Eder und Matzinger über den Besuch bei Springer: „9000 Schüsse

Zu einem Bericht über den Tag von Kollegin Kienzl: „Springers heilige Hallen

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