Stampf, Roar, Kabumm

Im Wonnemonat Mai wird zumindest auf den Leinwänden in den Kinos nicht alles Eitel Wonne sein. Statt um den Maibaum zu tanzen wird vor Panik geschrien und geflüchtet. Aber aus welchen Gründen? Aus solchen, die mehr als 100 Meter groß sind: Godzilla gibt sein Comeback.

Gojira, ein Kunstwort aus dem Japanischen für Gorilla und Wal, ist alles andere als neu. Dafür aber relativ zeitlos: 1954 trampelte der König der Monster Tokio nieder, als Allegorie auf das japanische Atombomben-Trauma. Es folgten über 20 weitere Filme mit diversen Monstern, die Godzilla entweder beistanden oder dem Gorilla-Wal als Feind entgegen knurrten.

Rein zoologisch betrachtet will Godzilla eigentlich nur sein Revier markieren und seine Alpha-Stellung zeigen – die Menschen waren und sind ihm komplett einerlei. Rein dramaturgisch betrachtet wandelte sich Godzilla im Laufe der Jahre vom wütenden, atomaren Monster zum freundlichen Beschützer Japans vor anderen Monstern, egal ob von Menschenhand erschaffen oder von Aliens auf die Erde importiert.

Monster über Monster

Dem Fantasie-Reichtum dieser Monster waren dabei keine Grenzen gesetzt. Es gibt welche, die sind extrem kultig, wie etwa der schnabelartige Zyklop Gigan, der Laserstrahlen aus seinem Auge schießt, eine Kreissäge im Bauch hat und dessen Arme aus scharfen Hacken bestehen.  So kann er höchstens bis zwei zählen, bleibt aber dennoch extrem kultig. Oder Rodan, ein gigantischer Flugsaurier, zuerst Feind, später dann Verbündeter von Godzilla. Oder King Gidorah, ein dreiköpfiger Flugdrache mit der Fähigkeit, elektronische Ladungen als Waffe einzusetzen.

King Gidorah ist quasi der Lex Luthor bzw. der Joker des Godzilla-Universums: ein Erzfeind von Godzilla. Er durfte bereits in sieben verschiedenen Filmen gegen Godzilla kämpfen. Bei solch einer Vielfalt von feindlichen Wesen gibt es aber natürlich auch welche, die extrem lächerlich dastehen. Gabara zum Beispiel: Ein blauer Gorilla mit Katzengesicht. Oder Varan, eine Riesenechse, die dieselben Fähigkeiten wie ein Flughörnchen hat.

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Der amerikanische Godzilla – von Japan verpönt

1998 wagte Hollywood eine eigene Version, zuvor ist es aufgrund der Rechte von Toho, den Machern von Godzilla, nicht möglich gewesen. Regisseur Roland Emmerich erschuf einen eigenen Godzilla, der mehr ein aufrecht gehender, schlanker Riesen-Leguan als eine dickbeinige, proportional ungleiche Echse war. Anders als das japanische Original kann das amerikanische Pendant keinen radioaktiven Strahl abgeben – die wohl gravierendste Änderung. Man will es ja den amerikanischen Streitkräften nicht zu schwer machen.

Die Kritik am Endprodukt war groß, kommerziell aber war der Film alles andere als ein Flop. Die Toho-Studios zeigten sich jedoch  sehr empört, welches Monster da als Godzilla entworfen wurde und entzogen Emmerich die Rechte am Namen – von da an war der 98er-Godzilla als Zilla bekannt, in Japan als Gino („Godzilla In Name Only“).

Zilla VS Godzilla

Im westlichen Raum wurde es also ruhig um den König der Monster, in Japan hingegen erlebte dieser ein Revival. Eine neue Fimreihe, die sogenannte Millenium-Staffel, machte die Runde und jährlich wurde bis 2004 je ein Film veröffentlicht. Im letzten, Godzilla: Final Wars, bekam Zilla einen Auftritt als Gegner von Godzilla. Da das Ami-Monster aber keine besondere Fähigkeiten hat, wurde es schnell vom Original beseitigt – auf dem Opern-Haus von Sydney und nicht in New York (die „Fuck You“-Message wäre dann wohl zu offensichtlich). Godzilla: Final Wars war aber auch eine Art Geburtstag-Feier: Godzilla feierte sein 50jähriges Bestehen und Toho kündigte an, für 10 Jahre, bis 2014, keine Godzilla-Filme mehr zu machen. Die größte aller Echsen ruhte in den Tiefen des Ozeans. Fürs Erste.

Die ersten Gerüchte für seine Rückkehr kamen aber bereits 2009 – nicht in Japan, dafür wieder mal in Amerika. Legendary Pictures, bekannt für Produktionen von Comicverfilmungen wie 300, die Batman-Trilogie und Watchmen, aber auch andere Monsterfilme wie Pacific Rim und Wrath of the Titans, konnte mit Toho die Rechte aushandeln. Man orientierte sich wieder mehr ans Original als an Emmerich und Godzilla sollte zumindest gegen einen oder zwei andere Monster kämpfen. Guillermo Del Toro war (wieder einmal) zuerst als Regisseur im Gespräch. Solch ein Name war Garant für ein exzellentes Design des Ungewöhnlichen – man denke nur an sein Meisterwerk Pan’s Labyrinth oder die Hellboy-Verfilmungen. Aber gleichzeitig befürchteten viele, dass die Widersacher Godzillas auf Monstern von Pacific Rim basieren könnten. Am Ende wurde Gareth Edwards als Regisseur bekannt gegeben, ein relativ unbekannter Mann, der aber mit seinem Film Monsters für ein großes Echo sorgte.

(c) Micka Messino

Rückkehr Godzillas – größer, origineller, tödlicher

Was können wir also vom kommenden Film und somit der Rückkehr der Riesenechse nach zehnjähriger Abstinenz erwarten? Toho gab Legendary Pictures die Rechte unter folgenden Bedingungen: Godzilla muss durch nukleare Bedingungen entstehen, die Handlung muss in Japan spielen. Godzilla orientiert sich wieder mehr ans Original, das ist schon mal positiv. Und anders als der Original-Godzilla wird der Neue viel größer sein, um die 100-Meter – zum Vergleich: 1954 war Godzilla noch um die 50 Meter groß.

Die Gerüchte um die Gegner von Godzilla schwirren im wahrsten Sinne des Wortes bereits im Netz herum: Es sind angeblich mehrere kleinere Monster, die fliegen können und zahlreiche Gliedmaßen haben. Es gab bereits in einer japanischen Produktion eine solche Art von Monster. 1995 kam der Film Godzilla gegen Destoroyah heraus. Auch Destroyah oder Destroyer genannt, war dieses Viech ein Urzeitmonster, das zuerst in Form von Urzeitkrebsen in Erscheinung trat. Im Laufe des Filmes verschmolzen die Urzeitkrebse immer mehr zu einen größeren Monster, bis es sich als Destoroyah in seiner finalen Form zeigte. Dieses Monster war so ziemlich der brutalste Widersacher, den Godzilla erleben müsste, schließlich war es in der Lage, seinen Sohn, Godzilla Junior, zu töten!

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Godzillas Gegner

Doch eine Rückkehr Destoroyah’s im 2014er-Film ist auszuschließen – dafür müsste sich Legendary Pictures bei Toho abermals um die Rechte bemühen. Also müsste es schon ein komplett neues Monster sein – die Latte liegt aber dafür meiner Meinung nach sehr hoch. Gerade die zweite japanische Film-Staffel, die „Heisei-Staffel“, sticht explizit durch „neue“ Monster hervor, die aber stets einmal vorkommen: Neben Destoroyah möchte ich hier auch die genetisch erschaffene Mörderrose Biollante erwähnen, der maßtechnisch größte Gegner, den Godzilla je hatte.

Das neue Monster – oder auch die neuen Monster – können sich meiner Meinung nach gerne an Destoroyah oder Biollante orientieren. Genauso wie Godzilla selbst, wie schon erwähnt, eine Allegorie auf die Folgen nuklearer Nutzung ist, kann ein Monster nach Vorbild der beiden erwähnten Gegner eine Allegorie auf die Folgen der Gentechnik sein – erst recht mit Folgen für Natur und Kultur. Auch ein Monster von Typ Hedorah wäre eine wunderbare, zeitgemäße Allegorie, schließlich entstand Hedorah durch die Folgen von Umweltverschmutzung und atomaren Müll. Aber egal welche Allegorien wir im Mai auf den Leinwänden erleben, den Menschen wird es so oder so schlecht ergehen. Und wir schauen mit des inneren Kindes Wonne zu.

Der Autor

Micka Messino ist alles andere als ein Autor. Der selbstständige Grafikdesigner, dessen Werke man unter MickaMessino.com begutachten kann, schrieb trotzdem einen Beitrag für Feuilletonsern.at – ein Artikel über eine Echse, die ihn als Kind begeisterte. Und immer noch begeistert. Roar.

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