Stronach ist tot

Stronach ist tot. Einem (anscheinend rar) verbreiteten Brauch in Österreich – dem „Märzenkaibl„, ähnlich dem 1. April – ging ich heute auf dem Leim. Doch was, wenn der Politiker demnächst wirklich stirbt?

Schlaftrunken polterte ich in die Küche, wo meine Mutter Zeitung las. „Stronach ist tot“, teilte sie mir mit. Welch ein Schock für einen Journalismus-Studenten, der jederzeit up-to-date sein muss. Da scheine ich wohl wirklich was verpasst zu haben. Wann starb er? Wie? War es in der Nacht? Dann wäre es zu entschuldigen, denn da hätte ich noch geschlafen. Panisch dachte ich an sämtliche Nachrichtenseiten im Netz, die ich schnellstens konsumieren müsste. Ebenfalls notwendig wäre ein guter, geistreicher Tweet auf Twitter, was würde ich schreiben, meinen Followern mitteilen?

Dann die Erlösung, lachend wurde mir das Märzenkalb ins Gesicht geschrieben. Stronach ist also noch nicht tot, palavert weiterhin, geht auf Stimmenfang in Österreich. Doch was, wenn der alte Mann demnächst wirklich stirbt?

„Mach mit. Gemeinsam verändern wir Österreich“ – makaber, wenn Stronach dann nicht mehr unter uns weilt.

Stronach stirbt, Herzversagen, bei der letzten Pressekonferenz in Niederösterreich, während die ersten Wähler und Wählerinnen ihre Stimmen abgeben. Ein letztes „Noch amoi“, da sinkt sein Kopf auf die Brust, schließt er für immer die Augen. Seine vielen jugendlichen Anhänger schreien entsetzt auf, zahlreiche Pensionisten greifen sich jammernd an den Kopf.

Frank war der Star unter den Jugendlichen.
Frank war der Star unter den Jugendlichen

Nebst einer Flut von wahnwitzigen Nachrufen, Meldungen und kritischen Stimmen in der Pressewelt würde die Todesnachricht des Herren Strohsack Verwirrung und Chaos auslösen. Das Team Stronach ohne seinen weißhaarigen Kapitän? Undenkbar. Oder welcher Wähler, der den alten Herren aufgrund seiner wunderbaren Rhetorik, seiner netten Art mit Journalisten umzugehen und seinem jugendlichen Elan wählen will, würde denn unbekannte Marionetten wie Lugar, Köfer, Prokop oder Hagen wählen?

Die Wahrheit – Stronach ist tot. Die Transparenz – beim Sarg. Die Fairness – sämtliche Bürger aus allen Schichten dürfen zum Begräbnis

Natürlich ist Stronach nicht tot. Mag es auch aufgrund seiner Vitalität und -zumindest körperlichen- Fitheit sehr unwahrscheinlich erscheinen, dass der 81-Jährige bald zum letzten Mal an Lösungen für Österreich arbeitet, wird die Gallionsfigur dieser Partei dennoch irgendwann sterben. Und ob die zahlreichen Anhänger und Wähler dann immer noch das Werk des Austrokanadiers ohne Austrokanadier wählen werden, sei dahingestellt. (M.T., 1. März 2013)

0 Antworten auf “Stronach ist tot

  1. Das war mein erster Gedanke, als er verkündet hat sich selbst in die Schlachten zu werfen. Letztendlich wird diese „Partei“ etwa so schnell zerfallen, wie das BZÖ nach Haiders Tod oder das reich Alexanders des großen nach dessen Tod. In dieser Hinsicht sehe ich diese ganze Stronach-Causa auch sehr gelassen.
    Kurzfristig ist er ein Schreckgespenst, dass 1. die hiesige Politik dazu drängt gute Arbeit zu machen, um nicht noch mehr Wähler zu verlieren und 2. Entertainment und Abwechslung in die politik bringt, was auch höchst politikverdrossene wieder auf den Plan rufen kann.
    Langfristig wird das ganze eine Randnotiz in der Historie bleiben, wie es leider das Liberale Forum und zum Glück das BZÖ ist.

    Prognostizierend,
    Ihr Matthias Strohmeier

  2. das team stronach ohne „ihren“ kapitän? undewnkbar! klar, denn es sollte wohl „seinen“ heißen, was ein angehender journalist wohl wissen müsste

  3. Was sollte sich ändern? Ist ja nicht so, als ob da ein großes Konzept ausgearbeitet ist, dass ohne den Stronach nicht möglich wäre.

    Aber amüsant ist er schon, der Fränk. Sofern er nicht zu viel Schaden anrichtet, darf er ruhig bleiben.

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