Suchende Massen finden

Im Rahmen der Veranstaltung Steirischer Herbst 2013 nahm ich an einem Theaterkritik-Workshop mit anschließenden Besuch eines Theaterstückes teil. „Las Multitudes“ war ein Stück über die unendliche Suche und Sehnsucht nach Liebe.

Die Lichtkegel der Taschenlampen wandern über die Gesichter der Darsteller, ein Dutzend junger Mädchen steht einem Dutzend junger Männer gegenüber. Sie alle sind auf der Suche nach jenen, in die sie verliebt sind, und verliebt ist jede Generation im Stück „Las Multitudes“ des argentinischen Autors Federico León.

Von Kleinkindern, Teenagern, Jugendlichen bishin zu Erwachsenen und älteren Menschen, sie alle betreten die Bühne in der Helmut-List-Halle, laufen hinterher und suchen ständig,  einander ständig verlierend.

Das Stück, dessen Geschichte von insgesamt 120 Schauspielern wiedergegeben wird, erzählt in spanischer Sprache nicht nur die Geschichte eines jungen Mannes, der nach seinem auserkorenen Mädchen sucht.

Las Multitudes“, zu deutsch „Die Massen“, zeigt einfühlsam alte, stilvoll gekleidete Männer. Sie überzeugen mit Charme und Witz, verzweifeln dennoch ob ihrer vergeblichen Liebesmüh.

Sie lassen Köpfe hängen, wenn es um ihre (ebenfalls alten) Frauen geht, die nichts mehr mit ihnen zu tun haben wollen, und sparen dennoch nicht an Kommentaren und Ratschlägen für Jugendliche, die stets auf der Suche nach „ihren“ Mädchen sind.

Zurück bleiben die Alten. Und die Teenager.

Bei einem Fest treffen sich sämtliche Generationen. Viele versuchen, alte Konstellationen wieder herzustellen, alte Beziehungen wieder zu erneuern. Sie alle stimmen gemeinsam in die Zeilen „Wenn ich dich suchte, verlor ich dich“ mit ein. Schließlich endet es in einem Fiasko – nach einem Seilziehen zwischen Teenagern und Jugendlichen scheitert der Versuch der Vermittlung zwischen den Liebespaaren, trennen sich sämtliche Teilnehmer und verlassen die Festlichkeit.

Zurück bleiben die Alten, die sich darüber wundern, was sie falsch gemacht haben, und die Teenager, die nun bereit sind, für ihre Liebschaft alles zu unternehmen.  Die Frauen jeder Generation hingegen finden sich wieder und bilden Kreise, verstärken in Trance ihre Verbindung und den Zusammenhalt.

Anders als propagiert wird nach intensiver Suche doch gefunden. Teenager schließen ihre Erwählten in den Arm, die Alten erfreuen sich am Wiedererblühen ihrer innigen Beziehungen. Mit lautem Getöse und massiven Nebeleinsatz feiert man schlussendlich eine Party, während die letzten Taschenlampenstrahlen die Versöhnung der Paare, leidenschaftliche Küsse zwischen Alt und Alt, innige Umarmungen zwischen Jung und Jung zeigen.

Nachdem der Nebel auch den letzten der Akteure verschluckt, tritt eine Figur, keiner Gruppe zugehörig, aus dem Nebel heraus. Er tanzt schweigend vor dem Publikum, vermittelt ihnen eine allerletzte Botschaft. Der Applaus setzt sofort nach Erlischen des Bühnenlichtes ein.

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