Tant‘ Hanni

„Hör auf jetzt, hast einen Knall!“ Die beiden Frauen sitzen nebeneinander, ihnen gegenüber ein Bub mit Hasenzähnen, der quietschend lacht und die beiden anfeuert. „Hör auf, in der Öffentlichkeit, als meine Schwester“, jammert die eine erneut, während die andere sie am Genick packt.

„Hat die Tant‘ Hanni jetzt Handyverbot?“, quietscht der Kleine und schiebt sich die Brille auf die rotzende Nase. „Das weiß ich noch nicht, Kevin“, sagt die andere Frau, die nun Hanni in den Schwitzkasten nimmt und ihr die Kapuze ihrer Weste über die Ohren zieht.

Kevin quietscht erneut vor Vergnügen, er entreißt seiner Tante die Jacke und heult dabei triumphierend, jetzt hat er die auch noch, wieder zischt seine Mama irgendetwas, und Hanni jammert erneut. „Bitte hör auf, nicht in der Öffentlichkeit, ich wollte nur einen Kaffee!“ „Kannst Du der Tante Hanni das Handy wegnehmen?“, brüllt nun Kevin, und lässt danach den Atem geräuschvoll zwischen der Zahnlücke seiner Vorderzähne ausdringen, „Dann hab‘ nämlich ich es auch noch!“ „Nein“, meint seine Mama. Sie lässt ihre Schwester los und kramt in der Handtasche.

Ihre Hände, die silbernen Ringe an ihren Fingern klackern, bringen ein Mobiltelefon zum Vorschein. „Ich rufe zur Strafe jetzt an“, lässt sie triumphierend ihre Schwester wissen, wählt eine Nummer und hält sich das Handy ans Ohr. Tante Hanni beginnt erneut zu jammern, Kevin lacht und lässt eine Art Wolfsgeheule los.

Sie stehen auf, Kevin schmeißt seiner Tante die Jacke ins Gesicht, diese nimmt das ohne weiteres zur Kenntnis. Frau Mama wählt erneut zur Strafe eine Nummer, die Türen gehen auf. „Dorthin müss‘ ma'“, sagt die Tante Hanni, das Trio zuckelt in Richtung Rolltreppe davon, verliert sich in der Menge am U-Bahnsteig am Westbahnhof in Wien.

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