Taxi Drivers

Einige von uns fahren oft mit ihnen. Andere leisten sich den Luxus nur zu heiligen Zeiten. Manche von uns schweigen betreten, andere wiederum suchen das Gespräch: Mit Taxifahrern. Was erzählen diese Menschen, die Nächte und Tage hinter dem Steuer verbringen, freiheitsliebend dahinbrausen und uns sicher nach Hause kutschieren?

Ferdl war früher am Bau. Heute fährt er Taxi.

Ferdl kommt immer verlässlich. Sein Genuschel am Handy ist zwar kaum zu verstehen, dennoch trifft er pünktlich ein. Dass er hinter dem Steuer aufgrund seines Körperumfanges Platz findet, ist jedes Mal aufs Neue erstaunlich. Dass er das auch immer, gleich nach dem Einsteigen, anspricht, ebenfalls. „Früher war ich anders. Da war ich am Bau. Kannst‘ dir nicht vorstellen, was wir dort alles gebaut und gemacht haben.“ Nach einer Aufzählung von zahlreichen Häuser- und Straßenbauten kommt es immer zum Unfall. Das Ereignis, das alles veränderte. Ferdl stürzte von einem Gerüst in die Tiefe. Bricht sich das Becken, den Fuß. Kommt ob der Höhe eigentlich gimpflich davon. „Hätt‘ ich sterben können auch.“ Er macht Reha, geht zu zahlreichen Ärzten, lernt neu zu gehen, wie er meint. Die Frau rennt ihm davon, den Sohn sieht er nur mehr selten. Jetzt sitzt er im Taxi und fährt. Und kommt immer verlässlich.

Ahmad floh vor dem Militär. Heute fährt er Taxi.

Ahmad kommt aus dem Iran. Seine Augen blitzen munter umher, aufmerksam betrachtet er den zähen Verkehr vor sich. Wir stehen im Stau. Ausreichend Zeit also, um Fragen zu stellen. Er erzählt gern. Ahmad hat in Wien studiert, etwas technisches. „Dann habe ich meine Frau kennengelernt. Wissen’s eh, wie das ist.“ Sein Dialekt ist anfangs schwer zuordbar. Warum er denn vom Iran nach Österreich kam? „Zum Studieren.“ Und weil er damit dem Militärdienst entkam. „So macht man das nämlich bei uns. Die holen dich, du musst ja hin zum Militär, ist ja eine Diktatur. Wenn du aber bei einer ausländischen Universität einen Fixplatz hast, dann brauchst‘ nicht hingehen. Nur Geld musst du zahlen.“ Ahmad blieb dann auch in Österreich. Viele seiner Freunde aus der Jugendzeit hatten nicht so ein Glück. „Einige starben im Krieg. Furchtbar, wissen’s. Einfach furchtbar.“

© Lucas Kundigraber
© Lucas Kundigraber

Harald sammelt Autos. Und fährt Taxi.

Harald, ein kleiner, schmächtiger Mann, hat einen buschigen Schnauzer. Wie es ihm geht, frage ich. „Gut soweit. Nur manchmal schlecht, ich schlafe nicht mehr so gut wie früher.“ Weil er so früh aufsteht, wegen seinem Job. Was er denn am Taxifahren so schätzt? „Die Freiheit.“ Und was macht er, wenn er nicht Taxi fährt? „Dann sammle ich Autos. Nur Alfa Romeos.“ Er deutet auf die Beifahrer-Seite, wo ein Alfa Romeo Logo prangt. Er hat wahnsinnig viele Fahrzeuge. Seltene Raritäten. Sammlerstücke. Eines von einer Kollektion, die nie in Serie ging, von dem es nur 200 Fahrzeuge gibt. „Ist wie eine Sucht. Wie das Rauchen und der Alkohol.“ Er lacht mich an. Es ist ein ehrliches, nettes Lachen, Harald ist eben mit Herz und Seele Sammler. Sein Schnauzer zittert ein wenig, als er mir die Hand schüttelt. Und sich für das Gespräch bedankt.

© Lucas Kundigraber
© Lucas Kundigraber

Malik kommt aus Ägypten. Er fährt Taxi.

Malik kommt aus Kairo, Ägypten. Das neue Jahr ist erst eine Stunde jung, als er mich nach Hause bringt. „Wie gefiel es Ihnen denn in Ägypten?“ „Gut“, gibt Malik wortkarg zurück. Er sieht gestresst aus, hat sicher schon zahlreiche Fahrten hinter sich. Ich frage weiter. „Warum sind Sie denn hier hergekommen?“ Malik dreht das Autoradio auf. Sehr laute Musik tönt nun durch das Auto. Er blickt konzentriert auf die Straße. Ich war dann sehr schnell bei mir zu Hause.

Anmerkung: Die vorliegenden Geschichten wurden vom Autor im Umfang von zirka acht Jahren gesammelt. Die Namen der Taxifahrer wurden geändert.

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