Unser Gott marschiert voran

Unser Kommen glich zwar nicht dem Strahlen morgendlicher Sonnenpracht, dennoch gab es letzteres im Übermaß;  während meines Urlaubes in Podgora. Dass ich einige lustige Momente erleben durfte war irgendwie vorprogrammiert. Von Schwüren, romantischen Bänken und einem Kampflied des amerikanischen Bürgerkrieges: Ein Urlaubsbericht.

Vortrefflich abstruse Schwüre fand ich schon immer äußerst amüsant. Als nun ein gemeinsamer einwöchiger Urlaub mit meinem Bro Lucas K. anstand besiegelten wir einen solchen per Handschlag: Sollte einer von uns auf der Reise oder während dem Urlaub ums Leben kommen, musste der andere die Leiche des Freundes unbemerkt zurück nach Österreich schmuggeln. Die Transportkosten einer Leiche in das Heimatland sind nämlich schweineteuer. Nach dem Schwur ging es mir merklich besser, und die Reise nach Podgora in Kroatien, die ungefähr 15 Stunden (mit Wartezeiten) in Anspruch nahm, konnte beginnen.

Angekommen in Zagreb forderte die darauffolgende fünfstündige Warterei auf den Anschlussbus nach Makarska einen ersten Tribut. Angespornt von einigen ersten Karlovačko pivo begannen wir, mein mitgenommenes Miniaturwörterbuch nach lustigen kroatischen Wörtern zu durchsuchen. Besonderen Gefallen fanden wir an proljev und wurden nicht müde, das hübsche Wörtchen prustend wie kleine Kinder zu wiederholen. So wurden wir nicht nur von einer Schar Matronen, die offensichtlich zum Marienwallfahrtsort Međugorje pilgerte, scheel angeblickt.

In Makarska, der zweiten Zwischenstation unserer Hinreise, humpelten, als wir auf den nächsten Bus nach Podgora warteten, kleine buckelige Mütterchen daher, uralt, in Schwarz gekleidet, keifend. Nebst soba verstanden wir auch apartman und kamen zum Schluss, dass hierzulande die Beschäftigung von Großmütterchen von Appartment-BesitzerInnen darin bestand, den ganzen Tag auf unterkunftslose Touristen zu warten.

Die Sicht vom Romantik-Bankerl aus.

Urlaubstage in Podgora

Angekommen in Podgora passierte uns bereits der erste Fauxpass. Wir setzten uns offensichtlich auf die Bank mit dem romantischsten Ausblick im ganzen Ort. Zweifelsohne, der Ausblick auf Podgora war wahrlich schön. Dass aber im Minutentakt dann Pärchen (sowohl alt als jung) heranschlurften, mit böser oder enttäuschter Miene sahen, dass zwei müde Studenten darauf saßen und dann schimpfend weitergingen, war bemerkenswert. Ein Mann wurde sogar mehrmals von seiner Frau zu uns gesendet, um nachzusehen, ob wir schon weg sind. Den Gefallen taten wir ihnen allerdings nicht.

Nach dem ersten Sonnenbaden holten wir uns auch schon den ersten Brand. Zitternd lasen wir die Warnhinweise auf der Sonnenmilch, die besagten, dass unsere DNS nun bleibende Schäden haben wird, nur wie sich das auswirkte, konnten wir nicht eruieren.
Nach dem ersten Sonnenbaden holten wir uns auch schon den ersten Brand. Zitternd lasen wir die Warnhinweise auf der Sonnenmilch, die besagten, dass unsere DNS nun bleibende Schäden haben wird, nur wie sich das auswirkeln soll konnten wir nicht eruieren.

Das Strandpublikum glich dem Urlaubspublikum im Ort – entweder Pensionisten, Pärchen oder Familien mit Kindern. Kinder gab es sowieso sehr viele, keines war aber so lustig (und zugleich seltsam) wie jenes mit roten Haaren, etwas pausbäckig, immer mit einem gelben Shirt bekleidet im Wasser. Sein größtes Hobby war es wohl offensichtlich, Steine aus dem Meer mit dem Mund aufzutauchen, darauf herumzukauen und sie wieder auszuspucken. Ab und zu sprühte er gar Steine am Strand mit Sonnenmilch an, für den Fall. Da er allerdings für sein Alter ziemlich viele Sprachen konnte – dies Talent stellte er mehrmals brabbelnd im Foyer des Hotels zum Beweis – mutmaßten wir, er sei Autist.

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Wochenhighlight Essen

Das Essen im Hotel sei noch erwähnt. Jeden Tag, pünktlich um 19:00 Uhr, öffnete der Speisesaal seine Pforten. Die PensionistInnen im Hotel waren jedoch jeden Tag mindestens eine halbe Stunde früher da. Hungrig vor den Türen lauernd, sich untereinander um die besten Plätze bekriegend wurden sie wohl von der Sorge getrieben, nichts vom Essen zu erhalten. Und das, obwohl es reichlich gab.

Dafür sorgten zwei Köche – ein junger, netter Mann mit dunkler Warze auf der Stirn und ein griesgrämiger, rüpelhafter älterer Koch. Ohne ihn zu grüßen gab es kein Essen. Menschen, die gleich ihr Essen einforderten, forderte er mit einem gebellten Dobra večer zurück auf, ihn doch zu grüßen. Gäste, die das nicht kapierten, wurden von ihm entweder zum Schluss der Reihe zurückkommandiert oder schlichtweg ignoriert. Ich fand ihn super. Nur die lange Schlange beim jungen Koch, die dadurch enstand, dass sonst kein Hotelgast zum älteren Koch wollte, war etwas lästig, obwohl ich die Schlange oftmals nutzen konnte, einem ganz zufällig entdeckten Hobby von mir nachzugehen – österreichischen MiturlauberInnen zuzuflüstern, dass Michael Spindelegger zurückgetreten sei.

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Einmal klicken – (c) Lucas Kundigraber

Das absoluteste Highlight der Woche jedoch fand am Donnerstag statt. Groß wurde ein Gala Diner angekündigt, der Essenssaal wurde feierlich mit hübschen Servietten und Kerzen geschmückt. Um Punkt Acht gingen die Lichter aus, PensionistInnen seufzten ergriffen. Sämtliche KellnerInnen kamen mit Eistorten herein, mit brennenden Sprühkerzen darauf. PensionistInnen jauchzten erfreut. Dazu spielte ein Keyboardspieler, begleitet von einer Sängerin, The Battle Hymn of the Republic. PensionistInnen klatschten begeistert im Takt. Die KellnerInnen gingen herum, vom Klatschen angefeuert. Wir fühlten uns wie in einer Mischung aus Traumschiff und Musikantenstadl. Etwas bizzar, unfreiwillig komisch und dennoch sehr bemüht. Wie ein Urlaub sein sollte.

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