Ustascha, Haider und die Katholiken

Die sogenannte Ustascha war die faschistische Gruppierung in Kroatien zur Zeit des Zweiten Weltkrieges. Unter dem Poglavnik Ante Pavelić begann die Schreckensherrschaft im Nezavisna Država Hrvatska am 10. April 1941 und endete erst mit der Niederlage Nazideutschlands 1945.

Die kroatischen Faschisten, die Hand in Hand mit der kroatischen katholischen Kirche gingen, begannen zügig mit dem Aufbau eines Regimes, ähnlich dem nationalsozialistischen Deutschland. Rassengesetze nach Vorbild der Nürnberger Rassengesetze wurden erlassen, sie richteten sich gegen Juden, Roma und Serben. Erziehungs- und Kulturminister Mile Budak ließ im Juli 1941 verlauten:

Für Minderheiten wie Serben, Juden und Zigeuner haben wir drei Millionen Kugeln. Wir werden einen Teil der Serben umbringen, den anderen werden wir abtransportieren, und den Rest werden wir zwingen, die römisch-katholische Religion anzunehmen.“

Im Laufe der Ustascha-Herrschaft wurden mehrere Konzentrationslager errichtet, das bekannteste davon war das KZ Jasenovac. Es war das größte Lager in Südosteuropa sowie das einzige Konzentrationslager, indem ohne Hilfe der Deutschen Nationalsozialisten gemordet wurde. Wegen seiner Größe erhielt das KZ schnell den Beinamen „Auschwitz des Balkans“. Interessanterweise hatten mehrmals viele katholische Priester höhere Positionen im Konzentrationslager inne, so war beispielsweise ein Franziskanerpater für mehrere Monate Kommandant des Lagers. Am 5. Mai 1945 wurde das Lager von kommunistischen Partisanen befreit. Ein österreicherischer Historiker spricht nach Angaben eines Überlebenden von zirka 400.000 Opfern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Sieg der Tito-Partisanen in Jugoslawien entkamen Ante Pavelić und die Führungsriege der Ustascha über die sogenannte Rattenlinie nach Italien und verschifften sich anschließend nach Argentinien, USA, Kanada und Spanien.

Kriegsverbrecher und deren Verbindung nach Österreich

Zwar nicht an den Morden in dem Konzentrationslager beteiligt, wohl aber an Deportationen von Juden, Roma und Serben nach Jasenovac war Milivoj Ašner. Ašner war Polizeikommandant im Ustascha-Staat und nachweislich für mehrere Deportationen und Vertreibungen verantwortlich. Er floh nach dem Zusammenbruch des Unabhängigen Staats Kroatien nach Österreich, wo er auch die Staatsbürgerschaft bekam.

Kroatien forderte 2005 seine Auslieferung, da er aufgrund seiner Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt wurde. Ašner, der in Kärnten lebte, wurde von Österreich mit der Begründung, dass man keine Staatsangehörigen ausliefere, nicht an Kroatien überführt. Zudem nahm ihn der damalige Landeshauptmann von Kärnten, der Rechtspopulist Jörg Haider unter Schutz. Haider sagte unter anderem, dass Ašner

(…) seinen Lebensabend bei uns verbringen dürfe“ und weiter „Das ist eine nette Familie.“.

Psychologen erklärten nach einer Untersuchung Ašners, dass keine Vernehmungsfähigkeit gegeben sei. Mehrere Psychologen aus dem Ausland und internationale Institute erhoben jedoch Einspruch gegen dieses Urteil und äußerten bedenkliche Zweifel, da man Ašner mehrmals in offensichtlich gesunder physischer und psychischer Verfassung erlebte. Ašner starb schließlich unbehelligt mit 98 Jahren in Kärnten. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum bezeichnete Österreich aufgrund der unglaublichen Untätigkeit gegenüber einem der meistgesuchten Kriegsverbrecher des Zweiten Weltkriegs als „Paradies für Nazis“.

Auch heute noch findet man eine Anhängerschaft der Ustascha in Kroatien. Zahlreiche faschistische und neonazistische Gruppierungen hissen alte Ustascha-Symbole bei Demonstrationen und Kundgebungen, vielerorts verherrlicht man (wieder) Ante Pavelić. Weitere Verbreitung des Ustascha-Gedankenguts findet auch durch den Rechtsrock-Musiker Marko Perkovic mit seiner Band „Thompson“ statt.

Jörg Haider, der Kontakt zu Perkovic pflegte, lud Perkovic auch mehrmals nach Kärnten ein (die Hypo-Alpe-Adria Bank war Hauptsponsor der Band). Haider wollte gar einen Auftritt der Gruppe „Thompson“ vor dem Fußballspiel Österreich-Kroatien 2008 in Klagenfurt, zu Haiders Bedauern sagte Perkovic allerdings ab.

Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!

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