Von Sprüchen im Kindergarten

Ich war gerne Kindergartenpädagoge. Wirklich. Die Arbeit macht Spaß, Kinder sind keineswegs nervig. Vielleicht manchmal, aber nicht immer. Mit den Knirpsen etwas zu unternehmen, bereitet einfach Freude. Leuchtende Kinderaugen? Keineswegs nur in schlechten Erzählungen, so was gibt es wirklich. Und wenn man weiß, wie man mit einer meist 30-köpfigen Rasselbande umzugehen hat, kann das ein wirklich schöner Beruf sein.

Kindergartenpädagoge – Vater, Geheimnisbewahrer, Erzieher.

Ohne Witz und Spaß konnte ich noch nie im Kindergarten arbeiten. Und das beginnt meistens schon bei Vorbereitungsstunden, in denen man sich überlegt, welche sinnvollen Dinge man mit seiner Gruppe so anstellen könnte. Man überlegt sich einen guten Jausenreim, und da überlegt man lange.

Jausenreime dienen dazu, die Kinder von der Spiel-, Turn- und Werkphase in die Jausenzeit zu führen. Nicht bei jedem Kindergarten ist es so, dass alle Kinder gleichzeitig jausnen gehen. Öfter geht nur eine Gruppe, gibt es einen „offenen“ Jausentisch, die Kinder organisieren untereinander, wer jausnen wird. Hilfsmittel wie eine Klangschale oder eine Glocke signalisieren den Kindern, dass nun etwas passiert. Und dann steht man da. Bestenfalls sind alle ruhig, blicken gespannt, was denn jetzt kommen möge. Die Schlauen, meist Älteren, wissen um die Tradition und schleichen sich schon in die Garderobe, zum Jausensäckchen. Der Rest freut sich auf einen Jausenreim, den der Erzieher meist vor-, und dann gemeinsam mit den Kindern spricht.

Ri Ro Ra, die Jause die ist da, Ra Ro Rit, wir wünschen – guten Appetit!

Der Spruch gehört eindeutig zu jenen Zeiten, in denen mir partout nichts g’scheites einfallen wollte. Aufgesagt wurde er nur einmal während eines Praktikums, der entsetzte Blick meiner Pädagogin sagte mehr als tausend Worte. Man darf Jausenreime nicht unterschätzen – und muss kreativ sein. Zu kreativ ist in diesem Falle auch nicht gut. Kollegen, die Sprüche erfanden, die man nie, aber wirklich nie aufsagen darf, sind der beste Beweis dafür. „Das Koks ist in den Keksen drin, sie zu essen, das macht Sinn!“ ist noch der schönste Spruch, alle anderen richten sich gegen dicke Kinder, befürworten Fast Food und sind nahezu unaussprechlich.

Eigentlich sind sie sehr lustig, aber da ich vielleicht irgendwann in meinem Leben doch noch einmal in einem Kindergarten arbeiten werde und das Bloggen von wirklich hässlichen Sprüchen kein gutes Licht auf meine pädagogischen Fähigkeiten werfen würde, traue ich mich nicht, alle hier zu schreiben.

Wir wollen uns vor dem Essen, körperlich miteinander messen. Den Verlierer essen wir auf – also (Name einfügen) lauf lauf lauf!

Eigentlich arbeite ich viel lieber im Hort. Da sind die Kinder älter, verstehen mehr Spaß und können über sich selbst lachen. Doch der nahezu größte Vorteil – es gibt keine Jausensprüche. Weder normale, noch gemeine.

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