Zivildienst? Belegdienst!

Wie 14.000 andere junge Männer im Jahr 2011 verweigerte auch ich den Dienst an der Waffe und entschied mich dafür, Zivildienst zu leisten. Jedoch keinen 9-Monatigen.

Ich leistete als Gedenkdiener meinen Zivildienst im Ausland, und zwar im wunderbaren Berlin. Drei Trägervereine erhalten dieses weltweit einzigartige Netzwerk, bei denen Österreicher (in sehr seltenen Fällen auch Österreicherinnen) zu Gedenkstätten weltweit entsendet werden. Offiziell mit dem Auftrag, die Mitschuld Österreichs am Holocaust zu tilgen und das Bewusstsein zu stärken, für ein „Nie Wieder“ einzutreten.

Ich war beim finanziell als auch personell kleinsten Verein, dem Verein „Niemals Vergessen“, angestellt. Meinen Dienst trat ich im September 2011 bei der Gedenkstätte Deutscher Widerstand an. Als Gedenkdiener hat man 12 Monate zu absolvieren und bekommt pro Monat 700.- €.

„Denkste!“, wie der Berliner sagen würde.

Die 700 € waren Geschichte, wie mir vor kurzem mein Nachfolger an der Gedenkstätte mitteilte. Der Lohn für den einjährigen Dienst wird umständlich „Lebensunterhaltskostenrückerstattung“ genannt. Laut unserem Bundeskanzler Faymann im März 2012 wird der finanzielle Pott, ausdem dieses Geld fließt, nicht von Kürzungen beeinträchtigt werden (siehe dazu auch der dementsprechende Artikel im Standard). Mag sein dass der Betrag der LUKR nach wie vor 700 € beträgt.

Dass man nun aber als Gedenkdiener Belege (!) der monatlichen Ausgaben sammeln muss, die man im Auslandsjahr tätigt (das geht vom simplen Einkauf von Grundnahrungsmitteln bishin zum Flug nach Hause), ist neu. Neu ist auch, dass man jedweglichen Restbetrag, der von dem unter der Mindestlohngrenze liegendem Gehalt nicht belegbar ist, dem Bundesministerium zurückzahlen muss.

Ist der Förderverein des BMI der Ansicht, dass der Betrag nicht verbraucht wurde, muss man den Rest rückerstatten.

Das dümmliche Grinsen wäre mir schnell vergangen, wäre dies schon zu meinen Zeiten passiert
Das dümmliche Grinsen wäre mir schnell vergangen, wäre dies schon zu meinen Zeiten passiert

Das wars dann für etwaige Sparpläne (die mögen ob diesem mickrigen Gehalt vielleicht fehl am Platze erscheinen, zumindest in Berlin aber kann man sich ein bisschen was ansparen), das wars mit den Büchern für die Weiterbildung des Kollegen in Oświęcim. Ein Feierabendbier am Abend darf man sich auch nicht mehr genehmigen (außer man erhält einen Beleg), den schnellen Kebap um’s Eck gibts ebenfalls nur mehr mit Wisch.

Ein zusätzliches Einkommen durch einen Nebenjob ist vertraglich nicht erlaubt, somit fällt auch eine legale Möglichkeit weg, an Geld zu gelangen. Möchte man sich dennoch etwas dazuverdienen, dann ist der Gedenkdiener von heute dazu gezwungen, schwarz zu arbeiten.

Vor lauter Diskussion um Wehrpflicht, Zivildienst, Soziales Jahr und Berufsheer rückt der Gedenkdienst in den Hintergrund.

Und das ist schade, denn eigentlich war mein Jahr in Berlin ein sehr schönes. Ich habe nie bereut, den Dienst im Ausland getätigt zu haben, es waren wundervolle Erfahrungen und Erlebnisse darunter. Ich habe neue Freunde kennengelernt, internationale Kontakte geknüpft. In der Gedenkstätte wurde mir klar, welchen Beruf ich schlussendlich ergreifen will. Ohne meinem wunderbaren Gedenkdienst wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.

Wenn das Erlebnis des Gedenkdienstes aber durch solche Frechheiten und finanziellen Eingrenzungen deutlich gemindert wird, ist das für mich völlig unverständlich. Fast bekommt man den Eindruck, dass das BMI die große mediale Diskussion um den Zivildienst dazu nutzt, um still und heimlich schwerwiegende Interventionen zu tätigen, gegen die sich Vereine als auch Gedenkdiener besonders nicht wehren können (M.T., 10.01.2013).

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