Zwerge, Zauberer, ein Hobbit – und ein Ring.

Gestern war es wieder mal soweit, der traditionelle Vorweihnachts-Kinobesuch wurde begangen. Die Wahl des Filmes, no na, fiel nicht schwer, voller Vorfreude sah ich mir mit Freunden den ersten Teil der Hobbit-Triologie an. Und wurde angenehm positiv überrascht – der Film ist empfehlenswert, wenn auch mit einigen Schwächen.

Nach endlosen Werbeeinschaltungen begann endlich der heiß erwartete Hauptfilm. Gleich mit einer angenehmen Überraschung – der Film setzt dort ein, wo der erste Teil der Herr der Ringe-Triologie beginnt, nämlich am 111zigsten Geburtstag von Bilbo Beutlin. Jener schwelgt in Erinnerungen, und der Zuseher kommt gleich einmal in den Genuß der unglaublich schnellen Bildrate. Die Kampfszenen zwischen Orks und Zwergen verschwimmen, kurzzeitig dachte ich mir, aus Versehen meine alte Brille aufgesetzt zu haben. Nein, kein Versehen, die Brille passt, es ist nur das Auge und der Geist, der da nicht so schnell mitkommt, und auch nicht mitkommen kann.

Der Hobbit steckt voller easter eggs und gleichen Elementen aus den HdR-Filmen.

Nicht nur berühmte Zitate aus den Herr der Ringe-Filmen finden Platz im dreistündigen Film, auch kleine Anekdoten, die zu netten „Aha“-Erlebnissen führen. So nagelt Frodo im Hobbit das „Zutritt nur für …“-Schild an den Zaun, auch wird erklärt, warum er im Wald im ersten HdR-Teil auf Gandalf trifft. Nur beim Ringfund war man nicht darauf bedacht, die bereits existierende Szene in Herr der Ringe nachzuspielen.

Für meinen Geschmack war die musikalische Gestaltung zu einfach gestaltet. Immer waren Elemente aus der Filmmusik des Herrn der Ringe zu hören, beispielsweise wenn Thorin Eichenschild den Kampf mit dem (für den Film noch lebenden) Ork Azog aufnimmt oder die Zwerge vor den Goblins fliehen. Denn da hört man die typischen Musikstücke der Ringgeister und der Moria-Orks. Andererseits auch wieder passend, fühlt man sich doch irgendwie „heimelig“.

Radagast der Braune – einer der liebenswerten, verwirrten Charaktere, der gern Pilze schmaust.

Der braune Zauberer, einer der fünf Istari, ist meiner Meinung nach sehr gelungen dargestellt – ein Eigenbrötler, süchtig nach Pilzen, der lieber Tiere um sich schart als Menschen. Voller Humor, Vogelkot (?) und magischen Fähigkeiten, bei denen er gerne mal die Augen verdreht. Doch ist er neben Gandalf nicht der einzige Zauberer, der im Film auftritt, auch Saruman gibt sich ein kurzes Stelldichein, bei dem er schon unsympathisch und verwegen erscheint.

Ungewohnt für mich war, dass die Bösewichte soviel konversieren. Dass der Goblin-König singt und Scherze treibt, dass die Trolle lispeln und ungeniert rotzen was das Zeug hält, ist für einen Herr der Ringe-Fan ebenfalls ungewöhnlich. Bei allen drei Teilen treten die bösen Wesen als solche auf – mordlustig, brutal, dumm. Beim Hobbit bekommen sie gar „menschliche“ Eigenschaften zugesprochen, als auch ein hohes Maß an Kultur und Zivilisation. Ein Goblin-Volk mit König? Ein Ork-Volk mit Oberhaupt? Ungewöhnlich, sehr ungewöhnlich.

Wer das Buch gelesen hat, weiß, dass das Werk Tolkiens eine Menge an kindlichen Schabernack, Spielereien und Streichen beinhaltet. Und das wurde im Hobbit gut umgesetzt, immer wieder gab es Szenen und Dialoge zum Schmunzeln. Dass die meisten Orks im Film die schwarze Sprache Mordors sprechen, bürgt für Authentizität, dieses Element hat mir in den Verfilmungen des Herrn der Ringe schon gefehlt.

Fazit: Der Hobbit braucht nicht den Erwartungshaltungen von Herr der Ringe zu entsprechen.

Der Hobbit steht für sich und braucht keineswegs an Herr der Ringe anzuknüpfen. Der Hobbit ist anders als der Herr der Ringe, und das ist gut so. Altbekannte Charaktere (Gandalf, Frodo, der alte Bilbo Beutlin) haben eine merkliche Auffrischung erhalten, bekannte Wesen (die Adler, Orks, Goblins) eine gründliche Überarbeitung. Der Film ist anders, lässt sich aber dennoch ohne weiteres als gelungenes Prequel für die Herr der Ringe-Geschichte bezeichnen. Für Tolkien-Fans eine gelungene, erneute Reise nach Mittelerde, für Herr der Ringe-Fans eine nette Vorgeschichte. (M.T., 24.12.2012)

5 Antworten auf “Zwerge, Zauberer, ein Hobbit – und ein Ring.

  1. – Ja, die Werbeeinschaltungen haben mich auch genervt. Ganze 30 Minuten Werbung und dann noch Trailer von anderen Filmen. Ein Witz.
    – Tolle Analyse. Damit kapier ich den Film schon wieder ein Stück mehr. Hab alle HdR Filme gesehen, aber kein sonderlicher Fan.
    – Ist der „Hobbit“ im Endeffekt nicht eine finanzielle Ausschlachtung der HdR Geschichte/Idee?

    1. Vielen Dank 🙂 Hm, das mit der Ausschlachtung kann man so sehen, muss man aber nicht. Dass Jackson mit dem Hobbit im Fahrwasser der Herr der Ringe-Teile schwimmen will, kann natürlich sein und ist vielleicht auch so. Aber der Film verdient es meiner Meinung nach dass man ihn ohne Herr der Ringe im Hintergrund schätzt und für gut befindet.

  2. Hab da ehrlich gesagt auch keine Ahnung wer was geschrieben/verfilmt hat. Ich hab´s jedenfalls spannend gefunden. Frage mich nur, ob das für Leute, die HdR nicht gesehen haben genauso gilt…

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