18.000 Likes, 18.000 Todesurteile

Vor kurzem wurden im Westjordanland drei israelische Siedler angeblich von der Hamas entführt. Auf Facebook existiert seit diesen Tagen deswegen eine Seite, die die stündliche Tötung eines Palästinensers fordert – bis die drei jungen Israelis wieder freigelassen werden. Und Facebook akzeptiert dies.

„Es ist dir untersagt, anderen glaubhaft Gewalt anzudrohen oder Gewalttaten in der echten Welt zu organisieren. (…) Darüber hinaus verbieten wir jegliche Ankündigung, Planung oder Durchführung von Aktionen, die anderen finanziellen Schaden zufügen oder zufügen könnten (…).“ (§1 der Standards der Facebook-Gemeinschaft)

Das Profilbild der Seite? Palästinenser im Fadenkreuz. Der Titel der Seite? „Bis die Burschen zurück sind, erschießen wir jede Stunde einen Terroristen.“ Die Unterstützung? Enorm. Seit dem Entstehen der Seite hält sie bei über 18.000 Likes (Stand 17. Juni 2014: 18.508), ein durchaus toller Wert im Auge eines Seitenadministrators. Während hingegen anderswo Likes gesammelt werden, um Menschen symbolisch bei Hochwasserkatastrophen zu unterstützen, ruft man auf dieser Seite zum Mord auf: „Kill a terrorist every hour.“

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Am Bild oben: „Zurück zur jüdischen Kriegsmoral: Töten oder getötet werden.“ Und darunter: „Tötet jede Stunde einen Terroristen!“

„(…) erlauben wir es einzelnen Personen oder Gruppen nicht, andere aufgrund ihrer Rasse, Volkszugehörigkeit, nationalen Herkunft, Religion, sexuellen Orientierung, Behinderung, ihres Gesundheitszustands oder Geschlechts anzugreifen.“ (§4 der Standards der Facebook-Gemeinschaft)

Diese Seite verstößt klar gegen zwei Paragrafen der Facebook-Richtlinien, wenn nicht mehr. Sie ruft offen zur Gewalt und Tötung auf – Gewaltfantasien und -verherrlichung finden ebenfalls ihren Platz. Diese Seite zu melden bringt jedoch (momentan) nichts – Facebook sieht keinen Grund darin, die Seite zu löschen. Während anderswo Facebook vorbildlich selbst die Initiative ergreift und rassistische sowie zur Verhetzung aufrufende Seiten löscht bleibt sie hier tatenlos. Derweil reicht schon eine einfache Google-Translate Übersetzung des Titels, um gegen die Facebook-Standards zu verstoßen.

„Thank you for taking the time to report something that you feel may violate our Community Standards. Reports like yours are an important part of making Facebook a safe and welcoming environment. We reviewed the page you reported for containing hate speech or symbols and found it doesn’t violate our Community Standards.“ (Antwort von Facebook)

Die Formulierungen der Community Standards von Facebook sind etwas wage gehalten und lassen Spielraum zu. Doch wo Unrecht offensichtlich zu Recht wird muss Widerstand zur Pflicht werden – es darf keinen Platz auf sozialen Plattformen für menschenverachtende und zum Mord aufrufende Seiten geben!

Quellen: Facebook, Artikel eines Qualitätsmediums, Beitrag eines Blogs, mehrere englischsprachige Nachrichtenportale
Update 17. Juni 2014, 15:00 Uhr: Bis jetzt wurde mindestens ein Beitrag auf der Seite selbst von Facebook entfernt – die Seite als Gesamtes ist jedoch nach wie vor ungesühnt online.

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