Aberglaube der Tauben

Anlässlich der Sonderausstellung des Universalmuseums Joanneum im Volkskundemuseum zum Thema „Aberglauben“ schrieb ich diesen Beitrag, um auch an der stattfindenden Blogparade teilzunehmen. Warum gibt es eigentlich so etwas wie Aberglauben?

Ich fürchte mich weder vor schwarzen Katzen, noch gehe ich nicht gern unter Leitern hindurch, schon gar nicht führe ich einen Talisman mit mir (beispielsweise eine Hasenpfote), und nie im Traum würde es mir einfallen, am Freitag dem 13. nicht außer Haus zu gehen – zudem ich an einem Freitag dem 13. geboren wurde.

Das war’s also mit „typischen“ Bräuchen des Aberglaubens. Dennoch habe ich auch einige Macken, die die Bezeichnung Aberglaube vielleicht verdienen würden. So neige ich meistens dazu, nach Prüfungen oder Tests meine Leistung schlecht zu reden oder ich spreche gar nicht davon. Aus Angst, ich könnte, wenn ich davon rede, eine schlechte Note bekommen. Furchtbar dumm eigentlich.

Oh, und da fällt mir ein, in meinem Portemonnaie befand sich auch bis vor einiger Zeit eine 1-Schilling-Münze, die in meinem Geburtsjahr ausgegeben wurde. Soviel zu „keinen Talisman“ – irgendwie gefiel es mir, so etwas bei mir zu tragen, doch als Glücksbringer bezeichnete ich die Münze nie. Zudem ich sie dann unbemerkt irgendwo in einen Automaten steckte. Seit ihrem Verschwinden geht’s mir nicht besser, aber auch nicht schlechter – die Münze bleibt eben eine Münze. Nicht mehr.

Aberglaube ist perfekte operante Konditionierung

Das liegt daran, dass ich mit dieser Münze nicht genügend glückliche Ereignisse hatte (oder, anders gesagt, es fand keine operante Koordinierung statt). Denn dann hätte es durchaus zu einem abergläubischen Verhalten meinerseits kommen können. Warum das so ist, erklären am besten die Versuche des amerikanischen Psychologen Burrhus Frederic Skinner. Der sperrte nämlich Tauben in eine Box, die in zwei Bereichen unterteilt war: ein größerer Bereich, in dem die Taube saß, und ein kleinerer Bereich, in dem sich ein Gefäß mit Futter befand. Alle 15 Sekunden öffnete sich eine Luke und gewährte der Taube die Möglichkeit, das Futter kurz zu fressen.

Bei allen Versuchstieren konnte man dasselbe beobachten: Sie entwickelten bestimmte Verhaltensweisen, die sie zwischen den Futterspenden regelmäßig wiederholten. Wenn eine Taube kurz vor dem Öffnen einer Futterluke beispielsweise mit den Flügeln schlug, so verband sie das Futter mit den Flügelschlagen – und flatterte die ganze Zeit im festen Glauben dadurch, und nur dadurch, das Futter zu bekommen.

Dieses Experiment, welches als „Aberglaube der Tauben“ bekannt wurde, belegt die Macht der zufälligen Verstärkung – und erklärt auch jedweglichen Aberglauben. Nehme ich meine Schilling-Münze beispielsweise zu einer Prüfung mit und bestehe, dann werde ich diese Münze auch bei der nächsten Prüfung mitnehmen und mir wieder Erfolg davon versprechen. Gleichwohl mein Wissen und meine Kompetenz mir den Erfolg sicherten – nicht irgendeine Münze.

5 Antworten auf “Aberglaube der Tauben

  1. Nicht jede Konditionierung ist schon ein Aberglaube, Schließlich lernt man ja auch, dass regelmäßig Wasser fließt, wenn man eine Klospülung bedient, oder dass eine Herdplatte heiß wird, sobald man an einem bestimmten Knopf dreht. Es gehört schon ein kognitiv fähiges Ich zum Aberglauben, das mehr leistet als eine einfache Wenn-dann- Folge zu realisieren. Zum Beispiel eine Generalisierung oder Übertragung auf andere Zusammenhänge.

      1. Aber Verstärkung ist nicht genug. Es braucht sowas wie einen supertitiösen Überschlag, bei dem Regeln nicht nur befolgt, sondern als solche erkannt werden.

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