Es sind nur Soldaten da gewesen

Hinter der Gemeinde Gratkorn liegend befindet sich der Ortsteil Dult. Dieses beliebte Spaziergangs- und Erholungsgebiet birgt ein Geheimnis, welches im Ort selbst ein Mythos zu sein scheint – ein Massengrab. 1945 wurden in dem heute beliebten Ausflugsziel ungarische Juden von SS-Einheiten ermordet. Eine Spurensuche.

Es sind nur Soldaten da gewesen“: Der Titel meiner ersten Multimediareportage ist nicht ohne Hintergrundgedanke gewählt. Entnommen einem Interview mit einer Ordensschwester im Kloster Mariarast in der Dult zeugt er von einem nicht vorhandenen Bewusstsein rund um die schrecklichen Ereignisse im April 1945, welches in ganz Gratkorn anzutreffen ist.

Vom „Judengrab“ hörten wir schon in der Volksschule in Gratkorn. Es wurde gemunkelt, dass es irgendwo in der Dult sein sollte. An einem schönen Sommertag schließlich kam ich zufällig ins Gespräch mit meiner Nachbarin Helga Steinberger, welche sich als wertvolle Zeitzeugin erwies und mir bestätigte: ein Judengrab in der Dult gibt es tatsächlich.

Die Reportage

Von Neugier gepackt begann ich zu recherchieren. Nach einigen Terminen in diversen Bibliotheken und Archiven, Interviews mit Helga Steinberger und anderen Personen sowie dem Erstellen einer multimedialen Reportage auf der Plattform Creatavist, kurz gesagt: nach mehr als einem Jahr der Recherche und Arbeit, immer wieder ein bisschen,  ist „Es sind nur Soldaten da gewesen“ fertiggestellt. ZUR REPORTAGE

Die Reportage versucht einen Kreis zu ziehen. Von einem kurzen Einblick in die heutige Ruheoase Dult, das so beliebte Ausflugs- und Spaziergangsgebiet, über einen kurzen Abriss des nationalsozialistischen Gratkorns bishin zur Tat selbst versuchte ich, zumindest ansatzweise, das nicht vorhandene Wissen über die Geschehnisse im April 1945 zu füllen. Abgerundet wird dies von Tondokumenten der Zeitzeugin sowie einem animierten Video über den Weg der Kolonnen ungarischer Jüdinnen und Juden.

Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Diesem Zitat ordne ich diese Reportage unter, sie dient dem alleinigen Zweck der Mahnung und Erinnerung.

Updates

Update 23. Oktober 2014: Neben der Kleinen Zeitung weisen auch das Dokumentationsarchiv Österreichischer Widerstand, die Plattform „stoppt die rechten“ und die Grünen Graz-Umgebung auf die Veranstaltung hin.

Update 01. Oktober 2014: Eine Gedenkveranstaltung findet am Samstag, den 08. November 2014 in der Musik- und Kunstschule Gratkorn statt. Neben meiner Wenigkeit werden auch Karl Kubizky, Stadthistoriker aus Graz, sowie Rainer Possert, Aktivist rund um das ehemalige Lager Liebenau sprechen.

Update 20. Juli 2014: Nach Gesprächen mit Magdalena Pomwenger, der Visitatorin der Barmherzigen Schwestern, und weiteren Personen des Ordens wird klar: das mit dem Gedenkstein dürfte noch dauern.

Update 15. Juni 2014: Dank Robert Preis bin ich erneut in der Kleinen Zeitung vertreten, auch wenn Preis sich um eine Spur zu optimistisch ausdrückt: dass hochrangiger Besuch aus Deutschland erscheinen wird, verspreche ich nicht, sondern weiß ich ganz einfach noch nicht.

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Update 22. Mai 2014: Da sich der Grund, auf dem ich mein Denkmal aufstellen möchte, im Besitz der Barmherzigen Schwestern in Graz befindet, nahm ich Kontakt mit Magdalena Pomwenger, der Visitatorin, auf. Sie versicherte mir dass mein Anliegen noch in einer Sitzung im Mai besprochen wird.

Update 17. Mai 2014: Der Abgeordnete im Nationalrat für die Grünen, Harald Walser, veröffentlicht einen Blogeintrag in dem er seine Hochachtung für die gute Unterstützung seitens der Gemeinde Gratkorn und für meine beispielhafte Initiative und meine Bemühungen ausspricht. Das freut mich sehr, vielen Dank!

Update Mai 2014: Nach einer erneuten Begehung, gemeinsam mit dem zuständigen Bauamtsleiter Gratkorns und dem Verantwortlichen für den Bau des Rückhaltebeckens, steht dem Aufstellen eines Gedenksteins theoretisch nichts mehr im Wege. Weiters bin ich im Gespräch mit Bürgermeister und dem Kulturreferenten, um eine Gedenkfeier in Gratkorn zu organisieren.

Update April 2014: Nach Gesprächen mit dem Bürgermeister, Ernest Kupfer, wird klar, dass der gesamte Prozess wohl noch etwas länger dauern wird. Genau in dem Gebiet, wo ich gerne das Denkmal hinstellen würde, wird nämlich ein Rückhaltebecken gebaut.

Update 17. März 2014: Erneut in der Kleinen Zeitung. Gespräche mit dem Bürgermeister von Gratkorn, Ernest Kupfer, stehen bevor.

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Update 16. Februar 2014: Nach einem Interview mit Robert Preis war ich mitsamt der Geschichte auch in der Kleinen Zeitung GU zu lesen. Es ist mir jedoch ein Bedürfnis, anzumerken, dass ich diese Reportage nicht mit dem Ziel, ein Denkmal einzufordern, schrieb, sondern aus einem einfachen Grund: dass solche Dinge nicht in Vergessenheit geraten dürfen.

01 KLEINEZEITUNG GRAZ_NORD 20140216 Prod-Nr 197073   Seite 30

Zusätzliches Material

Nicht alles fand Platz in der Reportage, und nicht alles passte ins endgültige Konzept. Und einiges ist wirklich zu gut gemacht – deswegen hier nocheinmal zu sehen:

Das animierte Video von Sandra Rachinger

Noch mehr Fotos des Jüdischen Friedhofs von Lucas Kundigraber

Kurzzusammenfassung zu Südostwall und Todesmärschen

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4 Antworten auf “Es sind nur Soldaten da gewesen

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