Im Kino Bosna

Wir sind endlich da. Erster Abend in Sarajevo, in einem über hundert Jahre alten Kino. Leute sitzen auf Sesseln, knautschen in Sofas, die Bühne ist für alle da. An den Wänden Filmplakate und Poster, runde Tische mit bunten Tüchern davor.

Die Musik ist laut, wir haben das Theater wirklich lange gesucht und dann doch noch gefunden. Es scheint wohl ein echter Insider-Ort zu sein, jedenfalls denke ich mir das, wahrscheinlich nur aus dem Stolz heraus, nach Suche im Regen doch hergefunden zu haben. Die Musik ist sehr laut. Rings um sitzen und rauchen eher Typen um die dreissig, fünfunddreissig, und ich fühle mich jung. Der Musiker, sein Name lautet übersetzt „Harry die Pistolenkugel“, spielt im rechten hinteren Eck, er blickt auf sein Wohnzimmer und einige singen mit.

Da beginnt der Musiker ein lustiges Liedchen, wir verstehen kein Wort, der Refrain ist ein kurzes, ein spöttisches „Srpkinja“, und nach der Reihe beginnen alle zu lachen, und wir fragen uns warum. Hinter uns meint einer, es gehe um Serbien, ihr wisst schon, eine Frau, eine Parodie auf Tito, jedenfalls höre ich letzteres, glaube es zu hören, denn die Musik ist laut, viel zu laut. Das Lied kommt nochmals als Zugabe, alle klatschen, wir klatschen pflichtbewusst mit, ich schnappse, sage vierzig an und gewinne das Spiel. Die Bierflaschen vor uns stehen leer da und ich stehe auf.

Nach dem bosnischen Musiker kommt einer aus Tschechien, sein Name lautet übersetzt soviel wie „Der, der Berge bewegt“. Er ist mit einem Mädchen da, das nun, wo er auf der Bühne steht, eher gelangweilt in die Runde blickt. Er trägt jedenfalls nur schwarze Klamotten und ist eher nicht so gut, er singt wenigstens englisch und doch quietscht und gibt er sich viel zu dramatisch. Der Applaus ist spärlich, seine Augen wissen dies, und doch bemüht er sich weiterhin, wirft öfters ein Thank You in die Runde und verstimmt seine Gitarre noch mehr. Zeitweilen jault er so sehr, weil er so Liebesschmerz und Liebeskummer darstellt, dass einige am Sofa wieder zu lachen beginnen und irgendetwas palavern, während ich im Kartenspiel verliere und mich insgeheim ein wenig ärgere.

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