tweetup Premerie

Am 15. März fand in Graz im Zuge einer Preview des neuen Naturkundemuseums österreichweit zum ersten Male ein tweetup statt. Ich war im Zuge meiner Anstellung als Öffentlichkeitsmitarbeiter des Universalmuseums Joanneum dabei – ein erster Eindruck, viele Steinchen und Gezwitscher ohne Ende.

Nebst für mich eher uninteressanten Steinen, weil nicht essbar, zahlreichen Viechern, tollen Infografiken und museumspädagogisch gut durchdachten und deswegen ansprechenden Ausstellungsstücken beinhaltete die Preview-Führung im Naturkundemusem eine Besonderheit: es fand ein tweetup statt. Hierbei treffen sich eifrige Twitteranti und solche, die es noch werden wollen, und begleiten mit gezückten Smartphones, Ich-Telefonen und Tablets eine Führung, um währenddessen eifrig von Gehörtem, Bildern, Zitaten zu twittern. Zudem werden Fotos geschossen, eifrig Retweets und Favouriten gekürt. Und man bekommt neue Follower – ich zwar nicht, aber das ist eine andere nicht existente Geschichte.

Überall nur Nerds. Und wir mittendrin.

Im Foyer des Joanneum Graz trafen sich gestern um die zwanzig Personen, nicht alle mit Geräten, nicht alle mit Twitteraccounts. Die Stimmung war gespannt und voller Vorfreude. Nerds, soweit das Auge blickt? Nicht nur. Durchschnittsalter um die 30 aufwärts, da waren ich und mein Kollege noch die Jüngsten. Schelmisch meinte letzterer, er sei gespannt, wann es denn den ersten „aufpickt, weil er net schaut wohin er geht“.

‚Aufpickt‘ hat es niemanden, sicher wurden wir vom ersten Guide in den ersten Teil des Museums geführt. Dort angekommen ging es los – der Guide plapperte etwas von Steiermark und Urzeit und Krebse und überhaupt Plattenverschiebung. Vulkane, Feuer, Fossilien. „Hier kann man ausprobieren, da kann man drücken, das ist geil, das ist auch geil.“ Und die Twitteranti twitterten, fotografierten, schmissen sich gegenseitig Favouriten und Retweets zu, lachten, waren unaufmerksam und gleichzeitig fasziniert.

Lässig im Museum twittern. Hat was. (c) Monika Meurer

Kultur des gesenkten Blickes nun auch im Museum.

Ja, das war mein schlauester Tweet vom ganzen Abend. „Hineinschaun in’s Kastl, bucklat dostehn und net aufpassn“ – worüber sich letztens eine alte Dame an der Bushaltestelle echauffierte, passierte nun auch im Museum. Zumindest ging es mir so – wenn ich mich nicht gerade ärgerte, dass das Bild hochladen so lang dauert, wenn ich nicht gerade am überlegen war, wie ich meinen Tweet am besten formuliere, und wenn ich nicht gerade anderswo beschäftigt war (Facebook, andere Tweets, neue Follower, Retweets und so), dann hörte ich zu, probierte aus oder las Informationen an der Wand. Zielführend? Wohl eher weniger. Obwohl ich einiges mitbekam, was andere so über das Museum twitterten, bekam ich nicht alles mit und sah nicht alles der Ausstellung.

Mein Fazit: Unhöflichkeit, die keine war, ein tolles Museum, was ich so sah, und Twitter.

Zeitweilen war es so, dass der Guide (der ab einem gewissen Raum wechselte, denn da änderte sich die Thematik von Steinen zu Tieren) in die Wand redete, da sämtliche anwesenden Leute, einschließlich meiner Wenigkeit, auf einen Bildschirm starrten und twitterten. Hierbei empfand ich persönlich eine gewisse Scham, da ich so etwas eigentlich als Unhöflichkeit auffasse – zu neu diese Situation, in die ein tweetup einen bringt. Dennoch gab es natürlich auch Situationen, wo man staunend rund um einen ausgestopften Biber stand, begeistert dem Guide lauschte und wirklich Museumsatmosphäre genoss. Das, kombiniert mit Twittern, ergab einen interessanten Mix. Dennoch würde ich mir die Ausstellung gerne noch einmal ansehen – ohne Twitter.

Lustige Konversationen entwickelten sich da!
Lustige Konversationen entwickelten sich da.

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